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Samstag, 2. Juli 2016

Wenn das Sommers Wolken ziehen ...

.. darunter konnte ich mir früher nicht viel vorstellen. Ich habe das Lied in der Grundschule gelernt - von einem Lehrer, der offensichtlich jugendbewegte Wurzeln hatte. Viele "seiner" Lieder habe ich später in meiner kurzen besuchsbündischen Zeit wieder getroffen.

Seitdem ich, seitdem wir im Sommer alljährlich nach Dänemark fahren, nach  Nordsjælland, genauer gesagt, haben die Sommerwolken Gestalt angenommen. Der herrliche nordische tiefblaue Sommerhimmel, die Weite, die Wolken ... mein Sommerzuhause.

Wir sind in diesem Sommer öfter als geplant im Norden, leider. Das Gefühl, dass alles falsch ist, hat sich verzogen Es ist wie es ist.





Nach zwei Wochen sind wir gerade wieder zurück gekommen. Haben dort kubikmeterweise Papiere durchgeblättert, entschieden, aufgehoben, entsorgt. Kleidung, persönliche Habseligkeiten, Kleinkram. Haben ein paar Tränen zerdrückt und auf dem wunderschönen Friedhof in Asminderød Photos und schlechte Witze darüber gemacht, dass der neue Grabsten noch nicht da liegt - "nach Diktat verreist". Das hätte ihr gefallen.




Wir haben ein herrliches Wochenende mit den alten Schulfreunden des Dänen verbracht, grandios gekocht, tolle Weine getrunken und als krönenden Abschluss ein geniales Dessert gegessen.





Salzkaramelleis, Holunderblüten-Mascarpone-Crème, marinierte Erdbeeren, Waldbeereneis, Macaronrasp. Inspiriert durch eine Dessertidee unserer Freundinnen von hundertachziggrad,  erweitert um das geniale Salzkaramelleis von schönertagnoch.



Dazu unsere 2011er Auslese aus dem Fürstenberg und eine 2006er BA von Lars. YESS!

Mittwoch, 15. Juli 2015

Noch ein Fest? Noch ein Fest! Unser Hauptstraßenfest!

Im Sommer wird im Rheingau gefeiert. Kein Wochenende, an dem nicht mehrere Feste zwischen Hochheim und Lorch stattfinden, alle mit Wein, die meisten mit Livemusik und sehr, sehr viele mit den mehr oder weniger immer gleichen Ständen - Nierenspieß, Crêpes, Pizza.

Etwas spezieller, vielleicht nicht ganz so "professionell", aber dafür oft gemütlicher sind die kleineren Feste - Dorfkerben, Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr und natürlich die Straßenfeste.

In Martinsthal hat das Hauptstraßenfest eine lange Traditon. Vor etwas 40 Jahren war es eines DER Feste im Rheingau, rechts und links der alten Hauptstraße öffneten Anwohner für ein Wochenende ihre Höfe, im alten Lindenkeller gab es eine Disco, drei Tage lang feierten die Martinsthaler mit Freunden und Gästen auf der Straße.
Irgendwann wurde die schiere Menge der Feste im Rheingau erdrückend, das Martinsthaler Weinfest wanderte an den Weinprobierstand im Walluftal, und das Fest war Geschichte.

Bis in Martinsthal die Hauptstraße über viele Monate aufgerissen, saniert und neu geplastert wurde und die Anwohner das am Ende doch frohe Ereignis wieder mit einem Fest feierten - 2010 war das.
Hauptstraßenfest, reloaded, immer am dritten Juliwochenende.
Kleiner als das parallel stattfindene Lindenfest in Geisenheim, weniger speziell als die Schlangentage, aber dafür nachbarschaftlich und gemütlich. Einer der schönsten Innenhöfe - der von Gabriele und Guido Arnold - wird zur Straußwirtschaft, Zelda Klein backt ihre berühmten Frühlingsrollen. Bier und Cocktails gibt es natürlich auch, vor der Salongesellschaft kann man herrlich chillen, Tanja Nehrbauer öffnet ihr Waffelkaffee und organisiert Spiele und eine Rallye für die Kinder.

Wir sind auch dabei - mit dem verschobenen Tag der halboffenen Kellertür. (Wie der eine oder andere vielleicht mitgekriegt hat, war die Hälfte der Belegschaft - für fast drei Monate im Weingut zu wenig zu gebrauchen.)
Beim Hauptstraßenfest präsentieren wir unseren neuen Jahrgang - sechs Weine vom trockenen Martinsthaler über zwei Mittelrheiner bis zu unseren Topweinen aus Rheingauer Erste-Gewächs-Lagen.
Es ist uns ein Vergnügen - und ein Fest, natürlich. Und wir freuen uns auf Euch!

Freitag, 17.7. ab 17 Uhr
Samstag, 18.7. ab 17 Uhr
Sonntag, 19.7. ab 11 Uhr zum Mittagessen, richtig los geht es ab 15-16 Uhr

Und wer dann noch nicht genug hat, kann uns am 5. und 6. September in Martinsthal besuchen - bei unserer Jahrgangspräsentation, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Bei uns gibt's was zu probieren und trinken, bei den Kollegen auch was zu essen.
Wir sehen uns hoffentlich!

Skål!

Sonntag, 27. Juli 2014

Spritztour

Es ist das Wochenende der Spritztouren.

Gestern abend mal schnell nach Münchweiler, wo es neben dem Rundfunkmuseum auch ein wunderschönes Anwesen, die Klostermühle, gibt, Anlass: eine Hochzeit! Ja, die Leute machen so was immer noch, sogar nach vielen Jahren. Wunderschön bunt durchmischte Gästeschar, blendend gelaunte Gastgeber, viele reizende Kleinkinder, gute Musik, feines Essen und Trinken ... und ein viel zu früher Aufbrauch, weil heute Spritztour Nr 2 auf dem Programm stand.

Wortwörtlich. Den Rothenberg haben wir neulich nach Feierabend gespritzt, obwohl wir viel lieber ins Taubenhaus von Eva Rapps und Urban Kaufmann gegangen wären. Aber das läuft uns ja nicht weg, im Gegensatz zur Zeit, die wir im Weinberg verbringen müssen.

Also Spritztour in den Fürstenberg. Zum Glück bei angenehmen Temperaturen und etwas Wind. Das macht die Buckelspritze (425 Solo, 15 Liter, manuell) nicht leichter, die Arbeit aber etwas weniger unangenehm. Wir spritzen mit Netzschwefel (jaja, ich weiß, Wartezeit 55 Tage, wir haben es den 2. August, nun rechnet mal) und Kupfer, danach riecht man ... äh .. etwas streng. Und man ist hübsch gleichmäßig benetzt.

Unsere liebe Freundin Susa hat an anderer Stelle ja schon einmal beschrieben, wie derbe ich über Brombeeren und Dornen fluchen kann. Liebe Susa, Du hättest mich heute mal erleben sollen. Meine Spritze leckt, und so liefen mir schön gleichmäßig mindestens 1,5 Liter Spritzbrühe über den Rücken ins T-Shirt, den Rücken hinunter durch Hose und Unterhose bis in die Stiefel. Ok, ich bin jetzt gegen jegliche Art von Pilzen tiefenimprägniert (mein Autositz übrigens auch), aber schön ist anders.

