Schon lange verfolge ich die #12von12-Blogaktion mit großem Spaß, und schon lange ärgere ich mich an jeme 12. eines Monats, dass ich es wieder mal versemmelt habe, mitzumachen.
Aber jetzt.
Heute haben wir etwas länger geschlafen - gestern mussten wir trotz des Wochenendes SEHR früh aus den Federn. Der Jaguar ist endlich vom Hof und der Käufer, ein wirklich netter und seriöser Typ aus Holland, hatte sich für 8 Uhr angesagt. Es lag Schnee, ich rechnete eigentlich damit, dass er sich verspätete, aber um viertel vor klingelte das Telefon, er sei jetzt da ... in der falschen Hauptstraße im falschen Stadtteil, das kennen wir ja, und so fuhr er erst um 7.55 Uhr vor. Gut, dass das Kapitel jetzt auch abgeschlossen ist, diese private Verkaufsaktion habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gesehen. Da kamen seltsame Anrufe seltsamer Menschen nach Mitternacht, die einem erst ein absurdes Angebot machten und einen dann beschimpften ... nun gut.
Heute also der erste Kaffee um kurz nach 9. Erwähnte ich, dass wir seit kurzem einen Vollautomaten haben? Und dass der großartigen Kaffee macht? Und dass ich ihn liebe (wenn nicht gerade das Wasserfach leer ist, das Tresterfach entleert werden will, keine Bohnen mehr drin sind ..) .. Also, Kaffee für alle. Vor allem für mich.
Während die Maschine aufheizt, spült und sonderbar gurgelt, steckt der Kater seine Nase zur Küchentür herein. Menschen sind wach, jetzt wollen Katzen bedient werden. Eilig (und breithüftschwenkend) läuft er ins Badezimmer, mit einem Satz sitzt er in der Wanne und hypnotisiert den Hahn. Ja, da kann Wasser rauskommen. Ich bin ihm gefolgt, öffne den Hahn ein winziges bisschen und widme mich dann wieder meinem Kaffee.
Sonntag ist Backtag, ich habe gestern abend einen Roggenteig mit selbst gezogenem Sauerteig angesetzt. Jetzt ist er ordentlich gegangen und wird mit eingeweichten Roggenkörnern und Roggenschrot verknetet.
Ich probiere das Rezept zum ersten Mal aus und misstraue den Angaben, eigentlich hätte ich jetzt noch mal 1/2 Liter warmes Wasser zugeben sollen, aber ich finde die Masse bei weitem flüssig genug. Ich vertraue auf mein Bauchgefühl und verteile den Teig in die Backformen - bis heute nachmittag soll er noch einmal gehen.
Wir packen den Weinbergskorb - Scheren, Schleifstein, Nägel für die Stickel, Hammer, Kabelbinder, Säge, Gläser, Bier und Croissants und fahren auf die andere Seite.
Die Stiefel habe ich immer im Auto, die passenden Socken auch.
Wenigstens scheint die Sonne.
Kurz nach eins machen wir eine (Mittags)Pause. Meine Schere muss nachgezogen werden, ich habe gefühlt einen halbe Tonne Dornen abgeschnitten oder ausgerissen und aus den Zeilen geschleppt.
Wir teilen uns ein Bier, für den Mann gibt es Buttercroissant vom Bäcker, für mich selbstgebackenes Brot mit Käse.
Es riecht nach Frühling, die Vögel singen, ein Bussard kreist hoch oben über dem Fürstenberg. Wir schneiden konzentriert, es hat etwas Meditatives, schnippeln die gekappten Gerten klein, entfernen die alten Ranken aus den Drähten - zum Teil. So sehr ich im vergangenen Jahr über die Hubschrauberspritzrechnung geflucht habe, wir haben so unsere Reben gerettet, auch wenn wir nichts ernten konnten. Das Holz ist ausgereift und überwiegend in wirklich gutem Zustand.
Als die Sonne hinter dem Fürstenberg verschwindet, packen wir zusammen und fahren nach Hause. Vielmehr: nach Hattenheim. Von diesem Wochenende an ist der Weinprobierstand dort am Rhein wieder geöffnet, wenn das Wetter stimmt. Wir verpassen ein paar Freunde nur knapp und fangen furchtbar an zu frieren, als wir mit unserem Piffchen 2016er Riesling dort stehen. Schlotternd leeren wir die Gläser und laufen zurück zum Auto. Nichts wie heim.
Als wir die Wohnungstür aufschließen, ist der Kater sichtlich erfreut, uns zu sehen. Er hat bis eben auf "seinem" Sofa im Arbeitszimmer geschlafen und ist jetzt startklar für die erste Abendpatrouille durchs Dorf. Weil wir gerade kommen, können wir ihm die Haustür und damit den "vornehmen" Ausgang öffnen, ansonsten müsste er sich unter dem Hoftor durchquetschen, also den Hinterausgang nehmen. Das geht dank einer gewissen Breithüftigkeit gerade noch eben so, am Rücken sieht man aber schon, dass das Fell an den Kontaktstellen zum Tor ein wenig schütter wird.
Die Brote sind großartig aufgegangen, fallen aber zusammen, als die Haushaltsfolie abziehe. Entgegen meines größer werdenden Misstrauens stelle ich die Formen in den kalten Ofen und drehe den Temperaturregler auf 175 Grad. Das Rezept sieht 2 3/4 Stunden vor. Das passt doch im ganzen Leben nicht.
Zum Abendessen soll es Lauchquiche geben. Sonntags backen wir häufig Quiche, ein simples, halbwegs schnelles, dankbares Essen. Gemüsereste (heute: Pilze) und andere "Muss-wegs" (heute Kochschinken und sehr reifer Blauschimmelkäse) lassen sich wunderbar darin verwursten, der Teig ist schnell gemacht, die Füllung eh, man kann das Rezept vegetarisieren oder veganisieren und es bleiben immer ein paar Stücke übrig, die ich tags darauf als Mittagessen mit ins Büro nehmen kann und die auch noch zwei Tage später schmecken.
Während die Brote backen, müssen wir noch mal kurz in den Keller. Drei Weine brauchen etwas mehr Schwefel, die noch gärenden Weine müssen kontrolliert werden, ich hole eine Flasche Blauschiefer für das Abendessen.
