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Donnerstag, 8. März 2012

Ich? Weiß!

Ich trinke weiß. Oft. Meistens. Also, eigentlich fast immer. Ja, mir schmecken Frühburgunder und St. Laurent, ich habe sehr ordentliche rote Südtiroler und Toskaner im Keller liegen, ein Megalith wartet nur noch auf die perfekte Gelegenheit, der Clos des Mouches von Drouhin und der Côte-Rôtie "Seigneur de Maugiron" von Delas waren auf der Prowein Highlights. Und die Spätburgunder von Jost und Kühn. Und die von Hajo Becker. Und der Zweigelt vom Koegler. Und und ... und die Top Ten, die wir gestern verbloggt haben.
Aber wenn ich einfach nur die Wahl habe zwischen rot und weiß, dann will ich weiß. Ganz einfach.

Ganz einfach? An dieser Stelle schaut mir der Hospitant über die Schulter. Spontane Reaktion: Schnappatmung. "Das kannst Du doch nicht schreiben! Susas und Hs und Arturs laden uns nie wieder ein, wenn sie das lesen! Und der Ole schon dreimal nicht!" Mein schüchterner Einwand, die hätten doch auch weiß im Keller, wird hinweggefegt. Mein etwas deutlicherer Hinweis, er habe, etwa nach der Portugieserprobe am Sonntag, doch selbst..., wird ignoriert.
Klar. Trinke ich rot, bleibt mehr weiß. Dann trinkt er weiß. Tut er nämlich. Oft. Meistens. Fast immer.

Auch am Montag. Bordeaux ist nämlich auch weiß. Manchmal.

Die Top Seven:

Platz 7: Ferrande, ein bisschen rauh, leicht rustikal (85)
Platz 6: Rahoul, leichtfüßig, feines Säurespiel (87)
und Olivier, oxidativer ausgebaut als die Meisten, aber gut (87)
Platz 5: Bouscat, gute Konzentration, nussig, gute Länge (88)
Chantegrive, harmonisch, ein bisschen glatt (88)
Chateau Carbonnieux, frisch, grüne Noten, ein bisschen rauh, deutliche Holznote (88)
La Louvière, tief, gute Länge (88)
Platz 4: Domaine de Chevalier, komplex, fein, gute Länge, hat Biss (89)
Latour-Martillac, nussig, sehr klar und geradelinig, komplex (89), 
Malartic-Lagraviére, viel Substanz und sehr lang (89), 
Pique Caillou, sehr harmonisch, es fehlt ein bisschen Druck, wirkt ein bisschen dünn, fast wässrig, (89)
Platz 3: Pape Clément, tief und klar, eher schlank, aber mit Finesse (90)
Platz 2: Larrivet Haut-Brion, körperreich, konzentriert, sehr lang (91)
Platz 1: Smith Haut Lafitte, gute Konzentration und Länge, sehr klar und strahlend, braucht Luft (93)

Sonst noch was? Oh, ja. Sauternes und Barsac.

Da gibt es nur die Top Five:

Platz 5:
Guiraud, sehr süß, ein bisschen dumpf und breit (88)
Platz 4: Bastor-Lamontagne, rauchig in der Nase, gute Konzentration, ein bisschen scharf,  Mandarine, Orange, bittersüß (90) 
Platz 3: Doisy Daene, sehr feingliedrig, geschliffen, feine Säure (90)
Platz 2: Coutet, cremig, fülle, geröstete Noten, Krokant (93)
Platz 1: Laufaurie-Peyraguey, Orangenschalen, gut eingebundenes Holz, exotische Früchte, super lang (93)

Aber das war's wirklich. Ich weiß, er weiß, wir wissen: Jetzt gibt's endlich weiß.
Völlig überraschend.


Mittwoch, 7. März 2012

À l'attaque!

Ein Höhepunkt der Prowein ist die Bordeaux Grand Cru Probe der Sopexa. Früher in den Rheinterrassen, seit 2010 auf dem Messegelände in der Stadthalle. Mit Voranmeldung, Bestätigung, nur "geladene Gäste" sozusagen.