Unsere Spritztour hatte auch noch ein anders Ziel: Der Eisenwarenhändler uV feierte 50jähriges Betriebsjubiläum. Mit persönlicher Einladung, persönlicher Rückmeldung (theoretisch) und Schnick und Schnack.
Frisch geschwefelt sollte man sich eher nicht unter Menschen begeben, also haben wir einen Zwischenstopp an der Quelle eingelegt - waschen, trocken, Kleider wechseln. Ab nach Bacharach! (Ich sag's mal so: Wahrscheinlich hätte es keiner bemerkt ...).

Bacharach, "Gummibahnhof". Auftritt: Der Inhaber, der uns strahlend für den schönen Artikel dankt, er habe erst jetzt ... Ich: "???". Der Hospitant: "???". Der Inhaber: "Internet! Und der Bürgermeister hat die Geschichte vorhin vorgelesen! Alle waren begeistert!"

Ich ... ahne ... da war was ... Himmel .. raune dem Hospitanten unauffällig zu: "Habe ich da irgendwelche kleinen Gemeinheiten abgefeuert?" Er: "Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon." Danke, Du bist mir wirklich eine große Hilfe.

Im Laufe der nächsten Stunden bei Riesling, Bratwurst und Mokkacremetorte werden wir noch etliche Male auf diesen "schönen (Blog)Artikel" angesprochen - ausnahmslos begeistert. Da sage noch einer, Blogs lese ohnehin keiner.



Und auf dem Rückweg habe ich schnell noch mal selbst nachgelesen - nein, keine Gemeinheiten, einfach nur das echte Leben.

Zum Jubiläum hat André Heisecke nicht nur massenweise Blumen bekommen, sondern auch eine Schatzkiste mit 50 Weinen - zusammengetragen von der Vereinigung der Bacharacher Winzer. Jeder hat 2 Flaschen beigesteuert. Zum Öffnen der Kiste braucht man natürlich einen Schraubenzieher, der nur bei André Heisecke erhältlich ist.



Und es gab Reden und Gedichte. Von einem besonders launigen habe ich mir nur die letzten drei Zeilen notiert:
"... oder ist bei Dir ne Schraube locker
Geh zu André in sein' Laden
der hat ne Lösung für Dein' Schaden!"


Cheers!

Montag, 7. Oktober 2013

#Take 5 - oder: Aus fünf mach drei plus eins.

OPTIONAL: Take 5

Suse hat die Vorratskammer voll. Oder leer, je nachdem. Und sie delegiert. Mal wieder. Nur, dass es diesmal nicht nur den Praktikanten trifft. Nein, wir alle müssen ran. (Leo würde jetzt sagen, vier alle, und ich bin mal gespannt auf seinen Beitrag!)

Heißt, wir sollen kreativ sein. Eijeijei.

Die Zutatenliste: Übersichtlich. Rinderhüfte, ok, Tomaten und Parmesan haben wir eh immer da, Walnüsse ... meinetwegen. Und Kürbis. Ausgerechnet Kürbis! Ok: hätte noch schlimmer kommen können:


Aber gut, Bananen wachsen eher selten in norddeutschen Gärten, dann eben Küüürbis. Dieser inflationär angebotene Saisonminimedizinball, Halloweenbegleiter und hip und vegetarisch und sooo gesund und auf allüberallen Speisekarten, versuppt, verbreit, verfrittiert und aus meiner Sicht ü_ber_schätzt. Kürbis. Für meinen Geschmack lieber süßsauer denn als sämige Örkssuppe.


Aber gut, wir wollen ja mitmachen, wir wollen ja fünfe grade sein lassen (gelten Kürbiskerne als Ersatz?
Dann könnte man ein schönes Pesto ...), also, Parmesan und Tomaten sind eh da, Walnüsse verkauft der Nachbar drei Häuser weiter, Rinderhüfte der Metzger mV  und dann kullert eben noch so'n blöder öder Biohokkaido in den Einkaufskorb.
Und die beiden erlaubten Joker: Lilafarbenes Basilikum und Rucola (wenn man das Päckchen aus der Gemüsetheke genommen hätte).

So ganz planvoll bin ich nicht, eigentlich wollte ich irgendein Kürbisgewürzmatschmus als Ketchupersatz für das simpelst gebratene Steak machen, und dann sitze ich doch wieder Samstagabend über Kochbüchern, surfe mir einen Wolf und werde nicht wirklich glücklich. Den Durchbruch bringt ein Post meiner geschätzten Bloggerfreundin Bushcook: Kürbis-Crème-brûlée - hurra, jetzt hat sie's hab ich's! Und der Rest schält, schnippelt, backt und brät sich von selbst, umso schneller, wenn man auf bewährte eigene Ideenadaptionen zurückgreift. Voilà:


Rezepte? Rezepte!

Kürbis-Crème-Brulée 

  • 150 g Hokkaido-Kürbis, entkernt, grob geraspelt 
  • ein nussgroßes Stück Ingwer, fein gehackt 
  • etwas Butter 
  • 200 ml Blutorangensaft 
  • 100 g Crème fraiche 
  • 100 ml Schlagsahne 
  • 3 Eigelb (M) 
  • 1 EL mit Orangenschale aromatisertes Olivenöl
  • Salz
  • Szechuanpfeffer
  • Zimt
  • Vanille
  • Muskat 
  • 1/2 Teelöffel Kastanienhonig 
  • drei gehäufte Teelöffel geriebener Parmesan 

Butter in einem Topf erhitzen, Ingwer und Kürbis darin bei starker Hitze kurz andünsten, Saft dazu, 8-10 Minuten zugedeckt dünsten. Immer mal wieder umrühren, ggf etwas Wasser dazugeben, bei diesen Minimengen brennnt das schnell an.
Mit Salz, ordentlich fein genmörsertem Szechuanpfeffer, einer Messerspitze Vanille, ebenso viel Zimt und Muskat würzen.
Crème fraiche, Sahne, Eigelb und Öl verquirlen. Kürbis dazugeben und mit einem Schneidstab sehr fein pürieren. Masse durch ein feines Küchensieb streichen bzw. gießen, ggf nachwürzen.
In kleine flache feuerfeste Förmchen füllen und in eine Saftpfanne stellen. Pfanne bis knapp unter den Förmchenrand mit heißem Wasser füllen.
Im vorgeheizten Ofen bei 170 Grad auf der 2. Schiene von unten in ca. 30 Minuten stocken lassen. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen. Mit Parmesan bestreuen und mit dem Minibrenner abflämmen. Als Garnitur mit Kastanienhonig karamellisierte Walnusshälften oder - stückchen aufsetzen.
Bei mir war die Menge ausreichend für 3 Förmchen à 150 ml.  

Lauwarmer Kürbissalat  
  • 1/4 Hokkaidokürbis, entkernt 
  • 4 kleine Tomaten, geviertelt 
  • Basilikum grün+lilafarben 
  • 1/4 Bund Rauke (wenn man sie aus der Gemüsetheke nimmt)  

Marinade 
  • 1 El Kastanienhonig 
  • 1-2 El Olivenöl 
  • 1/2 Tl Paprikapulver  
Vinaigrette 
Olivenöl, etwas Hühnerfond oder trockener Weißwein, Essig, Salz, Pfeffer

Kürbis in ca. 1/2 cm dicke Spalten schneiden, mit den Tomaten (aber getrennt ;-)) auf ein Blech mit Backpapier verteilen, (zusammen mit der Crème brûlée) in den vorgeheizten Ofen geben. Nach 10 Minuten die Kürbisspalten mit der Marinade bestreichen, 10-15 Minuten weiterbacken. Die Tomaten ggf. schon nach 10-15 Minuten aus dem Ofen holen.
Rauke (so man sie...) und Basilikum waschen, putzen, mundgerecht zupfen.
Zusammen mit den fertig gebackenen Kürbis- und Tomatenspalten anrichten, mit Vinaigrette beträufeln.
Reicht für zwei.