Ich hole die Brote aus dem Ofen. Sie sehen ok aus, aber nicht umwerfend. Die Quiche kommt in den Ofen, der Mann deckt den Tisch. Ich erinnere mich, dass wir eigentlich zwei Katzen haben und öffne auf der Suche nach Tita die Wohnungstür. Sehe keine Tita, dafür den Panther, zurück von der Patrouille in seinem Korb. Ich lasse die Tür angelehnt und er nutzt die Gelegenheit, um zurück auf sein Sofa zu eilen.
Ich packe den unbearbeiteten Stapel Rechnungen neben den Rechner - die müssen jetzt bezahlt werden, das geht beim Tatort nebenbei. Ich mache mir eine Notiz, dass wir morgen dringend unserem Kapsellieferanten die Vorlage für bedruckte Kapseln schicken müssen, sonst wird das dieses Jahr nichts mehr. Ich fange an, einen Laufzettel für die kommende Woche zu schreiben. Feierabend.
Mehr #12von12 gibt es wie immer bei Caro auf Draußen nur Kännchen.
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Sonntag, 12. Februar 2017
Mittwoch, 15. Juli 2015
Noch ein Fest? Noch ein Fest! Unser Hauptstraßenfest!
Im Sommer wird im Rheingau gefeiert. Kein Wochenende, an dem nicht
mehrere Feste zwischen Hochheim und Lorch stattfinden, alle mit Wein,
die meisten mit Livemusik und sehr, sehr viele mit den mehr oder weniger
immer gleichen Ständen - Nierenspieß, Crêpes, Pizza.
Etwas spezieller, vielleicht nicht ganz so "professionell", aber dafür oft gemütlicher sind die kleineren Feste - Dorfkerben, Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr und natürlich die Straßenfeste.
In Martinsthal hat das Hauptstraßenfest eine lange Traditon. Vor etwas 40 Jahren war es eines DER Feste im Rheingau, rechts und links der alten Hauptstraße öffneten Anwohner für ein Wochenende ihre Höfe, im alten Lindenkeller gab es eine Disco, drei Tage lang feierten die Martinsthaler mit Freunden und Gästen auf der Straße.
Irgendwann wurde die schiere Menge der Feste im Rheingau erdrückend, das Martinsthaler Weinfest wanderte an den Weinprobierstand im Walluftal, und das Fest war Geschichte.
Bis in Martinsthal die Hauptstraße über viele Monate aufgerissen, saniert und neu geplastert wurde und die Anwohner das am Ende doch frohe Ereignis wieder mit einem Fest feierten - 2010 war das.
Hauptstraßenfest, reloaded, immer am dritten Juliwochenende.
Kleiner als das parallel stattfindene Lindenfest in Geisenheim, weniger speziell als die Schlangentage, aber dafür nachbarschaftlich und gemütlich. Einer der schönsten Innenhöfe - der von Gabriele und Guido Arnold - wird zur Straußwirtschaft, Zelda Klein backt ihre berühmten Frühlingsrollen. Bier und Cocktails gibt es natürlich auch, vor der Salongesellschaft kann man herrlich chillen, Tanja Nehrbauer öffnet ihr Waffelkaffee und organisiert Spiele und eine Rallye für die Kinder.
Wir sind auch dabei - mit dem verschobenen Tag der halboffenen Kellertür. (Wie der eine oder andere vielleicht mitgekriegt hat, war die Hälfte der Belegschaft - für fast drei Monate im Weingut zu wenig zu gebrauchen.)
Beim Hauptstraßenfest präsentieren wir unseren neuen Jahrgang - sechs Weine vom trockenen Martinsthaler über zwei Mittelrheiner bis zu unseren Topweinen aus Rheingauer Erste-Gewächs-Lagen.
Es ist uns ein Vergnügen - und ein Fest, natürlich. Und wir freuen uns auf Euch!
Freitag, 17.7. ab 17 Uhr
Samstag, 18.7. ab 17 Uhr
Sonntag, 19.7. ab 11 Uhr zum Mittagessen, richtig los geht es ab 15-16 Uhr
Und wer dann noch nicht genug hat, kann uns am 5. und 6. September in Martinsthal besuchen - bei unserer Jahrgangspräsentation, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Bei uns gibt's was zu probieren und trinken, bei den Kollegen auch was zu essen.
Wir sehen uns hoffentlich!
Skål!
Etwas spezieller, vielleicht nicht ganz so "professionell", aber dafür oft gemütlicher sind die kleineren Feste - Dorfkerben, Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr und natürlich die Straßenfeste.
In Martinsthal hat das Hauptstraßenfest eine lange Traditon. Vor etwas 40 Jahren war es eines DER Feste im Rheingau, rechts und links der alten Hauptstraße öffneten Anwohner für ein Wochenende ihre Höfe, im alten Lindenkeller gab es eine Disco, drei Tage lang feierten die Martinsthaler mit Freunden und Gästen auf der Straße.
Irgendwann wurde die schiere Menge der Feste im Rheingau erdrückend, das Martinsthaler Weinfest wanderte an den Weinprobierstand im Walluftal, und das Fest war Geschichte.
Bis in Martinsthal die Hauptstraße über viele Monate aufgerissen, saniert und neu geplastert wurde und die Anwohner das am Ende doch frohe Ereignis wieder mit einem Fest feierten - 2010 war das.
Hauptstraßenfest, reloaded, immer am dritten Juliwochenende.
Kleiner als das parallel stattfindene Lindenfest in Geisenheim, weniger speziell als die Schlangentage, aber dafür nachbarschaftlich und gemütlich. Einer der schönsten Innenhöfe - der von Gabriele und Guido Arnold - wird zur Straußwirtschaft, Zelda Klein backt ihre berühmten Frühlingsrollen. Bier und Cocktails gibt es natürlich auch, vor der Salongesellschaft kann man herrlich chillen, Tanja Nehrbauer öffnet ihr Waffelkaffee und organisiert Spiele und eine Rallye für die Kinder.
Wir sind auch dabei - mit dem verschobenen Tag der halboffenen Kellertür. (Wie der eine oder andere vielleicht mitgekriegt hat, war die Hälfte der Belegschaft - für fast drei Monate im Weingut zu wenig zu gebrauchen.)
Beim Hauptstraßenfest präsentieren wir unseren neuen Jahrgang - sechs Weine vom trockenen Martinsthaler über zwei Mittelrheiner bis zu unseren Topweinen aus Rheingauer Erste-Gewächs-Lagen.
