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Montag, 12. Mai 2014

Alt. Neu. Entdeckt. Teil 1.

Kennt Ihr das? Weingüter, die man eigentlich auf der Spur hat, irgendwie "kennt", aber doch nur sehr oberflächlich? Die man an den Tagen der offenen Keller auch eher auslässt "das können wir auch irgendwann anders". Was dazu führt, dass man davon schlicht keine Ahnung hat.

Im Rheingau kennen wir uns, denke ich, halbwegs aus, aber es gibt schon noch eine Reihe alteingesessener Betriebe, die wir - warum auch immer - noch nicht besucht haben.
Warum auch immer ist manchmal auch ein Synonym für "zu weit weg". Rüdesheim ist gefühlt ganz schön weit weg. Das ist natürlich sachlich Quatsch.
Aber gefühlt ... hat das sicher auch mit dem Stau zu tun, der sich an schönen Sonnensonntagen ab elf Uhr morgens von kurz hinter unserer Hoftür bis nach, eben, Rüdesheim zieht und dann ab 17 Uhr wieder zurück.

Durch die Stadt geht's dann im Schritttempo, eingekeilt zwischen Reisebussen, Wohnmobilen und Ausflüglern, die dann mit etwas Glück (wenn wir unterwegs zum Mittelrhein sind) noch bis Kaub vor uns herschleichen, Mitte fahrend, links und rechts deutend und knipsend - Weinberge! Rhein! Burgen! Noch mehr Weinberge! Boote! Achtung Gegenverkehr! Baustellen! Das alles hat gefühlt mit Rüdesheim zu tun, seien wir mal ehrlich.

Nun war das vergangene Maiwochenende so gründlich verregnet, dass die Ausflügler ausblieben - ärgerlich für die Winzer, weniger ärgerlich für uns. Sonst hätten wir es wahrscheinlich wieder nicht in die Sektkellerei Ohlig geschafft. Gefühlt zwei Millionen Mal sind wir dran vorbei gefahren, kennen die mehr als ordentlichen Basisqualitäten aus dem LEH ... und hatten keine Ahnung von den tollen Spitzensekten.

Die Einsteiger - Privat weiß, rosé und rot - sehr anständig für kleines Geld. Interessant wird es mit dem "Herzog". Riesling, Jahrgangssekt, brut, fruchtig, schöne Perlage. Auch der Rheingau Rosé brut überzeugt. Beide liegen bei knapp 11 Euro.

Auch nicht nur "gut", sondern deutlich drüber: Chardonnay brut und Pinot Blanc, beide rebsortentypisch, gute Essensbegleiter und mit unter 8 Euro wahre Schnäppchen.

Aber dann - Tataaa - Auftritt der Hommage-Kollektion, "Edition Anton Ohlig".

Hattenheimer Wisselbrunn 2012, Riesling extra trocken. Enorm nussig und knackig, frisch, saftig.

Erbacher Marcobrunn 2010. Sehr viel reifer, weicher, rund und schmeichelnd, tiefer.

Cuvée Pinot brut 2010. Mein Favorit. Hochfarbig, nussig, mit viel Schmelz und Druck.

Assmannshäuser, Spätburgunder rot, 2007. Trocken, fest, dicht, dabei sehr elegant. Tolle trockene Kirsch- und Wildpflaumenfrucht.

Sekte, die man nicht mal nebenbei beim Empfang schlürft, Weine mit Charakter. Chapeau!

Und mittendrin ein Exot.Ohlig Rurale. Riesling. Jahrgangsekt nach der Méthode Rurale, also mit Kohlensäure ausschließlich aus der ersten Gärung, neu im Programm. Das hatten wir doch schon mal irgendwo .... richtig! Dieser hier ist mit 27 Gramm Restzucker schon ordentlich süß, wirkt aber viel fruchtiger, weiniger, frischer als die klassischen Sekte. Spannend!


Und das hätten wir schon viel eher entdecken können - der Kellereiverkauf ist nämlich, Tipp für alle Weintouristen, auch am Wochenende geöffnet. An diesem Wochenende war übrigens auch noch Deutscher Sekttag und die Lagerhalle war in eine sehr stylische Location mit Sekttheke und Co umdekoriert worden - auch ein Tipp fürs nächste Jahr. 

Und wenn man schon mal in Rüdesheim ist ...




... kann man auch noch was wirklich Neues entdecken. In Kürze mehr.



Dienstag, 17. Dezember 2013

180° Adventskalender: Nach Diktat verreist

http://hundertachtziggrad.blogspot.de/ Tannenzweige. Rote Kerzen. Plätzchenteller. Gänsebraten. Glühwein. Volle Innenstädte, Weihnachtsmärkte. Wunschzettel, Geschenke! Und, meinetwegen, Schnee. Das ist Advent, das ist Weihnachten. 
Und nichts, aber auch gar nichts davon habe ich mir dieses Jahr angetan. Nichts dekoriert, keinen einzigen Keks gebacken, die paar “Geschenke” in der Buchhandlung mV bestellt, fertig. Weihnachtlich ist mir trotzdem, denn zu Weihnachten gehört, neben all dem Schnickschnack, musikalisch klebrigsüß aus der Retorte untermalt, das Reisen.
So wie die Weihnachtsgeschichte eigentlich auch die einer Reise ist, alle reisen sie, das Paar, die Hirten, der Stern, die Könige, die einen kürzer, die anderen länger, und sie kommen an und feiern.


Solange ich denken kann, sind wir zu Weihnachten quer durch Frankreich und Deutschland gefahren. Nicht wirklich verreist, bewahre, aber ein, zwei Tage vor dem Fest wurde das Auto bis unters Dach vollgepackt und dann brach die Familie - unsere Eltern, wir zwei Kinder, ein, zwei Katzen - auf, um “nachhause” zu fahren, nach Bothfeld und Isernhagen, wo die Großeltern wohnten.
Lange Fahrten waren das, anfangs fast 1100 Kilometer, mehr als zehn Stunden. Wenn wir ankamen, war es schon dunkel, aber meine Großmutter hatte eine Topf ihrer legendären Hühnersuppe auf dem Herd, schlaftrunken setzten wir Kinder uns auf die alte, plastikriffelrot bezogene Eckbank und löffelten die herrliche heiße Suppe. 

Und so ging es weiter, die anderen Großeltern wollte besucht werden, wattegraue Tage, Kaffeetrinken im plüschigen winzigen Wohnzimmer von Omma und Oppa, riesige gestickte Gobelins an den Wänden, üppig wuchernde Orchideen auf der Fensterbank und ein Telefon in gehäkelter Schutzhülle auf dem Tischchen im Flur, eine Reise in eine andere Welt. Zu später Stunde stieg Oppa hinab in den Keller, um eine Flasche seines geliebten Frankenweins zu holen, und wir Kinder liefen mit, sprachlos angesichts der Schätze, die dort in seinem "Büro" lagen - selbstgebastelte Lampen aus leeren Bocksbeutelflaschen, Briefpapier aus Birkenrinde, bemalte Baumwurzeln und seltene Steine.
Und nach Weihnachten wurde das Auto wieder bepackt, diesmal noch voller, und es ging zurück nach Hause, ins andere Zuhause. Dass das Ziel und das Wunderbare dieser Weihnachtsreisen gar nicht so sehr das Ankommen war, habe ich erst viel später gespürt.