Dazu ein ordentliches gebratenes Hüftsteak - einfach nur mit Salz und schwarzem Pfeffer - und die Kürbis-Crème-brulée.
Aus 5 mach 3.

Und natürlich plus 1: Ein Glas Wein! Hier ein 2009er Leithaberg vom Mörbischer Goldberg aus dem Burgenland, den uns der liebe Kollege Bernhard Fiedler im Rahmen eines Tausch-Sixpacks nebst anderen tollen Flaschen geschickt hat. Passt mit seiner erdigen, stoffigen Art hervorragend zum gepimpten Kürbis und dem Batzen Fleisch.

Take 5? Take that!





























Dienstag, 30. Juli 2013

Es ist ...

... ein Teller! Jetzt wird's ernst. Dabei hat der Praktikant es ja vorab schon verkündet, aber je näher das prognostizierte NiederkunftsAnkunftsdatum rückte, desto nervöser wurden wir.
Dann landete das Päckchen auch noch zunächst im Nachbarhaus und erreichte uns mit Verzögerung, kurzum, eine schwierige Geburt.

Aber dann! Vorsichtig auspacken, nicht, dass das gute Stück Schaden nimmt. 

Feines Oma-Porzellan. Auf der Fahne üppige Bauernmalereiblüten. In der Mitte Streublümchen. Geschwungener, goldverzierter Rand. 
Zwei Henkelgriffe, eigentlich kein Essteller im eigentlichen Sinne, mehr eine Platte zum Servieren feiner Speisen. Petra Hildebrand hat den Teller "ausgegraben" und auf eine Reise mit ungewissem Verlauf und Ausgang geschickt. Klar ist nur: Dieser Teller ist eine Bühne. Für wunderschöne Kreationen wie Forelle mit Pfifferlingen, eine grundsolide Weißwurschtjause mit guter Brezel oder einfach ein paar allerliebste Eclairs.

Lange haben wir überlegt, was diesem Teller angemessen wäre. Eigentlich ein richtig schönes altmodisches Omagericht - Königsberger Klopse oder Rinderrouladen. Oder Gulasch. Also lauter Leibgerichte, die fotographiert eine ähnlich gute Figur machen wie ein Teller Haferschleim (auch ein Omagericht). Suppe aus frischen grünen Erbsen mit Grießklößchen wäre noch eine Idee gewesen (sieht auf einem flachen Teller aber Panne aus) oder meine geliebte Rote Grütze.

Die darf ich nicht kochen, weil der Hospitant nicht nur den Schwarzen Gürtel im Smørrebrødmachen hat, sondern auch amtierender Rheingauer Meister im Dessertmachen ist. Und dieses Mal will ich kochen. 
Petit fours, so kleine Köstlichkeiten, mit Zuckerguss und Silberperlchen verziert, das wäre was, aber als staatlich anerkannte Backniete traue ich mich da nicht dran. Das können andere besser!

So hübsche Nebeneinanderschnörkeleien  (wie sie der Praktikant in Formvollendung ausgarniert) sind nicht mein Ding - ich bewundere die Tellerkunst gerne, neige aber doch eher zu etwas rustikaleren und pragmatischeren Umsetzungen.

Irgendwas mit Blüten wäre nett. Rosen-Melonen-Salat? Auch nicht gerade photogen.

Die Sonne brennt, mein Hirn fühlt sich total leer an, und beim Einkaufen springt mich ein Schälchen allerliebster aromatischer Kirschtomaten an. Da war doch was - Tomaten, Maishuhn, Lavendelhonig, bei Arthurs Tochter entdeckt und viel zu selten nachgekocht. Und Lavendelblüten machen sich da auch noch gut, da haben wir doch unsere Blümchen. Und, wie der Zufall es will, im heimischen Eis schlummern noch vier Maispoulardensuprêmes ...

An den Herd, Marsch-Marsch. Beziehungsweise - an den Kühlschrank, denn bei aller Begeisterung habe ich überlesen und verdrängt, dass die Brüstchen mariniert werden müssen. Auch fein, gibt es eben Brot mit Höhlenkäse als Abendessen. Und dazu die Tomaten, roh. Ich notiere: Neue kaufen!

Und am Ende eines weiteren Tages ...


 
Das Originalrezept stammt aus dem wunderbaren Kochbuch "Tomate", Collection Rolf Heyne. Nicht mehr ganz neu, aber absolut empfehlenswert.

Huhn mit Lavendelhonigglasur auf Schmortomaten

Meine Version sieht so aus:



Gewürzmischung
  •     1/2 El Fenchelsamen
  •     1 TL Koriandersaat
  •     2 Gewürznelken
  •     4 Pimentkörner
  •     5 schwarze Pfefferkörner
  •     1/2 frisches Lorbeerblatt
  •     1 TL Paprikapulver
  •     1/2 EL frischer Thymian
  •     1/2 TL wilde Fenchelblüten
  •     1/2 TL Lavendelblüten
Die ersten sechs Zutaten (bis einschl. Lorbeer) trocken anrösten, abkühlen lassen. Dann alle Zutaten fein mörsern bzw. mahlen.

Glasiertes Huhn

  •     1 Freilandhuhn, ca. 1,3 Kg - hier: vier Maispoulardensuprêmes à 150 g
  •     Salz
  •     4 Esslöffel Armagnac - hier: ordentlicher Schuss
  •     800 g Tomaten - hier: 400 g Kirschtomaten
  •     50 g Salzbutter - hier: aus dem Handgelenk, nicht gewogen
  •     250 g Lavendelhonig - hier: ca. 100 g
  •     2 EL Sherryessig - hier: 2 EL TBA-Essig (aus eigener Produktion, beiseite gestellt und eigentlich gedacht zum Auffüllen beim Filtrieren und dann vergessen ... guter Stoff!)
  •     frische Lavendelblüten
  •     frische Wildfenchelblüten
Die Geflügelteile trockentupfen, salzen, mit der Gewürzmischung bestreuen und in eine dicht schließende Kunststoffdose legen, mit dem Armagnac übergießen. Im Kühlschrank mindestens 6 Stunden marinieren, ab und zu wenden - hier: 20 Stunden.

Eine halbe Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, abtropfen lassen. Die Teile in eine Auflaufform oder Fettpfanne legen. Die Tomaten waschen und dazulegen, die Geflügelteile mit Butterflöckchen belegen.
Im vorgeheizten Backofen bei 160° C ca. 20 -30 Minuten braten.

Essig und Honig in einem Töpfchen erwärmen, bis der Honig flüssig wird, restliche Gewürzmischung dazugeben - hier: vergessen, ist alles am Huhn - und die Geflügelteile dünn damit bestreichen. Temperatur auf 180° C erhöhen, Glasiervorgang 2-3 mal wiederholen, insgesamt dauert das 5-8 Minuten. Evtl. zum Schluss den Grill zuschalten.
Ofen ausschalten, Tür leicht öffnen, 5 Minuten ruhen lassen.

Eine Portion auf einem schönen Teller anrichten, mit geschmorten Tomaten, Bratenjus, Lavendelblüten und wilden Fenchel ausgarnieren. Oder einfach nur unfallfrei drapieren.

Puh, das hat geklappt. Der Teller ist bereits gespült und geht morgen auf die Reise zu Torsten Goffin von "Allem Anfang", den wir zunächst über ein Bloggerevent und dann bei einer wunderbaren Session beim Vinocamp 2013 kennen lernen durften.