Es ist uns ein Vergnügen - und ein Fest, natürlich. Und wir freuen uns auf Euch!
Freitag, 17.7. ab 17 Uhr
Samstag, 18.7. ab 17 Uhr
Sonntag, 19.7. ab 11 Uhr zum Mittagessen, richtig los geht es ab 15-16 Uhr
Und wer dann noch nicht genug hat, kann uns am 5. und 6. September in Martinsthal besuchen - bei unserer Jahrgangspräsentation, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Bei uns gibt's was zu probieren und trinken, bei den Kollegen auch was zu essen.
Wir sehen uns hoffentlich!
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Donnerstag, 28. Mai 2015
Drei Wochen war der Frosch so krank ...
... nun, genauer gesagt waren es jetzt schon sieben Wochen. Sieben Wochen, die uns gezwungen haben, komplett umzudisponieren. Umzuplanen, neu zu denken.
Weniger wichtige Dinge abzusagen oder zumindest weit nach hinten zu schieben.
Unumgängliche Dinge anders zu organisieren. Freunde und Familie um Hilfe zu bitten.
Biegen und Binden im Weinberg. Biodünger verteilen. In der Einzelstockerziehung die Pfähle gerade rücken oder neu einschlagen. Mähen. Ausbrechen. Weine filtrieren. Füllen.
Vom alltäglichen Kleinkram (Duschen, Anziehen, Schuhe zuschnüren, Waschmaschine befüllen, Wäsche aufhängen, volle Kochtöpfe von links nach rechts heben, Nudeln abschütten, Einkaufskorb anheben, Wasserkisten ... mal ganz abgesehen.
Nichts Lebensbedrohliches war passiert, aber mit einem gebrochenen Schlüsselbein lebt, bewegt, hebt und trägt es sich anders, das habe ich gelernt.
Und dazu, wie wichtig und tragfähig dieser blöde Knochen ist, wenn er denn heil ist und nicht beim blöden Sturz in drei gleichmäßige Stücke zerbrochen ist.
Es geht voran. Jetzt raucht sie nicht, aber sie trägt wieder, Gott sei Dank.
Vielen, vielen Dank an alle Unterstützer. Abstützen durfte ich mich übrigens auch nicht.
Weniger wichtige Dinge abzusagen oder zumindest weit nach hinten zu schieben.
Unumgängliche Dinge anders zu organisieren. Freunde und Familie um Hilfe zu bitten.
Biegen und Binden im Weinberg. Biodünger verteilen. In der Einzelstockerziehung die Pfähle gerade rücken oder neu einschlagen. Mähen. Ausbrechen. Weine filtrieren. Füllen.
Vom alltäglichen Kleinkram (Duschen, Anziehen, Schuhe zuschnüren, Waschmaschine befüllen, Wäsche aufhängen, volle Kochtöpfe von links nach rechts heben, Nudeln abschütten, Einkaufskorb anheben, Wasserkisten ... mal ganz abgesehen.
Nichts Lebensbedrohliches war passiert, aber mit einem gebrochenen Schlüsselbein lebt, bewegt, hebt und trägt es sich anders, das habe ich gelernt.
Und dazu, wie wichtig und tragfähig dieser blöde Knochen ist, wenn er denn heil ist und nicht beim blöden Sturz in drei gleichmäßige Stücke zerbrochen ist.
Es geht voran. Jetzt raucht sie nicht, aber sie trägt wieder, Gott sei Dank.
Vielen, vielen Dank an alle Unterstützer. Abstützen durfte ich mich übrigens auch nicht.
Freitag, 28. November 2014
Weinrallye #80: Nach dem Herbst ist vor dem Herbst
Es ist wieder Freitag, es ist wieder wie der Groundhog Day. Und dieses Mal sind wir auch noch die Gastgeber!
Also: Ernte 2014 - Eindrücke, erste Bilanz, Meinungen.
Und ich muss dir jetzt erzählen, was mir widerfahren ist... jetzt seh ich die Zukunft positiv, denn ich bin Optimist.
Das Jahr ist irgendwie vorbei gerast, was waren wir froh, deutlich vor dem außergewöhnlich frühen Austrieb mit Schneiden und Binden fertig geworden zu sein. Dann wurde es erst zu Ostern und dann zu Pfingsten richtig warm, nein, heiß, frühe Blüte, die Reben explodierten geradezu, und wir mussten uns beeilen, mit Mähen, Grubbern, Mulchen und Spritzen hinterher zu kommen. Indess: Picobello saubere Laubwände, kein Pilzdruck, keine Krankheiten, bis weit in den Juli hing es wun_der_schön.
Bis zum Tag, als der Regen kam. Und es warm blieb. Und die Peronospora explodierte.
Und es regnete ... Von Woche zu Woche, später von Tag zu Tag konnte man die Menge, die im Juli noch so exorbitant erschien, schrumpfen sehen.
Wo man auch hinschaute und -hörte, wurde aus Skepsis Nervosität, aus Unkenrufen Totengesänge. Der Arschjahrgang 2014 war schon lange vor der Lese geboren (und wurde, um das vorweg zu nehmen, sang- und klanglos beerdigt).
Ja, einfach war der Jahrgang nicht, die Kirschessigfliege tobte bei den roten Sorten, vielerorts gab es Probleme mit Essigfäule, die vor allem bei Anlagen, die vom Vollernter gelesen werden, extrem sorgfältige Vorselektion erforderten. Ach: Und wenn ich noch einmal hören oder lesen muss "Einfach kann jeder! ... liebe Leute, zur Abwechslung hätte ich nichts, aber auch gar nichts gegen einen wirklich einfachen, tollen, gesunden und, wenn man will, überreifen Jahrgang.
Trotzdem - was uns persönlich angeht - wir konnten Anfang Oktober die Trauben aus unseren beiden Rauenthaler Lagen Rothenberg und Wülfen (beide EG-qualifiziert) bei strahlendem Sonnenschein kerngesund in schöner Spätlesequalität ernten.
In unseren Parzellen am Mittelrhein waren die Mostgewichte etwas niedriger, trotzdem schmeckten die Moste konzentriert und intensiv. Hier gibt es in diesem Jahr drei Weine, von der trockenen dicken Kabinettqualität bis zur Auslese.