Reisen sind für uns Geschenke, und zwar ganz wunderbare, weil wir meist vorher nicht genau wissen, was uns erwartet. Vor zwei Jahren haben wir uns kurzentschlossen im September ins Auto gesetzt und sind 1100 Kilometer nach Süden gefahren, in mein geliebtes Chianti Classico.
Auf der Fahrt gerieten wir in einen heftigen Wintereinbruch und schlichen den Brennerpass durch 20 Zentimeter Neuschnee hoch - natürlich mit Sommerreifen -, während rechts von und reihenweise die Bäume unter der Schneelast über die Bahnstrecke knickten. Mehr als abenteuerlich, diese Fahrt, und am Ziel erwartete uns herrliches Spätsommerwetter. Wir haben in einer winzigen Pension gehaust, Weingüter besucht, eine knappe Woche nur, aber reiche, volle Tage, einzigartig, unbestellbar, unbezahlbar.
In diesem Jahr sind wir kurz vor der Adventszeit eher zufällig in die Planung für ein Wildschweinessen an der Mosel hineingerutscht. Ein gutes Dutzend Leute, von denen wir nur zwei kannten, alles Weinmacher und -menschen, ein großes Weingut mit Übernachtungsmöglichkeit, die Aussicht auf gutes Essen und große Weine, ein Wochenende Anfang Dezember. Eine Reise, eine kurze, aber vielversprechende.
  Es wurde, um es kurz zu machen, ein großartiger Abend mit einem großartigen Gastgeber - Danke, Gernot! - und unglaublich freundlichen, offenen, interessanten Mit-Gästen. An diesen Abend werden wir uns noch lange erinnern, wenn wir längst vergessen haben, was es diesmal zu Weihnachten an Geschenken gab. Diese Reise, dieser Abend - ein großes Geschenk, eins von denen, die man sich nicht selbst machen kann, weil es dazu anderer bedarf.
Uns erwartete nach dem Aperitif in der Küche eine lange, festlich gedeckte Tafel, ein kleines Menü aus nussigem Rotkohlsalat vorweg, phantastischem Wildschweinrücken mit Grünkohl, Sauerkraut und würzigem Aligot, zum Abschluss Crème bavairoise mit marinierten Orangenfilets. 



Getrunken wurde neben mitgebrachten Schätzen wie diversen Champagner- und Sektflaschen vor allem Pinot Noir, große Namen standen da auf dem Tisch, aber beeindruckt hat mich vor allem einer, einer der ersten.




2007er Spätburgunder Auslese trocken
Graacher Himmelreich
Barrique
Weingut Günther Steinmetz 
13,5%

Reife, kühle Frucht, Schwarzkirsche und dunkle Beeren, leicht süßliches, gut eingebundenes Holz.

Mineralische Unterlage, spürbare Säure, ordentliches Tanningerüst, alles sehr fest und straff, gute Länge. Ein Wein, der sich einprägt, der einzige, den ich am Tisch mit dem Handy photographiert habe, daher die mäßige Bildqualität.

Über die Spätburgunder von Stefan Steinmetz wurde ja in den letzten ein, zwei Jahren schon viel geschrieben. Ich habe Weine und Winzer erst jetzt kennen gelernt und bin - beeindruckt.

Kaufen kann man den 2007er nicht mehr, für sehr empfehlenswert halte ich aber (u.a.) den 2009er Kestener Herrenberg Spätburgunder unfiltriert. 

Und für alle, die mich und uns kennen und sich wundern, dass es hier nur um Rotwein geht: Natürlich haben wir spätabends auch noch Reparaturriesling getrunken.

Reparaturriesling, den packen wir auch ein, wenn es demnächst wieder auf die Reise geht. Weihnachtszeit ist Reisezeit, immer noch und immer wieder, es geht weit nach Norden, wieder 1100 Kilometer. Und wieder wollen Familie und Freunde besucht und beglückt werden, wieder werden wir viel unterwegs sein. Auf der Hinfahrt machen wir Station bei einer lieben Freundin, die wir - wenig überraschend - auf einer dieser halbspontanen Wochenendreisen mit ungewissem Ausgang kennen gelernt haben, nachhause geht's - wie vor vielen Jahren - über Bothfeld und Isernhagen. Auf lange Sicht ändert sich gar nicht so viel.

Und, ja, wir nehmen sicher auch ein paar Geschenke mit, aber was wir bekommen und mit zurücknehmen, lässt sich nicht in Glanzpapier wickeln und unter den Baum legen. Und so langsam freue ich mich auf die Reise - es wird Weihnachten.

Montag, 7. Oktober 2013

#Take 5 - oder: Aus fünf mach drei plus eins.

OPTIONAL: Take 5

Suse hat die Vorratskammer voll. Oder leer, je nachdem. Und sie delegiert. Mal wieder. Nur, dass es diesmal nicht nur den Praktikanten trifft. Nein, wir alle müssen ran. (Leo würde jetzt sagen, vier alle, und ich bin mal gespannt auf seinen Beitrag!)

Heißt, wir sollen kreativ sein. Eijeijei.

Die Zutatenliste: Übersichtlich. Rinderhüfte, ok, Tomaten und Parmesan haben wir eh immer da, Walnüsse ... meinetwegen. Und Kürbis. Ausgerechnet Kürbis! Ok: hätte noch schlimmer kommen können:


Aber gut, Bananen wachsen eher selten in norddeutschen Gärten, dann eben Küüürbis. Dieser inflationär angebotene Saisonminimedizinball, Halloweenbegleiter und hip und vegetarisch und sooo gesund und auf allüberallen Speisekarten, versuppt, verbreit, verfrittiert und aus meiner Sicht ü_ber_schätzt. Kürbis. Für meinen Geschmack lieber süßsauer denn als sämige Örkssuppe.


Aber gut, wir wollen ja mitmachen, wir wollen ja fünfe grade sein lassen (gelten Kürbiskerne als Ersatz?
Dann könnte man ein schönes Pesto ...), also, Parmesan und Tomaten sind eh da, Walnüsse verkauft der Nachbar drei Häuser weiter, Rinderhüfte der Metzger mV  und dann kullert eben noch so'n blöder öder Biohokkaido in den Einkaufskorb.
Und die beiden erlaubten Joker: Lilafarbenes Basilikum und Rucola (wenn man das Päckchen aus der Gemüsetheke genommen hätte).

So ganz planvoll bin ich nicht, eigentlich wollte ich irgendein Kürbisgewürzmatschmus als Ketchupersatz für das simpelst gebratene Steak machen, und dann sitze ich doch wieder Samstagabend über Kochbüchern, surfe mir einen Wolf und werde nicht wirklich glücklich. Den Durchbruch bringt ein Post meiner geschätzten Bloggerfreundin Bushcook: Kürbis-Crème-brûlée - hurra, jetzt hat sie's hab ich's! Und der Rest schält, schnippelt, backt und brät sich von selbst, umso schneller, wenn man auf bewährte eigene Ideenadaptionen zurückgreift. Voilà:


Rezepte? Rezepte!