Und noch ein kleiner Tipp an alle Tellerreisenden, die - wie wir - das Paket so knapp wie möglich öffnen, um die perfekte Schutzverpackung nicht zu beschädigen - auf der (in diesem Falle) anderen Seite liegt ein Blatt mit den Spielregeln, auf dessen Rückseite man unterschreiben kann ... wenn man es in letzter Sekunde findet.

Die Tassen hoch! Es lebe der Teller!

Samstag, 27. April 2013

Noch ein schönes Paar, nein, sechs schöne Paare!

Unsere Paar-Posts basieren irgendwie immer auf Einladungen. Pärchenabende, mit Chili con Carne und Chips und einem Stapel DVDs ... nein!!! Scheeheeeerz.

Aber erst die Foodpairing-Einladung von 180° im Dezember und jetzt die vom Deutschen Weininstitut. Ähnlich und doch GANZ anders.

Das Team des Weininstituts hatte nämlich eine Hand voll  Spitzenköche aus Hongkong unter Leitung von Ronald Shao Tak Lung und Leung Kin Sum sowie die einzige weibliche asiatische MW - die umwerfend kenntnisreiche, souveräne und charmante Jeannie Cho Lee - nach Mainz eingeflogen, um im Vorfeld der Weinbörse das Thema "Perfect Pairings - German Wines & Asian Flavours" zu traktieren.

Ein alter Hut. Restsüßer Riesling und asiatische Aromen. Oder?
Ha! Was heißt "asiatische Aromen"? Thaiküche? Korea? Vietnam? China? China ist nicht China, lasst uns über Regionalküchen reden ... ein weites Feld, das hier nur ansatzweise auf- und angerissen wurde und trotzdem eine Ahnung davon spüren ließ, was geht.



Sechs Gänge, je zwei Weine. Und die mitessenden und -trinkenden Anwesenden sollten entscheiden, welcher Wein besser passt.

Schweinshaxensülze mit Sesamöl-Dill-Pesto und großartiger Sojasauce. Dazu 2011er Riesling Kabinett von Vollrads - erstaunlich präsent - und 2012er Münsterer Kapellenberg von Krüger-Rumpf.
Ersterer ein bisschen zu leicht und trocken, letzterer gut, aber zu süß. Eine Spontancuvée gefiel besser, würde aber unter dem strengen Auge des Gesetzes sicher nicht bestehen.


Krebsfleischfarce in sahniger (Béchamel?)Sauce auf der Krebsschale, paniert und frittiert, wie Jeannie anmerkte "a dish from the 1960ies, inspired by british cuisine". Määäächtig, so eine Art chinesische Königinpastetchen, und genauso old-fashioned. Puh. Der begleitende Weißburgunder Spätlese trocken 2011 von den Burkheimer Winzergenossen machte das Ganze noch buttriger, opulenter, sättigender. Die trockene Weißburgunder Spätlese "Im Sonnenschein" vom Wilhelmshof setzte einen frischen Kontrapunkt und gefiel mir und uns sowohl solo als auch als Paar deutlich besser.



Seebarsch, gedünstet, mit Gelbe-Bohnen-Crunch (der mangels gelber Bohnen durch Kichererbsencrunch ersetzt wurde) und grüner Bohnenpaste. Wow. Der Crunch mit leichter Schärfe, die Paste ein feiner Gegenpol. Dazu endlich wieder Riesling: Großes Gewächs 2010 vom Karthäuserhof, und zwar der Eitelsbacher Karthäuserhof, versus Erstes Gewächs 2010 Hölle von Künstler. An dieser Stelle kann ich wegen Befangenheit kein Votum abgeben, ich meine, Künstler! Hölle! Ist mir doch wurscht, ob der andere möglicherweise eventuell unter Umständen besser passen können würde.

Ente. Vielmehr, Entenfilet unter grober Pecannusskruste. Frittiert, was man höchstens anhand der (unten liegenden) Entenhaut sehen konnte. Spätburgunder. 2009 Deutzerhof gegen 2010 Großes Gewächs Centgrafenberg von Fürst. Ein bisschen unfair, mal ehrlich. Ein toller Einsteiger eines hervorragenden Ahrwinzers mit etwas mehr Reife gegen das Flagschiff aus Franken. Unentschieden.


Mehr Fleisch. Rinderbacken, geschmort in süßlicher Sauce mit Maronen, zum_Niederknien_zart. Wobei: Sooo viel anders als mein Brasato, Susas Daube oder ein Ossobuco war das jetzt auch nicht, nur süßlicher. Dazu noch mal Spätburgunder. 2009 Kastanienbusch von Gies-Düppel, ruppig, stinkig, mineralisch, viel Holz, gegen 2011 von Braunewell - schmeichelnd, vergleichsweise gefällig, himbeerige Joghurtgum-Aromen. Hm. Zum So-Trinken den Rheinhessen, zu diesem Essen den Pfälzer.


Puh. Luft holen. Wasser trinken. Mehr Wasser trinken. Das Finale naht.

Jeannie hatte vorher schon gewarnt, dass asiatische Desserts nichts mit dem gemein hätten, was uns als Nachspeise bekannt ist und auch einer komplett anderen Tradition unterlägen. Guter Punkt.


Auf dem Teller: Frittierter Gluten-Krapfen, dazu ein süßes Mandelsüppchen mit Eiweiß und Papayawürfeln.
Hm. Sehr hm. Der Krapfen ein zäher süßer Teigklumpen mit Sesammantel, der sich allen Zerteilungsversuchen widersetzte. Das Süppchen ... eine Art süße Stracciatella mit zarten Blausäurenoten und Papayawürfeln. Tischnachbarn versicherten, das sei ein sehr authentisches Dessert. Ich war zwar schon in New York, aber noch niemals in Hongkong, ich bestelle eh lieber noch mal ein halbes Dutzend Austern nach dem Essen als etwas Süßes, aber das hier hat mich überrascht und ein bisschen fassungslos gemacht. Ich dachte doch immer, dass ich ein Allesfresser bin.

Zum Glück gab es auch dazu Riesling (!!!), 2002 Auslese Brauneberger Juffer-Sonnenuhr von Richter gegen 2003 Auslese Aulerde von Wittmann. Wieder das Künstler-Dilemma ... Wittmann ... Befangenheitsantrag ... am Tisch gab es aber durchaus andere Stimmen.


Fazit? Viel neuen Input zum Thema chinesische/Hongkong-Küche. Aha-Effekte, was Würzung und Weinbegleitung ausmacht. Ein toller Nachmittag. Vielen Dank an alle Beteiligten.

Montag, 11. Februar 2013

Wie'd Sau.

Fünfte Jahreszeit. Sau rauslassen. Helau, Ahoi, Alaaf und Narri narro. Och nö!

Ja, richtig, wir sind bekennende Spaßbremsen. Jedenfalls, wenn es um institutionalisierte, organisierte und inszenierte Lustischkeit geht.

Bitte, was ist witzig daran, irgendwelchen Männern irgendwelche Krawatten abzuschneiden - in Zeiten von #aufschrei?

Wieso sieht man mit pinkfarbener Perücke oder falscher Zahnlücke oder als Clown/Indianer/Putzfrau/Hexe/ ... verkleidet KOMISCH aus?

Wo ist er denn, der Aufstand der Bürger gegen die Obrigkeit? Komasaufen gegen Korruption?
Nein, nein, nein. Es gibt ein paar Highlights, vornehmlich in der regionalen oder vielmehr lokalen Saalfassenacht, ok, aber der Rest ist doch die maschinengesteuerte Intensivstation für den Wachkomapatienten Fassenacht.