Die Weine haben sich gut geklärt, sind spontan angegoren und gären zum größten Teil noch langsam vor sich hin, wir werden sie wohl kurz vor oder nach Weihnachten abstechen.
Moderate Säurewerte, viel Extrakt, Reintönigkeit, jetzt schon Tiefe und Druck - kein Ausnahmejahrgang, aber einer, der das Maß wieder zurecht rüttelt, sowohl von der Menge als auch von der Qualität her.
Es ist, es war ein ungewöhnliches, vor allem ein ungewöhnlich warmes Jahr, selbst in unserem an sich kühlen Keller herrschten bis vor zwei Wochen noch so hohe Temperaturen, dass wir durch Bodenbenässung und Lüftung kühlen mussten.
Bis vorgestern hingen im Rheingau und am Mittelrhein überall in den Weinbergen noch reichlich Blätter an den Reben, dann kam zum Glück eine richtig kalte Nacht, und nun dürften sich die Stöcke in den Winterschlaf verabschiedet haben. Was bedeutet, dass wir mit dem Schneiden anfangen können und ein neuer Zyklus beginnt - nach der Lese ist vor der Lese.
Und keine Angst, nach so viel Weinbergsprosa gibt es auch etwas zu trinken. Denn wir konnten ein lang gegebenes Esseneinladungsversprechen wahr machen. Leider - aus Gründen - nur mit der Hälfte der erwarteten Gäste, aber wir haben ein Glas auf der Abwesenden Wohl getrunken und rechnen für das Nach-dem-Herbst-Essen 2015 fest mit ihnen.
Es gab ein einfaches, aufgebohrtes Essen rund um die tote Wildsau, sprich, Wildsaugulasch von der Rheingauer Wutz mit Vanillewirsing und Semmelknödelbuttermilchsoufflée im Zentrum nach einer klaren Steinpilzessenz (chakka!), Selleriegedöns nach Bushcook davor und noch vorher marinierten Saibling mit Gemüsekram und Wurzelchips. Danach ein Safraneis, Exotensalat und Orangenblätter und zum Schluss Salt&Pepper-Brownies.
Nix Experimentelles, gut vorzubereiten und bodenständig.Und eigentlich nur der Anlass, was Anständiges zu Trinken auf den Tisch zu stellen. (Rezepte liefere ich auf Wunsch gerne nach).
Ich erspare Euch die Strecke (oder wollt Ihr???) und nenne nur zwei - persönliche - Highlights - Anfang und Ende, sozusagen. Beides sind übrigens Tropfen aus Gammel- und Arschjahren, das nur am Rande.
Vorweg - warum in die Ferne schweifen, wenn Kollegen sowas Schönes machen:
2006Ratzenberger
Spätburgunder Blanc de Noir brut
Sekt
13 %
In der Nase reife Walderdbeertöne, kräutrig, süßlich, nussig, würzig.
Auf der Zunge wieder Erdbeeraromen, Zitrus, weiche Nussaromen, saftig und schön trocken zugleich, das alles ungemein cremig mit viel Schmelz, dicht und fest und dabei sehr elegant, feines Mousseux, sehr gute Länge.
Chapeau! Ein großartiger deutscher Sekt, der sechs !!! Jahre auf der Hefe lag und sicher nicht nur in Deutschland in der Top-Liga mitspielt - toll gemacht, Jochen Ratzenberger!
(Und das Beste: Man kann ihn ab Hof noch kaufen!)
Nach diversen Rieslingen, Chardonnays, Spätburgundern und Bordeaux sowie dem einen oder anderen Piraten ging es zum Schluss noch mal nach Osten, genauer gesagt, ins Burgenland zu Bernhard Fiedler. Von dem hatten wir nämlich im Rahmen einer Blogger-Wichtel-Aktion und einer folgenden Weinkistentauscherei unter anderem eine Flasche
2006
Grenzhof Fiedler
Beerenauslese
süß (ACH!)
13,5%
bekommen. Ja, eine süße BA mit 13,5%.
In der Nase getrocknete Birnen, leicht bitter-nussig, etwas Waldboden und feuchtes Laub.
Auf der Zunge eher leicht im Stil, süßliches Dörrobst, schöne Würze, pilzige Noten, ordentlich Säure, viel Druck, schöne Länge.
Ein guter Ausklang eines einfachen Menüs, der Abend wurde dann noch etwas länger, aber davon bei Gelegenheit mehr.
Und nun hoffe ich auf viele Mitfahrer bei dieser Weinrallye, die ersten habe ich bereits gesichtet. Und freue mich besonders auf die nächste, die von unserer Mistress of Bordeaux, Susa, auf hundertachtziggrad ausgerichtet wird. Cheerio, old Sophie duck!
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Sonntag, 27. Juli 2014
Spritztour
Es ist das Wochenende der Spritztouren.
Gestern abend mal schnell nach Münchweiler, wo es neben dem Rundfunkmuseum auch ein wunderschönes Anwesen, die Klostermühle, gibt, Anlass: eine Hochzeit! Ja, die Leute machen so was immer noch, sogar nach vielen Jahren. Wunderschön bunt durchmischte Gästeschar, blendend gelaunte Gastgeber, viele reizende Kleinkinder, gute Musik, feines Essen und Trinken ... und ein viel zu früher Aufbrauch, weil heute Spritztour Nr 2 auf dem Programm stand.
Wortwörtlich. Den Rothenberg haben wir neulich nach Feierabend gespritzt, obwohl wir viel lieber ins Taubenhaus von Eva Rapps und Urban Kaufmann gegangen wären. Aber das läuft uns ja nicht weg, im Gegensatz zur Zeit, die wir im Weinberg verbringen müssen.
Also Spritztour in den Fürstenberg. Zum Glück bei angenehmen Temperaturen und etwas Wind. Das macht die Buckelspritze (425 Solo, 15 Liter, manuell) nicht leichter, die Arbeit aber etwas weniger unangenehm. Wir spritzen mit Netzschwefel (jaja, ich weiß, Wartezeit 55 Tage, wir haben es den 2. August, nun rechnet mal) und Kupfer, danach riecht man ... äh .. etwas streng. Und man ist hübsch gleichmäßig benetzt.