Kürbis-Crème-Brulée 

  • 150 g Hokkaido-Kürbis, entkernt, grob geraspelt 
  • ein nussgroßes Stück Ingwer, fein gehackt 
  • etwas Butter 
  • 200 ml Blutorangensaft 
  • 100 g Crème fraiche 
  • 100 ml Schlagsahne 
  • 3 Eigelb (M) 
  • 1 EL mit Orangenschale aromatisertes Olivenöl
  • Salz
  • Szechuanpfeffer
  • Zimt
  • Vanille
  • Muskat 
  • 1/2 Teelöffel Kastanienhonig 
  • drei gehäufte Teelöffel geriebener Parmesan 

Butter in einem Topf erhitzen, Ingwer und Kürbis darin bei starker Hitze kurz andünsten, Saft dazu, 8-10 Minuten zugedeckt dünsten. Immer mal wieder umrühren, ggf etwas Wasser dazugeben, bei diesen Minimengen brennnt das schnell an.
Mit Salz, ordentlich fein genmörsertem Szechuanpfeffer, einer Messerspitze Vanille, ebenso viel Zimt und Muskat würzen.
Crème fraiche, Sahne, Eigelb und Öl verquirlen. Kürbis dazugeben und mit einem Schneidstab sehr fein pürieren. Masse durch ein feines Küchensieb streichen bzw. gießen, ggf nachwürzen.
In kleine flache feuerfeste Förmchen füllen und in eine Saftpfanne stellen. Pfanne bis knapp unter den Förmchenrand mit heißem Wasser füllen.
Im vorgeheizten Ofen bei 170 Grad auf der 2. Schiene von unten in ca. 30 Minuten stocken lassen. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen. Mit Parmesan bestreuen und mit dem Minibrenner abflämmen. Als Garnitur mit Kastanienhonig karamellisierte Walnusshälften oder - stückchen aufsetzen.
Bei mir war die Menge ausreichend für 3 Förmchen à 150 ml.  

Lauwarmer Kürbissalat  
  • 1/4 Hokkaidokürbis, entkernt 
  • 4 kleine Tomaten, geviertelt 
  • Basilikum grün+lilafarben 
  • 1/4 Bund Rauke (wenn man sie aus der Gemüsetheke nimmt)  

Marinade 
  • 1 El Kastanienhonig 
  • 1-2 El Olivenöl 
  • 1/2 Tl Paprikapulver  
Vinaigrette 
Olivenöl, etwas Hühnerfond oder trockener Weißwein, Essig, Salz, Pfeffer

Kürbis in ca. 1/2 cm dicke Spalten schneiden, mit den Tomaten (aber getrennt ;-)) auf ein Blech mit Backpapier verteilen, (zusammen mit der Crème brûlée) in den vorgeheizten Ofen geben. Nach 10 Minuten die Kürbisspalten mit der Marinade bestreichen, 10-15 Minuten weiterbacken. Die Tomaten ggf. schon nach 10-15 Minuten aus dem Ofen holen.
Rauke (so man sie...) und Basilikum waschen, putzen, mundgerecht zupfen.
Zusammen mit den fertig gebackenen Kürbis- und Tomatenspalten anrichten, mit Vinaigrette beträufeln.
Reicht für zwei.

Dazu ein ordentliches gebratenes Hüftsteak - einfach nur mit Salz und schwarzem Pfeffer - und die Kürbis-Crème-brulée.
Aus 5 mach 3.

Und natürlich plus 1: Ein Glas Wein! Hier ein 2009er Leithaberg vom Mörbischer Goldberg aus dem Burgenland, den uns der liebe Kollege Bernhard Fiedler im Rahmen eines Tausch-Sixpacks nebst anderen tollen Flaschen geschickt hat. Passt mit seiner erdigen, stoffigen Art hervorragend zum gepimpten Kürbis und dem Batzen Fleisch.

Take 5? Take that!





























Freitag, 27. September 2013

Weinrallye #67: Politik und Wein. Oder Wein und Politik.





Wein und Politik - das bedeutet auch: Wein und Weinauszeichnungen.
Was es da nicht alles gibt. Kammerpreismünzen in Bronze, Silber und Gold. Staatsehrenpreise. DLG-Preise. Wettbewerbe wie "Best of Riesling", "Mundus Vini", "Berliner Wein Trophy", um nur ein paar, grad so aus der Lameng, zu nennen. Geboren, klar, aus der Idee, Weine besser zu promoten. Weinbaupolitik. Landespolitik, Lobbypolitik, Verlegerpolitik.

Bei Weintrinkern reicht die Akzeptanz von Begeisterung über Belächeln bis zu Verdammen. Bei den Weingütern gilt wohl Ähnliches. Nicht jeder spielt überall mit, will überall mitspielen, die Teilnahme ist häufig auch mit ordentlichen Anstellkosten verbunden. Nicht jeder will oder braucht dieses Marketinginstrument, auch das. Und dann gibt es wieder renommierte Weingüter, die das alles nicht brauchen und es trotzdem partiell machen - wie Gunter Künstler aus dem Rheingau, der regelmäßig zur Landesprämierung anstellt und genauso regelmäßig goldene Kammerpreismünzen und Staatsehrenpreise abräumt.

Um so spannender, eine Prämierung mal von der anderen, der Jurorenseite zu erleben. Das Deutsche Weininstitut hatte zum ersten Mal einen Sonderpreis für den besten deutschen Burgundersekt sowie den besten Weißburgunder, Grauburgunder und Spätburgunder aus Deutschland ausgelobt.

Insgesamt hatten im Vorfeld fast 1000 Weine und Sekte an einer bundesweiten Vorauswahl (Bestnote AP-Prüfung und DLG-Prüfung) teilgenommen, knapp 30 schafften es dann in die Endrunde, wo sie von einer Jury aus Sommeliers und (Wein)Journalisten blind verkostet wurden.

Fünf Sekte, sieben Weißburgunder, acht Grauburgunder, zehn Spätburgunder. Auf der Probenliste standen nur Jahrgang, Rebsorte, Qualitätsstufe und Erzeugnis=Süßegrad. Jeder Juror wählte innerhalb eines Flights die Top 1, 2, 3, dann wurde abgeglichen.

In jeder der vier Kategorien lagen die Top 3 dicht beeinander, doch die jeweiligen Sieger stachen am Ende doch klar heraus.

Der Preis für den besten deutschen Burgundersekt des Jahres ging an die Pfälzer Sektkellerei Martinushof aus Niederkirchen in der Pfalz für ihren 2011er Pinot Blanc de Noir. Von diesem Sekt gab es nur 3.000 Flaschen, die inzwischen ausverkauft sind. Der Sekt lag 15 Monate auf der Hefe und bekam  nach dem Degorgieren eine Dosage mit einer TBA.
Ein saftiger, cremiger Sekt, feine Fruchtnoten, nussige Würze, kräftiges Rückgrat, viel Schmelz und Stoff. An Hof kostete dieser Sekt 9,50 Euro.
Das Ehepaar Hilarius und Martina Reinhardt betreibt den Martinushof erst seit 12 Jahren. Hilarius Reinhardt hat das Handwerk von der Pike auf gelernt und war viele Jahre Produktionsleiter bei einer der größten deutschen Sektkellereien, Schloss Wachenheim. Inzwischen sind er und seine Frau neben der eigenen Produktion  als Lohnversekter für 14 VDP-Weingüter tätig.