Zeit, die Sau rauszulassen. Vielmehr: REIN.
Nein, falsch, nicht die Betroffenheits/Anklage/Jammersau.
Sondern die Wildsau! Die uns den Weinberg umgepflügt, die Trauben gefressen, die Zeilen verwüstet hat. Und die dafür erschossen und in Teilen verkauft wurde. Ha!

Die Saukeule lagert seit 8 Wochen im Tiefkühlschrank, jetzt ist sie fällig.
Passt auch gerade, wir begutachten nämlich aktuell auf der anderen Rheinseite die Lage.

Wir wälzen Kochbücher. Cinghiale alla cacciatora ist ein supersimples Bauernessen. Ein bisschen kompliziertes hätten wir es gerne, mehr als Fleisch, Wein, Zwiebel, Salz, Pfeffer, Tomaten. Werden fündig. Für das Grundgerüst, den Rest basteln wir selbst. Immer.

Samstagabend.
Knapp 2,2 Kilo Keule ohne Knochen, getaut, pariert, gewürfelt, in einer Flasche Chianti mit ein paar Rosmarinzweigen ertränkt.

Sonntagabend.
Fleisch trockentupfen, Marinade durchsieben.
Fleisch in gutem Olivenöl (grazie, Dario!) portionsweise anbraten. In den Bräter schichten.

3 Möhren und
3 Selleriestangen sowie
1 Gemüsezwiebel würfeln.

Im letzten Bratfett (ggf. noch etwas Olivenöl zugeben) die Zwiebel auf kleiner Flamme glasig schwitzen. Wer will, kann eine feingehackte Knoblauchzehe zugeben. Wir wollten, haben sie aber vergessen.
Zu den angebratenen Fleischbrocken in den Bräter geben


Mehr Öl, Gemüsewürfel anbraten. ANBRATEN! Braun! Mit Mariniersud ablöschen, alles in den Bräter geben.

2 neue Rosmarinzweige,
1 Lorbeerblatt,
1 Stängel Salbei und
3 Stängel Thymian zugeben.
Salzen.
Aufkochen lassen.
Ca. 300 ml Tomatenpüree/Stücke/Passata zugeben.
1 Teelöffel toskanischen Kastanienhonig.
Umrühren, abschmecken. Pfeffer bitte erst am Schluss!
Ich habe noch 2 Teelöffel Dikzatur-Gewürz untergerührt, alternativ geht eine Mischung aus Piment, wenig (!!!) Zimt, Pfeffer und ... Josef?

Ich habe dann noch 200 ml konzentrierten Bratenfond (TK, selbstgemacht) zugegeben, alternativ würde ich Kalbsfond nehmen.

Und jetzt ... abwarten. Nach knapp drei Stunden auf kleeeeeeiiiiiiner Flamme duftete das Ragout verführerisch. Da ist es für uns aber definitiv zu spät zum Essen, darum darf alles über Nacht im Hof abkühlen und noch einmal durchziehen



Eine kleine Portion, aufgewärmt, mit herrlichem Urwaldpfeffer vollendet, aber ansonsten ohne Geschiss und Beilagen haben wir gerade gegessen. Fein. Mehr!







Montag, 4. Februar 2013

Ey, Schnecke!

Auf der Liste der am meisten überschätzten Kochaktionen steht eine bei mir ganz weit oben.
Backen.
Brot backen oder Seelen backen oder Waffeln, ok, meinetwegen.
Kuchen backen .... ohje. Torten? No, Sir! Und neckisches Kleingebäck schon dreimal nicht.
Nein, auch keine Weihnachtsplätzchen.
Ich bin zur staatlich anerkannten Backniete mutiert.

Dabei geht es mir wie Astrid, als Jugendliche habe ich meine Familie jeden Sonntag mit einer kunstvoll verzierten Torte verzückt, zu Weihnachten 17 (!!!) Sorten Plätzchen produziert, die rationiert an den Adventssonntagen zum Kaffee gereicht wurden, ich sage nur, Baseler Leckerli ... und dann kam die erste Studentenbude, dann fand ich es grausam, dass an gruseligengemütlichen PärchenSpieleabenden Chili mit Knaggifix gekocht wurde, dann entdeckte ich Italien als heimliche Heimat, und fortan stellte ich das juvenile Teigrühren und Sahnespritzen ein und KOCHTE.

Nach Gefühl, nach Rezept, nach Kochbüchern großer Könner. Ich besitze genau EIN, falsch, seit letztem Sommer DREI Backbücher. Und ungezählte Kochbücher, wenn auch sicher nicht so viele wie Dorothée. (Exkurs: Trotzdem eigentlich zu viele, um irgendwann einmal umzuziehen.)

Aber wie es das Schicksal will, kommt der Hospitant aus dem Land, in das seinerzeit Konditoren aus der KuK-Monarchie die Rezepte für feinstes Plundergebäck getragen haben. Wienerbrød heißt dort das, was bei uns unter dem Namen "Kopenhagener" bekannt ist.

Wienerbrød, das sind Kringle, Spandauer, Brunsviger und Snegle. Snegle sind Schnecken, die gibt es mit Zimtzucker, Rosinen, Schokolade, Blaubeeren, Rumglasur ... Schnecken halt.

Dummerweise stolperte ich beim Surfen unlängst über eine Seite mit einem wunderbar anmutenden Kanelsnegle-Rezept. Kardamom im Teig, Zucker und Zimt in der Füllung, eine kurze Nachfrage ergab: Ja, das mag der Mann. Hm. Ich bin zwar eine Backniete, aber ich habe schon noch einen Funken Ehrgeiz im Leib.

Projekt: Danske Kanelsnegle. Rezepte wälzen. Frøken Jensen hat die Sparvariante ohne Eier und mit Margarine. Hm. Das verlinkte Rezept ist echt fett. Birthe Karen Jensen favorisiert echten Plunderteig.
Eingekauft ist, Sonntagmorgen ist auch, und ich stelle fest: das Birthe Karen Jensen Rezept ist zwar toll, aber SO aufwändig, dass das heut nix mehr wird. Accidenti!

Ich erzähle an den Fässern von meiner Teilniederlage und Gabi Würtz schwärmt sofort: "Zimtschnecken! Ich les' ja gerade diese ganzen skandinavischen Krimis und da essen alle ständig Zimtschnecken!" Stimmt. Könnten wir auch. Ich müsste einfach nur mal welche backen. DIE KANN MAN HIER NÄMLICH NICHT KAUFEN. Macarons und Co., klar, ich sage nur: Florian Köller. Aber banale Hefezimtschnecken? Projekt vertagt.

Same place, eine Woche später. Ich schäle mich frühmorgens aus dem Bett und setze Hefeteig an. Staune über die hohe Hefemenge, staune über die viele Butter und die Sahne und gebe mehr Hefe dazu. Frage mich, ob dieser klebrige schwere Brei je gehen wird. Knete noch etwas Mehl unter.

Verknete viel, viel weiche Butter mit Muscovadozucker und Zimt.

Lupfe das Tuch von der Teigschüssel. Hm.

Werfe Rosinen ins Calvadosbad. Koche endlich erst mal Kaffee.