Unsere liebe Freundin Susa hat an anderer Stelle ja schon einmal beschrieben, wie derbe ich über Brombeeren und Dornen fluchen kann. Liebe Susa, Du hättest mich heute mal erleben sollen. Meine Spritze leckt, und so liefen mir schön gleichmäßig mindestens 1,5 Liter Spritzbrühe über den Rücken ins T-Shirt, den Rücken hinunter durch Hose und Unterhose bis in die Stiefel. Ok, ich bin jetzt gegen jegliche Art von Pilzen tiefenimprägniert (mein Autositz übrigens auch), aber schön ist anders.
Unsere Spritztour hatte auch noch ein anders Ziel: Der Eisenwarenhändler uV feierte 50jähriges Betriebsjubiläum. Mit persönlicher Einladung, persönlicher Rückmeldung (theoretisch) und Schnick und Schnack.
Frisch geschwefelt sollte man sich eher nicht unter Menschen begeben, also haben wir einen Zwischenstopp an der Quelle eingelegt - waschen, trocken, Kleider wechseln. Ab nach Bacharach! (Ich sag's mal so: Wahrscheinlich hätte es keiner bemerkt ...).
Bacharach, "Gummibahnhof". Auftritt: Der Inhaber, der uns strahlend für den schönen Artikel dankt, er habe erst jetzt ... Ich: "???". Der Hospitant: "???". Der Inhaber: "Internet! Und der Bürgermeister hat die Geschichte vorhin vorgelesen! Alle waren begeistert!"
Ich ... ahne ... da war was ... Himmel .. raune dem Hospitanten unauffällig zu: "Habe ich da irgendwelche kleinen Gemeinheiten abgefeuert?" Er: "Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon." Danke, Du bist mir wirklich eine große Hilfe.
Im Laufe der nächsten Stunden bei Riesling, Bratwurst und Mokkacremetorte werden wir noch etliche Male auf diesen "schönen (Blog)Artikel" angesprochen - ausnahmslos begeistert. Da sage noch einer, Blogs lese ohnehin keiner.
Und auf dem Rückweg habe ich schnell noch mal selbst nachgelesen - nein, keine Gemeinheiten, einfach nur das echte Leben.
Zum Jubiläum hat André Heisecke nicht nur massenweise Blumen bekommen, sondern auch eine Schatzkiste mit 50 Weinen - zusammengetragen von der Vereinigung der Bacharacher Winzer. Jeder hat 2 Flaschen beigesteuert. Zum Öffnen der Kiste braucht man natürlich einen Schraubenzieher, der nur bei André Heisecke erhältlich ist.
Und es gab Reden und Gedichte. Von einem besonders launigen habe ich mir nur die letzten drei Zeilen notiert:
"... oder ist bei Dir ne Schraube locker
Geh zu André in sein' Laden
der hat ne Lösung für Dein' Schaden!"
Cheers!
Gestern abend mal schnell nach Münchweiler, wo es neben dem Rundfunkmuseum auch ein wunderschönes Anwesen, die Klostermühle, gibt, Anlass: eine Hochzeit! Ja, die Leute machen so was immer noch, sogar nach vielen Jahren. Wunderschön bunt durchmischte Gästeschar, blendend gelaunte Gastgeber, viele reizende Kleinkinder, gute Musik, feines Essen und Trinken ... und ein viel zu früher Aufbrauch, weil heute Spritztour Nr 2 auf dem Programm stand.
Wortwörtlich. Den Rothenberg haben wir neulich nach Feierabend gespritzt, obwohl wir viel lieber ins Taubenhaus von Eva Rapps und Urban Kaufmann gegangen wären. Aber das läuft uns ja nicht weg, im Gegensatz zur Zeit, die wir im Weinberg verbringen müssen.
Also Spritztour in den Fürstenberg. Zum Glück bei angenehmen Temperaturen und etwas Wind. Das macht die Buckelspritze (425 Solo, 15 Liter, manuell) nicht leichter, die Arbeit aber etwas weniger unangenehm. Wir spritzen mit Netzschwefel (jaja, ich weiß, Wartezeit 55 Tage, wir haben es den 2. August, nun rechnet mal) und Kupfer, danach riecht man ... äh .. etwas streng. Und man ist hübsch gleichmäßig benetzt.
Unsere liebe Freundin Susa hat an anderer Stelle ja schon einmal beschrieben, wie derbe ich über Brombeeren und Dornen fluchen kann. Liebe Susa, Du hättest mich heute mal erleben sollen. Meine Spritze leckt, und so liefen mir schön gleichmäßig mindestens 1,5 Liter Spritzbrühe über den Rücken ins T-Shirt, den Rücken hinunter durch Hose und Unterhose bis in die Stiefel. Ok, ich bin jetzt gegen jegliche Art von Pilzen tiefenimprägniert (mein Autositz übrigens auch), aber schön ist anders.
Unsere Spritztour hatte auch noch ein anders Ziel: Der Eisenwarenhändler uV feierte 50jähriges Betriebsjubiläum. Mit persönlicher Einladung, persönlicher Rückmeldung (theoretisch) und Schnick und Schnack.
Frisch geschwefelt sollte man sich eher nicht unter Menschen begeben, also haben wir einen Zwischenstopp an der Quelle eingelegt - waschen, trocken, Kleider wechseln. Ab nach Bacharach! (Ich sag's mal so: Wahrscheinlich hätte es keiner bemerkt ...).
Bacharach, "Gummibahnhof". Auftritt: Der Inhaber, der uns strahlend für den schönen Artikel dankt, er habe erst jetzt ... Ich: "???". Der Hospitant: "???". Der Inhaber: "Internet! Und der Bürgermeister hat die Geschichte vorhin vorgelesen! Alle waren begeistert!"Ich ... ahne ... da war was ... Himmel .. raune dem Hospitanten unauffällig zu: "Habe ich da irgendwelche kleinen Gemeinheiten abgefeuert?" Er: "Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon." Danke, Du bist mir wirklich eine große Hilfe.
Im Laufe der nächsten Stunden bei Riesling, Bratwurst und Mokkacremetorte werden wir noch etliche Male auf diesen "schönen (Blog)Artikel" angesprochen - ausnahmslos begeistert. Da sage noch einer, Blogs lese ohnehin keiner.
Und auf dem Rückweg habe ich schnell noch mal selbst nachgelesen - nein, keine Gemeinheiten, einfach nur das echte Leben.