Als bester Weißburgunder wurde ebenfalls ein Vertreter aus der Pfalz ausgezeichnet, diesmal ein Wein  einer Winzergenossenschaft, der 2012 Weißburgunder „Nr. 1“ der Vier Jahreszeiten Winzer aus Bad Dürkheim.

Dieser Wein stammt aus einer limitierten Edition, für die ausgewählte Winzer die Trauben zugeliefert haben, insgesamt umfasste die Produktion ca. 4000 Flaschen. Der Wein lag sechs Monate auf der Hefe, wurde alle zwei bis drei Tage einmal aufgewirbelt und zu 100 Prozent im gebrauchten Barrique ausgebaut.
Ein stoffiger, dichter Weißburgunder, saftige Melonenfrucht, nussige Noten, süßlicher Schmelz, spürbares, aber schon gut eingebundenes Holz. Für 11,80 Euro ab Hof ein exzellenter Kauf.
Die Vier Jahreszeiten Winzer gehören seit Jahren zu den besten Winzergenossenschaften Deutschlands, die bei enormer Größe (ca 500 ha) bis hinunter ins Basissortiment gute Qualitäten zu günstigen Preisen produzieren.

Bei den Grauburgundern kam der Siegerwein abermals aus der Pfalz: der 2012er Grauburgunder Schlossberg vom Weingut Wilker in Pleisweiler-Oberhofen. Der Wein wurde zu 60 Prozent in großen Holzfässern mit 500 Litern Kapazität vergoren und lag dort etwa vier Monate. 
Ein kräftiger, stoffiger Grauburgunder, viel süßes Holz, Schmelz, saftige Frucht, mit guter Länge. Ein hervorragender Essensbegleiter, ab Hof für 7,90 Euro zu haben.
Die Wilkers bewirtschaften etwa 20 ha, der Rebsortenspiegel reicht vom Klassiker Silvaner über Riesling, diverse Burgundersorten und Bukettrebsorten bis zu Dornfelder, Spätburgunder und Cabernet Sauvignon. Zum Weingut gehört ein Landhotel mit angeschlossenem Restaurant, das auf moderne regionale Küche setzt.

Der vierte und letzte Sonderpreis für den besten Spätburgunder ging nach Baden, an den 2010er Spätburgunder Spätlese trocken von alten Reben aus der Lage Durbacher Kochberg vom Weingut Heinrich Männle aus Durbach. Der Wein wurde zu 100 Prozent im Barrique ausgebaut und war mit 27,50 Euro mit Abstand der teuerste unter den Siegerweinen.
Das Weingut ist seit fast 300 Jahren in Familienbesitz, bewirtschaftet werden ca. 5,5 Hektar, überwiegend mit Rotweintrauben – Heinrich Männle ist auch besser als „Rotwein-Männle“ bekannt. 

Bild: Ernst Büscher, Deutsches Weininstitut

Bei der Preisverleihung in Mainz (durch die neue deutsche Weinkönigin, Nadine Poss) wurden die Weine im Rahmen eines kleinen festlichen Diners präsentiert. Gutes Matching auf der gesamten Strecke!

Und das Fazit
Im Glas: Zweifelsohne sehr gute Weine. Weine, die den Weg durch die unterschiedlichsten Jurys überlebt und bestanden haben. Weine, die auf hohem Niveau allgemeinverständlich und damit auch hervorragend zu verkaufen sind. Gut für den Absatz.  
Schwer zugängliche Weine mit Ecken, Kanten, verstecktem Potenzial sind hier praktisch chancenlos, wenn sie nicht eine starke Lobby haben, die den Weg für sie ebnen und die Werbetrommel rühren. Genau wie in der Politik.

Dienstag, 30. Juli 2013

Es ist ...

... ein Teller! Jetzt wird's ernst. Dabei hat der Praktikant es ja vorab schon verkündet, aber je näher das prognostizierte NiederkunftsAnkunftsdatum rückte, desto nervöser wurden wir.
Dann landete das Päckchen auch noch zunächst im Nachbarhaus und erreichte uns mit Verzögerung, kurzum, eine schwierige Geburt.

Aber dann! Vorsichtig auspacken, nicht, dass das gute Stück Schaden nimmt. 

Feines Oma-Porzellan. Auf der Fahne üppige Bauernmalereiblüten. In der Mitte Streublümchen. Geschwungener, goldverzierter Rand. 
Zwei Henkelgriffe, eigentlich kein Essteller im eigentlichen Sinne, mehr eine Platte zum Servieren feiner Speisen. Petra Hildebrand hat den Teller "ausgegraben" und auf eine Reise mit ungewissem Verlauf und Ausgang geschickt. Klar ist nur: Dieser Teller ist eine Bühne. Für wunderschöne Kreationen wie Forelle mit Pfifferlingen, eine grundsolide Weißwurschtjause mit guter Brezel oder einfach ein paar allerliebste Eclairs.

Lange haben wir überlegt, was diesem Teller angemessen wäre. Eigentlich ein richtig schönes altmodisches Omagericht - Königsberger Klopse oder Rinderrouladen. Oder Gulasch. Also lauter Leibgerichte, die fotographiert eine ähnlich gute Figur machen wie ein Teller Haferschleim (auch ein Omagericht). Suppe aus frischen grünen Erbsen mit Grießklößchen wäre noch eine Idee gewesen (sieht auf einem flachen Teller aber Panne aus) oder meine geliebte Rote Grütze.

Die darf ich nicht kochen, weil der Hospitant nicht nur den Schwarzen Gürtel im Smørrebrødmachen hat, sondern auch amtierender Rheingauer Meister im Dessertmachen ist. Und dieses Mal will ich kochen. 
Petit fours, so kleine Köstlichkeiten, mit Zuckerguss und Silberperlchen verziert, das wäre was, aber als staatlich anerkannte Backniete traue ich mich da nicht dran. Das können andere besser!

So hübsche Nebeneinanderschnörkeleien  (wie sie der Praktikant in Formvollendung ausgarniert) sind nicht mein Ding - ich bewundere die Tellerkunst gerne, neige aber doch eher zu etwas rustikaleren und pragmatischeren Umsetzungen.

Irgendwas mit Blüten wäre nett. Rosen-Melonen-Salat? Auch nicht gerade photogen.

Die Sonne brennt, mein Hirn fühlt sich total leer an, und beim Einkaufen springt mich ein Schälchen allerliebster aromatischer Kirschtomaten an. Da war doch was - Tomaten, Maishuhn, Lavendelhonig, bei Arthurs Tochter entdeckt und viel zu selten nachgekocht. Und Lavendelblüten machen sich da auch noch gut, da haben wir doch unsere Blümchen. Und, wie der Zufall es will, im heimischen Eis schlummern noch vier Maispoulardensuprêmes ...

An den Herd, Marsch-Marsch. Beziehungsweise - an den Kühlschrank, denn bei aller Begeisterung habe ich überlesen und verdrängt, dass die Brüstchen mariniert werden müssen. Auch fein, gibt es eben Brot mit Höhlenkäse als Abendessen. Und dazu die Tomaten, roh. Ich notiere: Neue kaufen!

Und am Ende eines weiteren Tages ...