Heize den Ofen auf 225° vor, rolle den Teig aus, bestreiche, rolle auf, schneide und verteile auf Backpapier. Sieht gar nicht übel aus. Erstes Blech wandert in den Ofen WELCH EIN DUFT!
Aus der zweiten Portion werden größere, dünnere Schnecken. Erste Portion ist fertig, ich lerne, was ich eigentlich wusste: Flüssige Zucker-Butter-Masse ist VERDAMMT heiß und klebt an Kochlöffeln wie'd Sau. Abkühlen lassen ist schlauer, dann fallen die Dinger auch nicht auseinander.

Stunden später (ok, eine). Wir an den Fässern. MIT Schnecken. Zimtschnecken. Dänischen Zimtschnecken.
Die erste kriegt Romy, die zweite der Wertz. Der inhaliert das Ding. Die nächsten gehen auch weg, die letzten liegen eingepackt hier.








Zimtschnecken backen. Ey, geht doch, Schnecke!
Ach so: Und zwar genau SO.

Teig:

400g Mehl (möglichst Manitoba)
35 g Hefe
200g Butter
100 ml Sahne
100 ml Milch
1 Ei
1/2 Tl Salz
1 Tl gemahlener Kardamom
50 g Zucker

Mehl sieben, mit Kardamom und Salz mischen. Sahne und Milch erwärmen, Hefe darin auflösen, Zucker zugeben. Weiche Butter und Ei zum Mehl geben, Hefe-Milch-Mischung dazu, alles verkneten. Ggf. Mehl zugeben, der Teig darf nicht mehr NUR klebrig sein. 40-80 Minuten gehen lassen, das Volumen sollte sich verdoppeln.

Füllung
200 g Butter
100 g heller Muscovadozucker
50 g Haushaltszucker
2 TL Zimt

1-2 Eigelb zum Bestreichen

Weiche Butter gründlich mit Zucker und Zimt verkneten.

Teig rechteckig ausrollen, nicht zu dünn mit Füllung bestreichen (mein erster Versuch: ca. 5 mm Teig, ca. 3 mm Füllung), aufrollen, in Scheiben schneiden, auf  Backpapier aus Backblech setzen, leicht eindrücken, mit verkleppertem Eigelb bestreichen.
Backen.


Abkühlen lassen. Essen. Aber zackig!



Freitag, 28. Dezember 2012

Weinrallye #58: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - es gibt Rotweinfondue!

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - ein schönes Motto, das der Winzerblog in Gestalt von Thomas Lippert da vor Weihnachten in die Runde warf.
Wein verschenken, bekommen, probieren, trinken, verbloggen.

Rechtzeitig vor dem Fest kam "unsere" Flasche aus Österreich, genauer gesagt, aus dem Burgenland.

Rotwein. Blaufränkisch. Ich bin ja eher Weißweintrinkerin, Lars ist da nicht ganz so farbenblind.
Also Rotwein. Super! Wir wollten längst mal wieder Rotweinfondue machen!




Liebe Leser, Ihr könnt die Schnappatmung jetzt wieder einstellen, kuckuck, das war ein Sche-herz, jedenfalls fast. NATÜRLICH mache ich aus einem 2009er Leithaberg vom Mörbischer Goldberg aus dem Burgenland von Bernhard Fiedler keinen Glühwein, kein Rotweingelee und keinen Fonduefond. Liebe Kinder, diesen Scherz bitte nicht nachmachen, jedenfalls, wenn es um Bordeaux und die Cheffin von Leo geht ... also, alles gut.

Rotweinfondue stand aber tatsächlich schon länger auf dem Plan.
Ich kannte bis vor einiger Zeit Käsefondue, Fondue bourguignonne, Fondue chinoise, meinetwegen noch den Mongolischen Feuertopf.
Rotweinfondue, davon erzählte der Hospitant zum ersten Mal.
"Rotwein mit einem Laubeerblatt und einem Timiandusk. Dazu leicht geräucherte Hamburgerrücken in dünnen Scheiben ohne Fettrand und fehlerfrei."

Ja, ich fand das genau so absurd wie Ihr. Bis ich es Weihnachten vor einem Jahr in Fredensberg serviert bekam. Ein bisschen Brot, ein paar Sößchen, etwas Salat, Leute, das ist lecker!

Und darum war es jetzt Zeit für Rotweinfondue. Zu meiner Ehrenrettung: Wir haben einen anständigen, stoffigen 2010 Corbières besorgt, einen Wein, den man absolut auch einfach nur trinken, aber eben auch für den Fond für ein Rotweinfondue verwenden kann, ohne Schnappatmung zu kriegen.

Dazu Lorbeerblatt, Thymian und Rosmarin.
Gepökelter, leicht geräucherter Schweinelachs (also rohes Kasseler).
Sowie die Fonduesauce, deren Rezeptur fernmündlich just in time übermittelt wurde.

200g Crème fraîche (Original: Saure Sahne 18% Fett)
1/2 Teelöffel Dijonsenf
evtl. 1/2 Teelöffel geriebene rohe Zwiebel
Salz, Pfeffer
50 ml Mayonnaise

Ich nahm weniger Mayo und keine rohe Zwiebel (brrrrrr), dafür mehr vomm göttlichen Bratar-Dijonsenf, Mélange blanc und einen guten Spritzer Zitronensaft.



An die Waffen Gabeln!

Ein Pfund Kassler später waren wir satt, der Wein alle, alle glücklich, rotweinselig und zufrieden.

Und jetzt kommt die zweite Ehrenrettung: NATÜRLICH, liebe Leser, haben wir den Wein nicht erst zu dieser Gewürzbombe geöffnet und probiert, sondern schon am Vorabend.
Was glaubt Ihr denn!




2009
Leithaberg
vom Mörbischer Goldberg
Burgenland
Grenzhof Fiedler
13,5% 

In der Nase pfefferig, saftige rote Pflaume, rote Beeren, kühle Mineralik. Leder, zartsüßlich, Zimtblüte, Walderdbeere, sehr konzentriert, feine Graphitnoten.

Auf der Zunge stoffig, mit viel Biss. Süßliche, reife Frucht, festes, straffes Tannin. Viel Spannung, Kräutertöne, Tannenhonig, gute Länge.

Was isst man dazu? Wildgeflügel, Fasan, Reh, vielleicht auch ein Rehwellington mit feiner Duxelles.

In jedem Fall ein fester, packender Wein, kein vordergründiger Schmeichler.

Mit mehr Luft wird er "waldiger", Noten von Wildleder und Unterholz kommen durch.

Tag 2.

Sehr viel kakaoiger in der Nase, der Alkohol - 13,5% - deutlicher im Vordergrund. Der Wein wirkt mineralischer, aber nicht mehr so harmonisch wie am ersten Tag.

Und, surprise, surprise, er steckt den Rotweinfond und das Kassler Fleisch und die Senfsauce echt gut weg. Fein!

Alles in allem - ein wunderbarer Wein, der einer eingefleischten Weißweintrinkerin und einem Gelegenheitsrotweintrinker zwei schöne Abende beschert hat. Wenn es den noch gibt - kaufen! Trinken!

Und: DANKE!!!



Freitag, 30. November 2012

Weinrallye: Ein schönes Paar!

Hundertachtziggrad lädt zur Weinrallye, Thema: "Food Pairing". Ha! Da sind wir dabei! Da fällt uns doch soofort, also, welchen Wein, schon klar, den kompliziertesten aus der Kollektion, der am meisten Potential, und dazu kochen wir ...

So fängt das an. Manchmal lohnt es sich aber doch, Texte und Gebrauchtsanweisungen bis zum Ende zu lesen, und zwar nicht erst einen Tag vor Abgabeschluss, wenn man glaubt, die Geschichte völlig easy im Sack zu haben und nur noch schnell runterschreiben und schnell ein paar Bilder einbinden zu müssen. Aber dazu später mehr.