Zum Jubiläum hat André Heisecke nicht nur massenweise Blumen bekommen, sondern auch eine Schatzkiste mit 50 Weinen - zusammengetragen von der Vereinigung der Bacharacher Winzer. Jeder hat 2 Flaschen beigesteuert. Zum Öffnen der Kiste braucht man natürlich einen Schraubenzieher, der nur bei André Heisecke erhältlich ist.
Und es gab Reden und Gedichte. Von einem besonders launigen habe ich mir nur die letzten drei Zeilen notiert:
"... oder ist bei Dir ne Schraube locker
Geh zu André in sein' Laden
der hat ne Lösung für Dein' Schaden!"
Cheers!
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Freunde,
Glück,
Handarbeit,
klein+fein,
Laubarbeit,
Leidenschaft,
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Rheingau,
Spritzen,
Wein
Vorsichtig optimistisch
Nach dem Zwischenstand ist vor dem Zwischenstand. Die Weine sind gefüllt, wir haben AP-Nummern, wir haben neue Selbstklebeetiketten und die Weinguts-Homepage auf www.dalgaardundjordan.de umgestellt.
Wir haben gespritzt, wir liegen bei den Laubarbeiten gut in der Zeit. Und es sieht verdammt gut aus im Weinberg. Oder vielmehr in den Weinbergen, beiderseits des Rheins.
Es hängt viel, wir hatten keinen Hagel, wir haben keine Peronospora und keinen Mehltau. Wenn es halbwegs so weitergeht, fällt es schwer, den standesgemäßen Pessismismus zu bewahren.
So schön kann es gehen - hoffentlich geht es auch so weiter.
Wir haben gespritzt, wir liegen bei den Laubarbeiten gut in der Zeit. Und es sieht verdammt gut aus im Weinberg. Oder vielmehr in den Weinbergen, beiderseits des Rheins.
Es hängt viel, wir hatten keinen Hagel, wir haben keine Peronospora und keinen Mehltau. Wenn es halbwegs so weitergeht, fällt es schwer, den standesgemäßen Pessismismus zu bewahren.
So schön kann es gehen - hoffentlich geht es auch so weiter.
Donnerstag, 22. Mai 2014
Ab. Ge. Füllt.
Das war's!
Schluss, fertig, aus.
Der Jahrgang 2013 ist auf der Flasche. Fünf Weine, vom trockenen Ortswein (Martinsthaler) über zwei halbtrockene/feinherbe Lagenweine aus dem Martinsthaler Rödchen bis zu unseren Premiumweinen Rothenberg und Fürstenberg.
Keine große Menge, aber großer Trinkgenuss.
Eine mobile Füllanlage, ein wunderbarer, tiefenentspannter und unerschütterlicher Lohnfüller, zwei Freunde und wir.
Vier Stunden.
Viele viele leere Flaschen - zweieinhalb Paletten, genau gesagt.
1300 für die Premiumweine. Größer als die Standardflasche und mit 750 Gramm 50 Prozent schwerer.
Zweieinhalb Kartons Kapseln.
Die Flaschen werden am Anfang der Füllanlage (oben: links) auf ein Band gestellt, in die Anlage gefördert, in einem ersten Durchgang mit stark verdünnter schwefliger Säure sterilisiert und kopfüber ausgeschwenkt. Dann laufen sie in das Füllkarussel, werden dort mit Wein befüllt, im nächsten Schritt wird von oben eine Kapsel aufgesteckt und dann festgedreht. Hinten (oben: rechts) werden die Flaschen aus der Anlage auf eine Ablage geschoben, von der man sie abnimmt und in Gitterboxen legt.
Mehrere Tonnen gefüllte Flaschen, die kistenweise vom Hof in die Gitterboxen im Keller gewuchtet werden mussten.
Ein rausgeschossener FI-Schalter, weil die Füllanlage auf unserem Buckelpflaster ein bisschen schief stand und zum Schluss doch Wasser in die Stecker tropfte.
Ein Ergebnis, auf das wir stolz sind.
Und neue Etiketten.
Mehr dazu und natürlich vor allem zu den Weinen in Kürze auf diesem Kanal und auf unserer Homepage.
Und nein, das Bild hängt nicht schief.
Schluss, fertig, aus.
Der Jahrgang 2013 ist auf der Flasche. Fünf Weine, vom trockenen Ortswein (Martinsthaler) über zwei halbtrockene/feinherbe Lagenweine aus dem Martinsthaler Rödchen bis zu unseren Premiumweinen Rothenberg und Fürstenberg.
Keine große Menge, aber großer Trinkgenuss.
Eine mobile Füllanlage, ein wunderbarer, tiefenentspannter und unerschütterlicher Lohnfüller, zwei Freunde und wir.
Vier Stunden.
Viele viele leere Flaschen - zweieinhalb Paletten, genau gesagt.
1300 für die Premiumweine. Größer als die Standardflasche und mit 750 Gramm 50 Prozent schwerer.
Zweieinhalb Kartons Kapseln.
Für diejenigen, die es noch nie gesehen haben:
Die Flaschen werden am Anfang der Füllanlage (oben: links) auf ein Band gestellt, in die Anlage gefördert, in einem ersten Durchgang mit stark verdünnter schwefliger Säure sterilisiert und kopfüber ausgeschwenkt. Dann laufen sie in das Füllkarussel, werden dort mit Wein befüllt, im nächsten Schritt wird von oben eine Kapsel aufgesteckt und dann festgedreht. Hinten (oben: rechts) werden die Flaschen aus der Anlage auf eine Ablage geschoben, von der man sie abnimmt und in Gitterboxen legt.
Mehrere Tonnen gefüllte Flaschen, die kistenweise vom Hof in die Gitterboxen im Keller gewuchtet werden mussten.
Ein rausgeschossener FI-Schalter, weil die Füllanlage auf unserem Buckelpflaster ein bisschen schief stand und zum Schluss doch Wasser in die Stecker tropfte.
Ein Ergebnis, auf das wir stolz sind.
Und neue Etiketten.
Mehr dazu und natürlich vor allem zu den Weinen in Kürze auf diesem Kanal und auf unserer Homepage.
Und nein, das Bild hängt nicht schief.