 
Das Originalrezept stammt aus dem wunderbaren Kochbuch "Tomate", Collection Rolf Heyne. Nicht mehr ganz neu, aber absolut empfehlenswert.

Huhn mit Lavendelhonigglasur auf Schmortomaten

Meine Version sieht so aus:



Gewürzmischung
  •     1/2 El Fenchelsamen
  •     1 TL Koriandersaat
  •     2 Gewürznelken
  •     4 Pimentkörner
  •     5 schwarze Pfefferkörner
  •     1/2 frisches Lorbeerblatt
  •     1 TL Paprikapulver
  •     1/2 EL frischer Thymian
  •     1/2 TL wilde Fenchelblüten
  •     1/2 TL Lavendelblüten
Die ersten sechs Zutaten (bis einschl. Lorbeer) trocken anrösten, abkühlen lassen. Dann alle Zutaten fein mörsern bzw. mahlen.

Glasiertes Huhn

  •     1 Freilandhuhn, ca. 1,3 Kg - hier: vier Maispoulardensuprêmes à 150 g
  •     Salz
  •     4 Esslöffel Armagnac - hier: ordentlicher Schuss
  •     800 g Tomaten - hier: 400 g Kirschtomaten
  •     50 g Salzbutter - hier: aus dem Handgelenk, nicht gewogen
  •     250 g Lavendelhonig - hier: ca. 100 g
  •     2 EL Sherryessig - hier: 2 EL TBA-Essig (aus eigener Produktion, beiseite gestellt und eigentlich gedacht zum Auffüllen beim Filtrieren und dann vergessen ... guter Stoff!)
  •     frische Lavendelblüten
  •     frische Wildfenchelblüten
Die Geflügelteile trockentupfen, salzen, mit der Gewürzmischung bestreuen und in eine dicht schließende Kunststoffdose legen, mit dem Armagnac übergießen. Im Kühlschrank mindestens 6 Stunden marinieren, ab und zu wenden - hier: 20 Stunden.

Eine halbe Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, abtropfen lassen. Die Teile in eine Auflaufform oder Fettpfanne legen. Die Tomaten waschen und dazulegen, die Geflügelteile mit Butterflöckchen belegen.
Im vorgeheizten Backofen bei 160° C ca. 20 -30 Minuten braten.

Essig und Honig in einem Töpfchen erwärmen, bis der Honig flüssig wird, restliche Gewürzmischung dazugeben - hier: vergessen, ist alles am Huhn - und die Geflügelteile dünn damit bestreichen. Temperatur auf 180° C erhöhen, Glasiervorgang 2-3 mal wiederholen, insgesamt dauert das 5-8 Minuten. Evtl. zum Schluss den Grill zuschalten.
Ofen ausschalten, Tür leicht öffnen, 5 Minuten ruhen lassen.

Eine Portion auf einem schönen Teller anrichten, mit geschmorten Tomaten, Bratenjus, Lavendelblüten und wilden Fenchel ausgarnieren. Oder einfach nur unfallfrei drapieren.

Puh, das hat geklappt. Der Teller ist bereits gespült und geht morgen auf die Reise zu Torsten Goffin von "Allem Anfang", den wir zunächst über ein Bloggerevent und dann bei einer wunderbaren Session beim Vinocamp 2013 kennen lernen durften.

Und noch ein kleiner Tipp an alle Tellerreisenden, die - wie wir - das Paket so knapp wie möglich öffnen, um die perfekte Schutzverpackung nicht zu beschädigen - auf der (in diesem Falle) anderen Seite liegt ein Blatt mit den Spielregeln, auf dessen Rückseite man unterschreiben kann ... wenn man es in letzter Sekunde findet.

Die Tassen hoch! Es lebe der Teller!

Samstag, 29. Juni 2013

Weinrallye #64: Tut den mal weg, der hier ist besser!

Was für ein Thema! "Prickelndes für den Sommer". Für welchen Sommer, möchte man da fragen, und überhaupt - Prickelndes,das klingt nach Stößchen, Tussi-Secco passend zum Tussi-Teller oder nach der ewigen Diskussion um die prämierten Discounter-Blubber.

Aber da war doch was ...Was für ein Thema! "Perlen". Endlich mal haben wir am Vinocamp-Wochenende nichts vor, wohnen praktisch um die Ecke, und dann das.
 Soweit zur ersten Reaktion auf die Ankündigung auf Facebook.



Gut. Angemeldet.Tickets für die Party gebucht. Themen für die Sozialen Weinproben gecheckt.

Zu keiner irgendwas im eigenen Keller gefunden (oder eine Idee, wo man kurzfristig was herkriegt, gehabt).

"Old school sparkling - Fokus auf Méthide Ancestral/Rural". Méthode was? Nie gehört. Angemeldet.
Torsten Goffin bietet diese Probe an, erzählt über die Geschichte, die Herkunft, die Faszination - und den möglichen neuen Hype. 15 (?) Weine stehen auf dem Tisch. 15 Überraschungen.

Für alle, die genau so wenig Ahnung vom Thema Methode ancestral haben: Weine, die im Tank/Fass angegoren werden, bei ca. 4-5% Alkohol filtriert und dann auf Flaschen gezogen werden, wo sie, dank verbliebener Hefereste, weitergären. Zum Teil werden sie später dégorgiert, zum Teil bleiben sie leicht trüb, von ziemlich trocken bis sehr süß ist alles dabei.
Unser Fazit: Spannend - nichts für Weintrinker, die eine sichere Bank brauchen. Enttäuschungen sind drin.
Auch Flaschenschwankungen, trotz des Verschlusses mit Kronkorken. Zitat - siehe Überschrift.
Aber eben auch echte Überraschungen und neue Geschmackserlebnisse.

Unser  Favorit:


La Talle aux Loups
Triple Zero
Jacky Blot
Loire
Chenin blanc

Keine Zugabe von Zucker, keine 2. Gärung, keine Dosage. Vin naturel. Ohoh, Orange!

Kräftiges Goldgelb, sehr klar. In der Nase viel Haselnuss, etwas Karamell. Ein fester, cremiger, nussiger Wein, schönes Mousseux, zupackend und lang.

Wow! Danke! Vorurteile, Halbwissen und Ahnungslosigkeit waren die besten Voraussetzungen für eine tolle Probe.

Was uns noch gefallen hat:

Frimousse
"Des bulles en liberté"
Nathanel Parnaudeau
Gaillac

Massig Kohlensäure, überschäumende Flasche, der Tafelschwamm (hochSCHULE) rettet.
Sehr zitronig, apfelig, ziemlich trocken. Gut!



Le 7
Domaine du Fontenay
Côte rouannaise
Véritable Méthode Ancestrale

Hellrosa, süßliche Kirschfrucht. Gamay. (ha! Ich hab's doch gesagt!).
Der Wein mit dem passenden Song - die RN7, die längs durch das Anbaugebiet führt.



Samstag, 27. April 2013

Noch ein schönes Paar, nein, sechs schöne Paare!

Unsere Paar-Posts basieren irgendwie immer auf Einladungen. Pärchenabende, mit Chili con Carne und Chips und einem Stapel DVDs ... nein!!! Scheeheeeerz.

Aber erst die Foodpairing-Einladung von 180° im Dezember und jetzt die vom Deutschen Weininstitut. Ähnlich und doch GANZ anders.