Also, Food Pairing. Wir haben da ja diesen Wein.  
Blauschiefer. Riesling. Alte Reben, Schiefer, Steilhang. Etwas früher gelesen als der Alte Reben, etwas mehr Säure, weigerte sich, durchzugären und blieb im halbtrockenen Bereich stecken. 
VKN? 
"In der Nase intensive Mineralik, Schiefer, reifes Steinobst, Reineclauden, ein bisschen kräutrig, ganz dezent honigsüßliche Noten.
Auf der Zunge saftig, fest, Pfirsich und Reineclaude, schönes Süße-Säure-Spiel, tolle Länge, ein Wein, der jetzt schon mal ein bisschen mit den Muskeln spielt und bestimmt eine tolle Entwicklung durchlaufen wird, wenn er nicht vorher schon ausgetrunken ist."
Unser Liebling, und der Wein, der am meisten unterschätzt wird. 
Also: Was kochen wir dazu?
Ich: So ein bisschen was Nussiges hat er ja auch. 
Lars: Ja, und die Süße schmeckt man gar nicht so sehr. 
Ich: Irgendwas Richtung Vorderer Orient. 
Lars: Ja, aber mit Fleisch. Und mit Säure in der Sauce!
Ich: Ich hab da ne Idee. Superlecker, sieht aber panne aus. Naja, können wir dann ja auch gleich bei Ugly Food posten.
Die Idee: Faisinjan. Ente mit Walnuss-Granatapfelsauce. Göttlich. Geschmacklich. Dazu etwas Halbtrockenes mit Wucht und ohne Holz ... klinggt wie ein gutes Paar.
Faisinjan (oder Fesenjan) ist ein Rezept aus der von mir sehr geliebten persischen Küche. Die Ente wird zerlegt, in Butter angebraten und dann unter Zugabe von Wasser gar geköchelt. Parallel dazu bereitet man die Sauce zu, schwitzt Zwiebelwürfel an, gemahlene Walnüsse, löscht mit Brühe ab, köchelt ein, gibt Granatapfelsaft und Safran dazu, köchelt ein ... ein wunderbares, wärmendes, tröstlich-aromatisches Winteressen, das meilenweit von der breitdeftigen Winterbrumsküche unserer Heimat entfernt ist.

Für zwei nicht übermäßige Esser ist eine Ente eine Herausforderung, wir haben deshalb schöne fleischige Entenbrüste beim Geflügelhändler uV besorgt. 
Und dann geht es ganz einfach so:


Faisanjin für zwei 

2 Entenbrüste à 300g
1 rote Zwiebel
1 Esslöffel Butter oder Entenfett
75 g Walnusskerne, fein gemahlen
200 ml Geflügelfond
ca. 200 ml knalltrockener Riesling
Saft und ein zwei Esslöffel Kerne eines reifen Granatapfels
etwas Himbeeressig
1 Briefchen Safranfäden
Salz, Pfeffer, Zucker, evtl. Limettensaft

Backofen auf 80 Grad vorheizen. Entenbrüste auf der Fettseite rautenförmig einschneiden, die Brüste mit der Fettseite nach unten in eine kalte gusseiserne Pfanne legen, auf kleiner Flamme langsam ausbraten, bis die Fettseite schön braun ist. Wenden, Fleischseite Farbe nehmen lassen, abermals wenden, dann die Pfanne mit den Brüsten für 15-20 Minuten in den Ofen geben. Nach 15 Minuten Druckprobe machen.

In der Zwischenzeit die fein gewürfelte Zwiebel in fett glasig schwitzen, Nüsse dazu, ebenfalls anschwitzen, mit Fond ablöschen, einkochen lassen, Riesling dazu, einkochen lassen, Saft dazu, Safran in etwas heißer Sauce auflösen, zugeben, Salz, Pfeffer, einkochen lassen, abschmecken mit Himbeeressig und Zucker, evtl. noch etwas Limettensaft und so weiter ...
Die Sauce lässt sich gut im Voraus zubereiten! Zum Schluss die Granatäpfelkerne zugeben, ein paar für die Deko zurückbehalten.
Ente aus dem Ofen holen, in Scheiben schneiden, anrichten.

Ok. Das ist bei Ugly Food der Knackpunkt. Entenbrust, fein, aber diese Sauce, die wird auch durch ein paar Granatapfelkerne optisch nicht gerettet, da hilft auch der beigelegte Reis nicht.

Augen zu und durch: Es schmeckt hervorragend. Wirklich!
Das süßliche rosafarbene Entenbrustfleisch, die Röstaromen aus der knusprigen Fettseite, die erdige, nussige Komponente des Sauce mit dem dezenten Säurespitzchen steckt der Riesling locker weg, mehr noch, er unterstützt es und entfaltet seine ganze Wucht und strahlende Mineralität mit diesem herrlichen Gericht als Begleitung - Food-Wine-Pairing mal anders herum.
 

Ist übrigens imho/ioho auch weihnachtsmenütauglich, mit einem kleinen Fischgang davor, davor einem Süppchen, einem Salat als Auftakt und einen schönen Dessert zum Schluss. 

Und die ganzen anderen Fragen beantworten wir morgen. Vielleicht.

Montag, 5. November 2012

Smørrebrød: Æg med rejer

Wie von Christin angekündigt, werde auch ich Heike eins schmieren.
Und als "Träger des schwarzen Gürtels im Smørrebrød schmieren" werde ich eins mit Eiern und Krabben servieren. Relativ einfach zu produzieren, schmeckt aber köstlich.

Dazu braucht man:

Roggenbrot
gesalzene Butter
Ei(er)
Mayonnaise (am besten selbst gemacht)
Grönlandkrabben
Kaviar vom Steinbeißer
eine dünne Scheibe Zitrone
ein bisschen Dill

Brot schmieren, Eier in Scheiben darauf legen, einen dünnen Streifen Mayonnaise seitlich rechts von der Mitte des Brotes platzieren. Die Krabben darauf arrangieren , auf der anderen Seite der Brotscheibe einen Streifen Kaviar anrichten. Als i-Tüpfelchen eine dünne Scheibe Zitrone und ein Zweiglein Dill obendrauf.
Fertig!


Dazu Bier – heute wird es ein (Helles) Augustiner aus München. Am Wochenende geht natürlich
auch ein Schnaps dazu. Ich empfehle hier entweder einen Dill Snaps oder einen mit Kümmel…

(Anmerkung der Übersetzerin: Dieses Smørrebrød [smörrebröll] spricht sich [äg mell reier] aus.)

Butterbrot Event

Schmier Dir das mal ab!

Einfach nur schnell ein Butterbrot schmieren? Nix da! 
Aber Heike will Butterbrot. Soll sie kriegen! Butterbrot, bis der (Tier)Arzt kommt! Und einfach ist hier nix, schmier Dir das mal gleich ab.

Butterbrot, aber dänisches! Die dänischen Butterbrote bzw. Smørrebrøds sind oft richtige kulinarische Kunstwerke, hoch mit Belag betürmt, liebevoll verziert, zu essen nur mit Messer und Gabel. Und sie haben häufig phantasievolle Namen, da gibt es "Sonne über Gudhjem", "Sternschnuppe", "Victor Borge", und das "Abendbrot des Tierarztes" - "Dyrlægens natmad". Und weil der dänische Hospitant mir das als erstes gekocht - naja, geschmiert - hat, war eines der ersten dänischen Wörter, die ich (neben diversen Flüchen) lernte, "Dyrlægen" - Tierarzt.