Montag, 14. Oktober 2013
Nach dem Regen ist vor dem Regen ist vor der Lese
Der Nachbar hat jetzt auch mit der Lese begonnen, sauberes Material, die Weinberge sind extrem gut gepflegt. Es gibt aber auch Winzer, die jetzt schon mit der Lese durch sind - und die haben keinen Müller-Thurgau, sondern Riesling und Spätburgunder im Sortiment. Schon seltsam, die Vollernter frühmorgens im strömenden Regen in den Weinbergen fahren zu sehen. Wobei: Wie sagte der Nachbar so schön - wenn ordentlich Wasser mitgelesen wird, gibt's mehr Menge und weniger Säure. Ok, so kann man das auch sehen. Er sagt es übrigens nur, macht es aber nicht ;-). Kommendes Wochenende sind seine kleinen Handleseflächen dran, da sind wir natürlich dabei.
Am Mittelrhein ist die Lage noch sehr viel entspannter, der Wingert zum Bach runter sieht ziemlich gut aus, und oben hängen die Trauben auch noch absolut gesund. Die Arbeit, die wir im September in den Weinberg gesteckt haben, hat sich gelohnt. Aber auch da sind einige Winzer schon weitestgehend durch - und von Selektion kann da keine Rede sein.
Natürlich redet es sich leicht, wenn man nur eine kleine Fläche selbst bewirtschaftet und nicht in Vollerwerbsdimensionen denken muss - und ich ziehe meinen virtuellen Hut vor den Winzern, die das im großen Stil machen und selektionieren und perfektionieren. Wie das aussieht? Schaut selbst:
Doch zurück zu uns und unserem Riesling.
So sah es am Sonntag aus.
Es reicht jetzt allerdings mit dem Regen! Wirklich! Ein paar sonnige Tage wären mehr als gut.
Den Rothenberg holen wir kommendes Wochenende.
Am Mittelrhein lesen wir die Woche drauf.
Wir haben nicht mehr ewig Zeit - und trotzdem das Glück, dass der Nachbar, dessen Infrastruktur wir nutzen dürfen, genauso spät dran ist.
Und: Wir dürfen unseren dornröschenschlaferweckten schönen alten Gewölbekeller weiter nutzen. Was für ein Glück.
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Mittwoch, 15. Mai 2013
Alles neu ...
... macht der Mai.
Die Weinberge sind förmlich explodiert. Überall Grün und Gelb und Weiß, an den Stöcken, unter den Stöcken, in den Rebzeilen. Am Wochenende müssen wir mähen.
Und, wichtiger, wir haben gefüllt.
Vergangenen Samstag, mit viel Hilfe der netten Nachbarn, Kollegen und Freunde. Danke dafür.
Unser 2012er ist jetzt auf der Flasche. Wie angekündigt, trocken. Knalltrocken. Mit ordentlich Säure.
Here we go ....
2012 Riesling Kabinett trocken
"Kreuzweise"
Rüdesheimer Magdalenenkreuz
1,0 g Restzucker, ca. 7 g Säure, 11,5 %
In der Nase saftige Steinobstfrucht, weiße Blüten, Orangenschalen, leicht rauchige Mineralik.
Am Gaumen Aprikosen- und Mandarinenfrucht, feine Würze, leicht, aber nicht dünn, eine Art schwebende Eleganz, gute Länge mit mineralischem Abgang.
2012 Riesling Spätlese trocken
"Drei Kreuze"
Rüdesheimer Magdalenenkreuz
4,0 g Restzucker, ca. 8 g Säure, 12,0%
In der Nase rauchige, fast speckige Töne. Leicht salzig und nussig, kühle Steinobstfrucht.
Auf der Zunge fest und straff, steinige Mineralik, rosa Grapefruit, kühl, tiefgründig, mit viel Länge.
2012 Riesling Spätlese trocken
"Alte Reben"
Oberdiebacher Fürstenberg
0,5 g Restzucker, ca. 8 g Säure, 12,5 %
In der Nase Zitrus, Reineclaude und grüner Tabak. Zartsüßliche florale Noten, heller Mandelkrokant, tief und mineralisch.
Auf der Zunge frisch, wieder Zitrustöne, helles Steinobst, straff und fest gewirkt, animierende Säure, sehr tiefgründig und klar, kühle Schiefermineralik, bleibt lange, lange am Gaumen. Wucht, Druck, Kraft, das ist ein Langstreckenläufer.
Was ist sonst noch interessant?
Die Namensgebung verlief analog zum ersten Jahrgang - im Rheingau spielen wir mit den Lagennamen, am Mittelrhein heißt die trockene Spätlese "Alte Reben", die halbtrockene (die wir 2012 nicht gemacht haben) "Blauschiefer" und der Kabinett ... warten wir den Jahrgang 2013 ab.
Rüdesheimer Magdalenenkreuz also. "Bekommen" haben wir die wunderschöne Parzelle durch eine schlichte Annonce im lokalen Wochenkäsblatt, da stand der Name für einen Wein sofort fest: Drei Kreuze, dass das geklappt hat! ( Und wie als Bestätigung dröhnte am ersten Lesetag "Altes Fieber" von den Toten Hosen auf SWR3, als ich in den Wirtschaftsweg in den Wingert abbog .. "Drei Kreuze, dass wir immer noch hier sind .."). Soll wohl so sein.
Mit dem zweiten Namen haben wir uns schwerer getan, von "Kreuzlahm" über "Kreuzbrav" bis zu "Kreuzweise" war alles im Rennen. Bis zu dem Abend, an dem wir mit dem Pächter des Weinbergs telefonierten und er zerknirscht gestand, dass der Vertrag von Seiten des Besitzers nicht verlängert worden sei und wir daher nicht wie geplant auch 2013 ... KOCH! Und kreuzweise, ehrlich.
Ach so: Falls irgendeiner unserer geneigten Freunde, Leser, Kunden ... eine Idee hat, wo und bei wem wir im Rheingau bis zu einem halben Hektar Rieslingwingert, GERNE Steillage, gerne alte Anlage, pachten können oder wenigstens in diesem Jahr Trauben kaufen können - bitte, bitte Meldung an uns!
Jedenfalls: Die Weine sind gefüllt, gehen jetzt zur AP-Prüfung und sind hoffentlich ab Anfang Juni im Verkauf.
Die Weinberge sind förmlich explodiert. Überall Grün und Gelb und Weiß, an den Stöcken, unter den Stöcken, in den Rebzeilen. Am Wochenende müssen wir mähen.
Und, wichtiger, wir haben gefüllt.
Vergangenen Samstag, mit viel Hilfe der netten Nachbarn, Kollegen und Freunde. Danke dafür.