Das Team des Weininstituts hatte nämlich eine Hand voll  Spitzenköche aus Hongkong unter Leitung von Ronald Shao Tak Lung und Leung Kin Sum sowie die einzige weibliche asiatische MW - die umwerfend kenntnisreiche, souveräne und charmante Jeannie Cho Lee - nach Mainz eingeflogen, um im Vorfeld der Weinbörse das Thema "Perfect Pairings - German Wines & Asian Flavours" zu traktieren.

Ein alter Hut. Restsüßer Riesling und asiatische Aromen. Oder?
Ha! Was heißt "asiatische Aromen"? Thaiküche? Korea? Vietnam? China? China ist nicht China, lasst uns über Regionalküchen reden ... ein weites Feld, das hier nur ansatzweise auf- und angerissen wurde und trotzdem eine Ahnung davon spüren ließ, was geht.



Sechs Gänge, je zwei Weine. Und die mitessenden und -trinkenden Anwesenden sollten entscheiden, welcher Wein besser passt.

Schweinshaxensülze mit Sesamöl-Dill-Pesto und großartiger Sojasauce. Dazu 2011er Riesling Kabinett von Vollrads - erstaunlich präsent - und 2012er Münsterer Kapellenberg von Krüger-Rumpf.
Ersterer ein bisschen zu leicht und trocken, letzterer gut, aber zu süß. Eine Spontancuvée gefiel besser, würde aber unter dem strengen Auge des Gesetzes sicher nicht bestehen.


Krebsfleischfarce in sahniger (Béchamel?)Sauce auf der Krebsschale, paniert und frittiert, wie Jeannie anmerkte "a dish from the 1960ies, inspired by british cuisine". Määäächtig, so eine Art chinesische Königinpastetchen, und genauso old-fashioned. Puh. Der begleitende Weißburgunder Spätlese trocken 2011 von den Burkheimer Winzergenossen machte das Ganze noch buttriger, opulenter, sättigender. Die trockene Weißburgunder Spätlese "Im Sonnenschein" vom Wilhelmshof setzte einen frischen Kontrapunkt und gefiel mir und uns sowohl solo als auch als Paar deutlich besser.



Seebarsch, gedünstet, mit Gelbe-Bohnen-Crunch (der mangels gelber Bohnen durch Kichererbsencrunch ersetzt wurde) und grüner Bohnenpaste. Wow. Der Crunch mit leichter Schärfe, die Paste ein feiner Gegenpol. Dazu endlich wieder Riesling: Großes Gewächs 2010 vom Karthäuserhof, und zwar der Eitelsbacher Karthäuserhof, versus Erstes Gewächs 2010 Hölle von Künstler. An dieser Stelle kann ich wegen Befangenheit kein Votum abgeben, ich meine, Künstler! Hölle! Ist mir doch wurscht, ob der andere möglicherweise eventuell unter Umständen besser passen können würde.

Ente. Vielmehr, Entenfilet unter grober Pecannusskruste. Frittiert, was man höchstens anhand der (unten liegenden) Entenhaut sehen konnte. Spätburgunder. 2009 Deutzerhof gegen 2010 Großes Gewächs Centgrafenberg von Fürst. Ein bisschen unfair, mal ehrlich. Ein toller Einsteiger eines hervorragenden Ahrwinzers mit etwas mehr Reife gegen das Flagschiff aus Franken. Unentschieden.


Mehr Fleisch. Rinderbacken, geschmort in süßlicher Sauce mit Maronen, zum_Niederknien_zart. Wobei: Sooo viel anders als mein Brasato, Susas Daube oder ein Ossobuco war das jetzt auch nicht, nur süßlicher. Dazu noch mal Spätburgunder. 2009 Kastanienbusch von Gies-Düppel, ruppig, stinkig, mineralisch, viel Holz, gegen 2011 von Braunewell - schmeichelnd, vergleichsweise gefällig, himbeerige Joghurtgum-Aromen. Hm. Zum So-Trinken den Rheinhessen, zu diesem Essen den Pfälzer.


Puh. Luft holen. Wasser trinken. Mehr Wasser trinken. Das Finale naht.

Jeannie hatte vorher schon gewarnt, dass asiatische Desserts nichts mit dem gemein hätten, was uns als Nachspeise bekannt ist und auch einer komplett anderen Tradition unterlägen. Guter Punkt.


Auf dem Teller: Frittierter Gluten-Krapfen, dazu ein süßes Mandelsüppchen mit Eiweiß und Papayawürfeln.
Hm. Sehr hm. Der Krapfen ein zäher süßer Teigklumpen mit Sesammantel, der sich allen Zerteilungsversuchen widersetzte. Das Süppchen ... eine Art süße Stracciatella mit zarten Blausäurenoten und Papayawürfeln. Tischnachbarn versicherten, das sei ein sehr authentisches Dessert. Ich war zwar schon in New York, aber noch niemals in Hongkong, ich bestelle eh lieber noch mal ein halbes Dutzend Austern nach dem Essen als etwas Süßes, aber das hier hat mich überrascht und ein bisschen fassungslos gemacht. Ich dachte doch immer, dass ich ein Allesfresser bin.

Zum Glück gab es auch dazu Riesling (!!!), 2002 Auslese Brauneberger Juffer-Sonnenuhr von Richter gegen 2003 Auslese Aulerde von Wittmann. Wieder das Künstler-Dilemma ... Wittmann ... Befangenheitsantrag ... am Tisch gab es aber durchaus andere Stimmen.


Fazit? Viel neuen Input zum Thema chinesische/Hongkong-Küche. Aha-Effekte, was Würzung und Weinbegleitung ausmacht. Ein toller Nachmittag. Vielen Dank an alle Beteiligten.

Freitag, 26. April 2013

Weinrallye #62 - Thema: Weine bis 5 €


Eine Diskussion, die eigentlich ein Perpetuum mobile ist. Zu der schon alles gesagt wurde. Nur nicht von allen. Nico von Drunkenmonday lädt zur Weinrallye - mit der Frage "Gibt es guten Wein unter 5 Euro?"

Fällt mir was dazu ein? Ja, mir fällt was dazu ein. Ich bekenne mich schuldig. Ich habe Wein unter 5 Euro gekauft, ich kaufe Wein unter 5 Euro und ich werde auch weiter Wein unter 5 Euro kaufen. Das ist so, das war so und das wird auch so bleiben. 
Und das hat durchaus auch etwas mit meiner Weinsozialisation zu tun. Nein, Ihr denkt falsch.

Weinmäßig sozialisiert wurde ich als Studentin durch den kleinen Weinladen gegenüber meiner Studi-WG in der Göttinger Innenstadt – den es erfreulicherweise auch heute noch gibt.
(In diesem Weinladen habe ich übrigens meine erste Flasche mit einem solchen Mörderkork gekauft, dass der Wein einfach nur untrinkbar war. Und natürlich die teuerste Flasche, die ich da erstanden habe. Aber das ist eine andere Geschichte ..)