Roggenbrot, Salzbutter, Leberpastete, Rindersaftschinken, Jus, Zwiebelringe. Fertig.
Allerdings stellt die Zubereitung eines echten dänischen "Dyrlægens natmad" einen hierzuland vor gewisse logistische Herausforderungen. Oder vielmehr Herausforderungen der Beschaffung. Ohne Kriminalität. Und mich damit vor eine der kleinen internen Diskussionen über die Qualität deutscher Lebensmittel im Allgemeinen und Besonderen. Und wir reden noch nicht mal über Fisch, sondern über Roggenbrot, Butter (!), Leberpastete (!!) und Rindersaftschinken (!!!). Wenigstens über Jus und Zwiebeln müssen wir nicht reden.

Roggenbrot ist Roggenbrot und wird geschnitten gekauft. Kein Problem.

Butter. Natürlich Salzbutter. Die französische mit Fleur de sel wird vom Träger des schwarzen Gürtels im Smørrebrød-Machen zähneknirschend als Alternative akzeptiert, die meisten deutschen dagegen nicht. 

Leverpostej. Leberpastete. Hat nur wenig mit dem zu tun, was man hier unter diesem Namen kaufen kann. Gibt es in dänischen Metzgereien und Supermärkten in kleinen Aluschälchen, wird gerne noch ofenwarm gekauft und bedarfsweise zu Hause noch mal aufgewärmt. Etwas körnige, grobe Konsistenz, fester als Leberwurst. Gibt's hier nicht, also kaufe ich schnittfeste Leberpastete. Schmeckt anders, geht aber durch.


Rindersaftschinken. Ohje. Das Original sieht "Saltkod" vor. Gepökeltes, gekochtes Kalb- oder Rindfleisch. Also Rindersaftschinken, sag ich doch. Nein, Saltkod sei heller. Mir doch wurscht. Rinder_saft_schinken, basta.

Jus. Auf dänisch "sky". Das Wort steht auch für "Wolken". Gelierter Bratensaft. Das kenne ich von den hannöverschen Omabesuchen meiner Kindheit, da gab's das bei jedem Metzger fertig zu kaufen. Und ich habe es ge_liebt. In Dänemark kann man das auch fertig kaufen. Machen wir auch immer und nehmen welches mit nachhause. Schmeckt super. Wenn man nicht versehentlich das mit Pilzen erwischt. ICH hab das nicht in den Einkaufswagen gelegt! In Ermangelung hannöverscher Metzgereien mache ich Jus selbst. Kalbsfond und Gelatine. Fertig.

Und die deutschen Zwiebeln sind genehmigt, uff.




Jetzt wird geschmiert.

Brot, Salzbutter, Leverpostej. Und es beginnt der Glaubenskrieg: Dann erst Sky und dann Saltkod  - leichter zu essen - oder erst Saltkod, dann streifenweise Sky und dann die Zwiebelringe?
Der Hospitant bevorzugt die nutzerfreundliche Version, ich habe für Heike jetzt das "Original" nachgebaut.





Sehr traditionell und sehr gut und sehr bezahlbar kann man Smørrebrød in Kopenhagen bei Ida Davidsen essen. Ein kleines Kellerlokal, eine Institution. Und hier wurde auch Dyrlægens natmad erfunden - der Name rührt von einem Stammkunden, der Abend für Abend das gleiche Smørrebrød bestellte.
Roggenbrot, Salzbutter, Leberpastete, Rindersaftschinken, Jus, Zwiebelringe. Fertig.



Wir hatten beim letzten Mal trotzdem was anderes. "Victor Borge" - Mayonnaise, Lachs, Steinbeißerkaviar - und eines, das der Hospitant hoffentlich morgen noch postet. Und dazu: Bier! Skål!





Butterbrot Event


Montag, 30. Januar 2012

Ich habe einen an der Waffel!

Und zwar einen an der Hefewaffel. Gebacken als Luxusversion eines dänischen Hefewaffelrezeptes, handgetippt, aus dem Jahr 1965. Da:


Wir wollen Waffeln backen. Seit Wochen. Speziell für diese Waffeln bzw. den Upgrade in die Präsidentenklasse musste unbedingt ein ganz besonderer Orangenlikör erstanden werden. Und weil der Händler auf der Weihnachtspräsentation nur Probeflaschen dabei hatte und wir abends im Onlineshop bestellten, fiel uns noch eine Flasche Armagnac in das Rettungsboot den Warenkorb. Ups!




Der erste Waffelbackversuch ergibt essbare, aber nicht überragende Waffeln. Der Hospitant behauptet, Muttis Waffeln seien mit Hefe gemacht worden. Hefewaffeln? Ich bin war skeptisch. Das Rezept kommt per Post, die Zutaten sind im Haus. An die Waffeln!



 Erster Lerneffekt: Wenn Du backen und bloggen willst, sollte die Digicam auffindbar und dann auch noch aufgeladen sein. Und Zutaten kann man hübsch arrangiert photographieren und damit auch den speziellen Kick bildlich dokumentieren, wenn man nicht erst daran denkt, wenn das Ganze schon eine gärende goldgelbe Pampe ist. Die photographiert nicht übermäßig photogen ist.



 Grundrezept:

500 g Mehl
6 Eigelb
250 g Butter
25 g Hefe
300-400 ml Milch

Weil wir nur Waffeln für zwei statt für zwölf backen wollen, halbieren wir das Rezept, streichen das Abendessen und haben eh vergessen, mittags was zu essen.

Die Butter wird geschmolzen, die Hefe in der Milch aufgelöst und dann alles zu einem glatten Teig verrührt.
Wir fügen hinzu - für die halbe Menge:
eine gute Prise Salz
einen Esslöffel Zucker
abgeriebene Schale und Saft einer Bioorange
(das nächste Mal die Schale zweier Bioorangen)
abgeriebene Schale einer Biozitrone
Saft einer halben Biozitrone
einen GUTEN Schuss Orangenlikör
einen GUTEN Schuss Armagnac

Alles verrühren, eine halbe Stunde gehen lassen.
Und dann ... backen.
 Absolut waffelscheinpflichtig!

Dazu gibt es, überraschenderweise, Wein.

2005
Bacharacher Hahn
Riesling Auslese
Toni Jost, Hahnenhof
8,5%

Honig, reifes Steinobst, Orangenschalen im Duft.
Auf der Zunge nicht übermäßig süß, karamellig und etwas nussig, kandierte Zitrusfrüchte, Orangeat, Pomeranzen, moderate Säure. Schön konzentriert, aber nicht übermächtig. Macht auch beim zweiten Gläschen nicht satt. Ist ja auch nur ne Zweidrittelflasche. Und quasi alkoholfrei.
Ein reifer, aber absolut nicht überreifer Wein, der immer noch Potential hat und perfekt zu den Waffeln passt.

Erstanden übrigens in einer Gaststätte mit dem schönen Namen "Deutsches Haus" in Kaub, über die demnächst hier zu lesen sein wird. Nur so viel vorab: Der Laden hat eine Weinkarte, die man der Fassade und der Speisekarte nicht ansieht und verkauft ALLE Weine auch außer Haus zu Preisen, die mich seinerzeit nach Luft schnappen ließen.

Und so musste ich leider die letzten beiden Flaschen dieses wunderbaren Weines erstehen - Wanderer, kommst Du nach Kaub und kehrst im Deutschen Haus ein, der 2005er steht möglicherweise noch auf der Karte, aber er liegt in meinem Keller.