Ein Start mit Hindernissen - mäßige Ausschilderung, pures Chaos bei der Ausgabe der Tagespässe.
"Sie haben sich angemeldet?" - "Ja." - "Worunter, Firma oder Nachname?" - "Äh, ich hab alles ausgefüllt." Hektisches Wühlen in Etikettenpapierstapeln. An allen fünf Anmeldestellen, wohlgemerkt. "Ach, ich schreibe Ihnen schnell ein Namensschild!". Nach 10 Minuten heißt es dann nur noch "Gehen Sie schon mal zur Verkostung, ich suche Ihnen Ihr Schild raus, das können Sie sich dann in einer halben Stunde abholen!" Währenddessen wird eine Mitarbeiterin losgejagt "Hol mal schnell Visitenkartenhüllen mit Klemme, 50 Stück, ach nee, lieber 100!".
Meinen Tagespass habe ich auch nach anderthalb Stunden nicht (wie geschätzt 75 Prozent der Besucher), dafür aber ein liebevoll handgemaltes Kärtchen. Nein, darauf kommt es nicht an, aber wozu dann die Anmeldeformalitäten - wenn doch jeder einfach so reinspazieren kann?

Aber zur Hauptsache.
Keine Angst, hier folgen jetzt keine detaillierten Notizen von rund 130 Weinen, die wir eh nicht alle, aber immerhin FAST alle probiert haben, und außerdem waren auch ein paar renommierte, im Katalog gelistete Winzer gar nicht erst da. Châteaux, pardon.

Die Highlights, erst mal in rot.
Vorab: Nur vereinzelt gab es zu überkonzentrierte, marmeladige Weine. Vielleicht ist die Besinnungphase im Bordelais in vollem Gange - weg vom Parker-Stil. Der Jahrgang gab es natürlich auch her, Substanz, Dichte, aber trotzdem Eleganz und Finesse. (Wenn man's kann.)

Unsere Top Ten:

Nicht auf dem Treppchen, aber erwähnenswert: Angludet (89 DJ-Punkte). Schwarze Beeren, reife, süßliche Frucht, gute Länge. Super PLV.

Platz 10: Brane-Cantenac. Konzentriert in der Nase, viel Stoff und Fleisch, leicht animalisch (90).

Platz 9: Canon. Konzentriert aber elegant, gute Länge, ein Schmeichler, ein bisschen zu zugänglich (90).

Platz 8: Léoville-Barton. Holzbetont, dichte Struktur, spürbare, aber weiche Tannine (91).

Platz 7: Rauzan-Segla. Bereits jetzt sehr viel Trinkgenuß, elegant, komplex und mit guter Struktur (91).

Platz 6: Lascombes. Elegant, schwebend, gute Struktur (92).

Platz 5: Lynch-Bages. Leder, holzbetont, leicht animalisch in der Nase (92).

Platz 4: Kirwan. Richtig, richtig gut, mineralisch, sehr gute Länge (92).

Platz 3: Gruaud Larose. Gute Konzentration, voluminöser Körper, mundfüllend, seidig (92-93).

Platz 2: Comtesse. Sehen wir ganz weit vorne, kühle Mineralik, ein Tick Holunder, sehr lang und harmonisch (93).

Platz 1: Figeac, Figeac, Figeac. Viel Druck und Potential, eigener Stil, straffer Körper. Groß! (95).
Wir sind da auch ganz bei Susanne - immer eine überaus kompetente Combattante.

Leider nicht verkostet und darum nicht bepunktet: Canon-la-Gaffelière
Als wir kamen, waren die zwölf Flaschen schon leer, und der Comte bedauerte wortreich und charmant. Kurz OT: Dieses Mal war der léger über den Maßanzug drapierte Cashmerepullover nicht orangefarben, sondern pink - möglicherweise, weil ein  Kollege am anderen Ende des Saals ihn frech plagiiert hatte und seinerseits orange Pulloverfarbe on top zeigte? Mon dieu ...

Jammern auf hohem Niveau. Ich weiß! Und morgen gibt's mehr davon - in weiß.