Wolfgang Cichon hatte damals einen trockenen Liter von Mosbacher im Sortiment, der meiner Erinnerung nach 5,60 Mark kostete. Also 2,80 Euro. Und einen trockenen Umbrese bianco  für 5 Mark, ebenfalls in der Literflasche, und einen trockenen Umbrese rosso. Damit haben wir ungezählte Doppelkopfrunden, Theaterworkshops, Premieren und Dernieren, Wohnungspartys und Picknicke auf den Schillerwiesen beweint. Das sorgte manches Mal für etwas Unmut, wenn die Kosten umgelegt werden sollten, weil die Mehrzahl meiner Kommilitonen den lieblichen  „Portugiesischen Rosé“ von Aldi Nord vorzogen (Korrigieren zwecklos) oder den trockenen Bongeronde (gibt’s das Zeug noch?), dafür aber gerne zugriffen, wenn es was zu feiern gab und dann den 30-Mark-Nobile di Montepulciano (Geschenk meiner fürsorglichen Eltern) gnadenlos vernichteten. Den fanden wir nämlich alle schweinelecker saugut.

Dann verschlug es mich nach Stuttgart, wo ich im ganz normalen Edeka auf eine erfreuliche Weinauswahl stieß - Verrenberger Lindelberg Fürstenfass trocken von der Weinkellerei Hohenlohe, für ??? 6 Mark den Liter. Ordentliche Genossenschaftsweine für vernünftiges Geld. Gute Weine vom damals noch ganz jungen Wöhrwag und von den bekannten und weniger bekannten Winzern aus dem Remstal. Schöne Pfälzer Rieslinge (die Wochenendausflüge führten häufiger in die Heimat meines Liebsten).
Im Discounter hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Flasche gekauft.


Nächste Station Baden, dann schließlich der Rheingau - ich gebe zu, wenn man in einer Weingegend wohnt und nicht nur nach Namen und Etikett einkauft, ist es sehr viel einfacher, preiswerte Trinkweine zu kaufen als am Niederrhein oder der Flensburger Förde (oder der Hildesheimer Börde)..


Ein gewisse Hasardeursmentalität verführte mich trotz der hervorragenden Versorgungsinfrastruktur irgendwann dazu, auch mal Discounterweine zu kaufen. Probeweise. Warum? Siehe Susas ultimatives 5€-Wein-Bullshit-Bingo

Die schlechte Nachricht ist: Das war vor ... 10 Jahren vielfach grauenhafter Schrott. Das waren die “Marken”weine wie etwa die von Käfer aber auch, eben nur teurerer Schrott. Nicht teurer.
Die gute Nachricht ist: Man kann, ja, auch im Discounter, inzwischen anständige trinkbare Weine kaufen. Ich erspare Euch die Argumente für und wider und verweise erneut aufs 5€-Wein-Bullshit-Bingo, in dem mir nur ein Satz fehlt “Immer nur mit dem Wein kochen, den man auch dazu trinkt.”


Viel Vorrede, jetzt kommt endlich Wein. Den hervorragenden trockenen Kabinett vom Winzer gegenüber kennt Ihr ja schon. Unsere persönliche Neuentdeckung Gerster-Wagner  aus Hattenheim ist auch kein Unbekannter mehr.


Positiv überrascht hat mich bei der Jahrgangsprobe aber der 2012er Riesling
Secco.
Frisch, unkompliziert, schön unsüß, ein leichtes Bizzelweinchen mit Zitrus- und Steinobstaromen und guter Säure. Mit 4,50 Euro ab Hof preiswerter als der im Rheingau sonst weit verbreitete “Rheingauer Leichtsinn”, ein Gemeinschaftsprojekt der “Jungwinzer” - und besser.


Stop! werft Ihr jetzt ein, ja, stimmt, das ist der Ab-Hof-Preis und natürlich verschicken die auch, aber das kostet Porto. Fein. Stimmt.

Wie wäre es dann mit was Rotem aus Spanien - vor ca. einem halben Jahr gekauft, probiert, leider nicht photographiert.

Es gibt den kleinen, exklusiven Weinladen um die Ecke, es gibt die Handelsketten, und es gibt Weindiscounter. 
Da kommt der zweite U5 her - 2008 Verdamor, Monastrell, La Bodega de Pinoso, Alicante. 4,29 Euro. Typischer Duft nach Beeren, auf der Zunge trockene Frucht, spürbare Tannine, mit gutem Willen auch Gewürznoten. Schmeckt, passt, beißt nicht zurück und ist für das Büro-Sommerfest perfekt.


Und einen vom “echten” Weinhändler habe ich noch ... 2012er Auxerrois vom Weingut Pfirmann aus der Pfalz. Probiert auf der Prowein, kaufen kann ich ihn beim Weinhändler mV für 5,10 Euro. Schöne Frucht, netter Schmelz, ein preiswerter Spaßwein auf hohem Niveau.
Da gibt’s übrigens Einiges in der Kategorie Unterm5, auch bei den üblichen Verdächtigen unter den Versendern lassen sich preiswerte Weine finden.


Geht doch.


               

           


Freitag, 25. Januar 2013

Weinrallye #59: Exotische Weine / Sein oder nicht sein - Wein im Staate Dänemark

Weinrallye #59Wein aus Dänemark? Und Ananas aus Kanada. Für viele deutsche Weinliebhaber klingt das zunächst wie ein Witz. Was die wenigsten wissen: Dänemark verfügt über Pflanzrechte für 99 Hektar Weinberge. Und es gibt dort bereits 55 Weingüter, die kommerziell produzieren und vermarkten. Dazu kommen Dutzende Hobbywinzer mit Mikro-Rebflächen, die ihre Weine nicht verkaufen dürfen. Dänemark, ein Weinland der Zukunft? Eine Momentaufnahme aus dem Sommer 2012.




Wer etwas über modernen Weinbau in Dänemark wissen will, kommt an Lars Hagermann nicht vorbei. 1975 importierte der gebürtige Schwede und begeisterte Weinliebhaber die ersten Weinreben aus Franken und pflanzte sie in der Nähe des Städtchens Ålsgårde auf Seeland, 50 Km von Kopenhagen an der Nordküste gelegen. In den 80ern vergrößerte er die Rebfläche sukzessive und gründete schließlich 1998 das Weingut „Domain Aalsgaard“


Auf knapp 0,7 Hektar stehen inzwischen rund 2.000 Rebstöcke – ausschließlich weiße Sorten. Frühreife Neuzüchtungen, die auch in Deutschland kultiviert werden, wie Ortega, Kerner und Siegerrebe, aber auch die hierzulande eher unübliche Madeleine Angevine sowie, seit 2005, auch Solaris.

Das Zeitfenster für die Wachstumsperiode ist in Dänemark viel kleiner als in unseren Breiten, die Blüte beginnt später, die Reifephase läuft trotzdem selbst für die „frühen“ Sorten bis in den Oktober. Doch das milde Klima durch die Nähe zum Meer begünstigt den Weinbau, Hagermanns Weinberg „Højbjerg“ – zu deutsch: Hochberg - liegt zudem in einer perfekten Südhangausrichtung. Vorwiegend Lösslehm, zur Talsenke hin auch etwas Kalkstein - Steillage auf dänisch.

Lars hat seinen Weinberg eingezäunt – nicht der Wildschweine wegen, sondern, um Spaziergänger abzuhalten, die gerne ein paar Trauben „probieren“. Ein Warnschild soll auch übermütige Jugendliche fernhalten – mit Erfolg.

Ausgebaut werden die Weine in Edelstahl-Schwimmdeckeltanks. Vier Stück à 300 Liter, dazu einige Glasballons, eine kleine Füllanlage, ein Minilabor. Eine Puppenküche im Verhältnis selbst zu kleinen deutschen Weingütern.

Was als „verrücktes“ Projekt begann, hat längst Rennomé – nicht nur in Dänemark. Der Jahrgang 2009 geriet zum Erfolg. Hagermanns Madeleine Angevine, gelesen Mitte Oktober mit 86 °Oechsle und 7,7 Gramm Säure, wurde 2012 auf dem Nordseeland-Gourmet-Festival als „Bester Weißwein des Jahres“ ausgezeichnet  und setzte sich gegen Konkurrenten aus Deutschland, Frankreich und Deutschland durch. Fast 20 Euro kostete die 0,5-Liter-Flasche – für deutsche Verhältnisse horrende Preise, für dänische Weine eher die Regel als die Ausnahme.

Verkosten können wir aus dem Nachfolgejahrgang Madeleine Angevine, Solaris und Ortega.
Die Weine sind allesamt sehr säuregeprägt, fallen aber auch durch eine deutliche mineralische Note auf.

2010 Madeleine Angevine
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10%
Frischer Duft, Zitrusfrüchte, weiße Blüten, ein bisschen weißfleischige Melone. Auf der Zunge knackige Säure, packende, präsente Frucht, mineralische Noten, feste, gute Länge.

2010 Ortega
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10,5%
In der Nase säuerliche Quitte, etwas Muskatblüte, ein bisschen Birne. Im Mund säuerliche, etwas verwaschene Frucht, Birne Quitte, etwas Bienenwachs. Schöne Länge.

2010 Solaris
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10,5%
Der Wein, mit dem wir am wenigsten klarkommen. Etwas vordergründiger Maracujaduft, frisch, aber nicht übermäßig komplex. Auf der Zunge kernig, ein bisschen rustikal, würzige Noten.

Lars Hagermann empfiehlt seine Weine zu Fisch- und Schalentiergerichten, Nordisk Cuisine, und die dänischen Top-Restaurants haben Domain Aalsgaard selbstverständlich gelistet – neben Weingütern wie Klaus-Peter Keller. Uns serviert er ein Smorrebrod mit gebratenem Ziegenfrischkäse und Bärlauchblüten – und hat auch noch einen Restauranttipp parat. Das „Café Nord“ in Ålsgårde, auf Seeland bekannt als das „kleine Noma“. Exzellente Küche zum vernünftigen Preis.

Zurück zum Weinbau. Die 55 „offiziellen“ Weingüter werden größtenteils im Nebenerwerb betrieben. Dazu kommen noch Hunderte Hobbywinzer, die auf Mikroflächen Reben anbauen.

Kurt Zangenberg hat hinter seinem Haus in Snekkerup einen Weinberg angelegt – 0,4 Hektar klein. Darauf stehen: Rotweinreben. Denn Zangenberg ist „rotweinverrückt“. Wie die meisten Dänen, meint er. 
(Kurzer persönlicher Zwischenruf: Kann ich so nicht bestätigen ...) Léon Millot und Rondo hat er 2005 gepflanzt. Die Reben werden vergleichsweise stark angeschnitten, zwei Bogen, nur ein KiloTrauben je Stock.Der Boden ist in den vorderen Reihen sandig, nach hinten wechselt er zu kiesigem Ton. Das gibt den Weinen einen kräftigen Touch – sagt der Winzer. 



Der Keller: Ein ehemaliger Pferdestall. Die Trauben werden entrappt, in Edelstahltanks fermentiert, durchlaufen eine malolaktische Gärung. Wenn es genug Trauben gibt. Die Bilanz des Jahrgangs 2011: 10 Liter Rondo. Ein kleiner Glasballon.
2010 sah es etwas besser aus, wenn auch mit exorbitanten Säurewerten, die eine Doppelsalzentsäuerung nötig machten. Normalerweise baut Zangenberg die Rotweine sortenrein aus, 2010 gab es auch eine Cuvée.

Wir probieren:

2010
Léon Millot
Gelesen mit 64° Oechsle und 15,2 Gramm Restsäure. 50 Liter Ausbeute. Entrappt, maischevergoren, sieben Monate im Fass ausgebaut – in der sechsten Belegung.
In der Nase Gewürze, schwarzer Pfeffer, wild, fleischig, animalisch, darunter mischen sich mit mehr Luft süßliche Noten. Reife rote Pflaume, Maulbeere, Lebkuchengewürz.
Auf der Zunge fest und straff, rotes Fleisch, Leder, Mokkaschokolade, gute, feste Länge, aber nicht fett und sättigend.

2010
50/50
Léon Millot&Rondo
In der Nase reife schwarze Beeren, Leder, leicht flüchtige Töne, torfige Noten.Auf der Zunge straffe, austrocknende Frucht, gute Säure, schönes Tanningerüst, ziemlich elegant, dabei komplex mit guter Länge.

Ja, wir reden von Rotwein aus Dänemark. Hochinteressant, zu Unrecht unbekannt und wenn bekannt, dann unterschätzt. Noch sind es Orchideenprojekte – aber der Erfolg gibt ihnen jetzt schon Recht.

Zum Abschluss des Schnappschusses zieht es uns doch noch einmal zu einem Weißweinwinzer.

Wobei Kim Møllebro Hansen auch Rotwein im Sortiment hat. Sein Weinberg liegt ebenfalls auf Seeland.
Im Portfolio: Zalas Perle, Cabernet Cortis, Leon Millot. Und Regent. Ursprünglich.
Umgeben von Flieder- und Nussbäumen stehen auf 500 Quadratmetern zehn Reihen à 50 Meter. In der ersten Zeile gibt es erfahrungsgemäß fast keinen Ertrag – der Wind, die Wildtiere, der feuchte Wald.
Dann kommen die Hoffnungsträger. Leon Millot, mittlerweile 100 Stöcke, 30 Stock Cabernet cortis, drei Reihen Rondo. Ursprünglich stand hier Regent. Acht Jahre hat Kim damit experimentiert, die Stöcke wollten und wollten sich nicht eingewöhnen. Zu schwer der Boden, zu viel Sturm und Regen, „sie fühlten sich nicht wohl“, bilanziert der Winzer. Und dann kam jemand aus Korsør, aus der Stadt am Fuß der Großen Beltbrücke, der kaufte die Stöcke, grub sie aus und pflanzte sie auf eine kleine Insel im Belt. Und dort, so berichtet er, wachsen und gedeihen die Reben – dort fühlen sie sich offenbar wohl.

Hier probieren wir den letzten Wein unserer dänischen Momentaufnahme.

2010
Zalas Perle
Bedsted
12%

Duft nach Kiwi, Honigmelone, Orangenblüten und Akazienhonig.
Auf der Zunge schöne, trockene Frucht, Zitrus, rosa Grapefruit, Anklänge von Akazienhonig. Dezent unterlegt von Säure (immerhin 8,6 g!), leicht und zart wirkend, hintenraus nussige Töne mit einem leichten Bitterchen.

Sechs dänische Weine, ein Schnappschuss, mehr nicht. Aber einer, der neugierig macht auf mehr.