Unser 2012er ist jetzt auf der Flasche. Wie angekündigt, trocken. Knalltrocken. Mit ordentlich Säure.
Here we go ....
2012 Riesling Kabinett trocken
"Kreuzweise"
Rüdesheimer Magdalenenkreuz
1,0 g Restzucker, ca. 7 g Säure, 11,5 %
In der Nase saftige Steinobstfrucht, weiße Blüten, Orangenschalen, leicht rauchige Mineralik.
Am Gaumen Aprikosen- und Mandarinenfrucht, feine Würze, leicht, aber nicht dünn, eine Art schwebende Eleganz, gute Länge mit mineralischem Abgang.
2012 Riesling Spätlese trocken
"Drei Kreuze"
Rüdesheimer Magdalenenkreuz
4,0 g Restzucker, ca. 8 g Säure, 12,0%
In der Nase rauchige, fast speckige Töne. Leicht salzig und nussig, kühle Steinobstfrucht.
Auf der Zunge fest und straff, steinige Mineralik, rosa Grapefruit, kühl, tiefgründig, mit viel Länge.
2012 Riesling Spätlese trocken
"Alte Reben"
Oberdiebacher Fürstenberg
0,5 g Restzucker, ca. 8 g Säure, 12,5 %
In der Nase Zitrus, Reineclaude und grüner Tabak. Zartsüßliche florale Noten, heller Mandelkrokant, tief und mineralisch.
Auf der Zunge frisch, wieder Zitrustöne, helles Steinobst, straff und fest gewirkt, animierende Säure, sehr tiefgründig und klar, kühle Schiefermineralik, bleibt lange, lange am Gaumen. Wucht, Druck, Kraft, das ist ein Langstreckenläufer.
Was ist sonst noch interessant?
Die Namensgebung verlief analog zum ersten Jahrgang - im Rheingau spielen wir mit den Lagennamen, am Mittelrhein heißt die trockene Spätlese "Alte Reben", die halbtrockene (die wir 2012 nicht gemacht haben) "Blauschiefer" und der Kabinett ... warten wir den Jahrgang 2013 ab.
Rüdesheimer Magdalenenkreuz also. "Bekommen" haben wir die wunderschöne Parzelle durch eine schlichte Annonce im lokalen Wochenkäsblatt, da stand der Name für einen Wein sofort fest: Drei Kreuze, dass das geklappt hat! ( Und wie als Bestätigung dröhnte am ersten Lesetag "Altes Fieber" von den Toten Hosen auf SWR3, als ich in den Wirtschaftsweg in den Wingert abbog .. "Drei Kreuze, dass wir immer noch hier sind .."). Soll wohl so sein.
Mit dem zweiten Namen haben wir uns schwerer getan, von "Kreuzlahm" über "Kreuzbrav" bis zu "Kreuzweise" war alles im Rennen. Bis zu dem Abend, an dem wir mit dem Pächter des Weinbergs telefonierten und er zerknirscht gestand, dass der Vertrag von Seiten des Besitzers nicht verlängert worden sei und wir daher nicht wie geplant auch 2013 ... KOCH! Und kreuzweise, ehrlich.
Ach so: Falls irgendeiner unserer geneigten Freunde, Leser, Kunden ... eine Idee hat, wo und bei wem wir im Rheingau bis zu einem halben Hektar Rieslingwingert, GERNE Steillage, gerne alte Anlage, pachten können oder wenigstens in diesem Jahr Trauben kaufen können - bitte, bitte Meldung an uns!
Jedenfalls: Die Weine sind gefüllt, gehen jetzt zur AP-Prüfung und sind hoffentlich ab Anfang Juni im Verkauf.
Freitag, 3. Mai 2013
Eine Art Familientreffen, ein Froschkönig und die üblichen Verdächtigen
Die Prowein ist sowas wie eine alljährliche Klassenfahrt. Morgens auf der Autobahn sieht man ab dem Schiersteiner Kreuz,spätestens aber hinterm Frankfurter Kreuz bekannte Autos, Kennzeichen, Gesichter. Bei den wenigen Unbekannten rät man - wer rast wohl am Sonntag in aller Herrgottsfrühe gen Nordwesten, Nummernschild aus irgendnem Weinanbaugebiet, Hemd und Krawatte, Sakko am Haken?
Sehr viel kleiner und vertrauter geht es in Mainz zu. Wenn die Prowein das Klassentreffen ist, dann ist die Weinbörse eine Art Familientreffen. Immer am letzten Aprilwochenende, immer gleichzeitig mit den Rheingauer Schlemmerwochen, fast immer bei schönem, oft warmen Wetter. Immer mehr oder weniger die gleichen Gesichter, vor und hinter den Ständen. Immer mit einem einzigartigen Überblick über das Who is Who der deutschen Topwinzer. Und immer zwei viel zu kurze Tage mit viel zu viel Programm und viel zu langen abgearbeitet zu werden wollenden Listen.
Über den (vorrangig) präsentierten Jahrgang 2012 ist schon viel geschrieben worden.
Unser Eindruck nach Prowein, Weinbörse und diversen Stippvisiten bei (noch) unbekannteren Winzern: Ein gutes Jahr. Keine Ausreißer nach unten, fast kein Wein, der uns so gar nicht gefiel. Ein Jahr mit guten Voraussetzungen für Winzer, die konsequent gearbeitet haben. Ein Jahrgang mit Säure. Und mit auffallend mehr Winzern, die sich trauen, die Weine nicht gefällig und nett auszubauen, sondern mit mehr Ecken und Kanten, und zwar quer durch alle Anbaugebiete. Den mancherorts proklamierten tiefen Graben, der den VDP in Sicherheitslangweiler und junge Wilde spaltet, haben wir so nicht gesehen. Dafür an vielen Ecken Mut zu Neuem, das vielleicht in Wirklichkeit das Alte ist, aber selten konsequent durch die komplette Kollektion. Zum Teil mag das auch schlicht dem Generationenwechsel in den Weingütern geschuldet sein.
Aber, ja, es bewegt sich was.
Unsere Eindrücke in Kürze - eine Momentaufnahme, wir haben bei weitem nicht alles geschafft.
Mosel.Clemens Busch mit einer hervorragenden Spätlese Marienburg, noch als Fassprobe, kandierte Früchte, ananasmarzipanig, großes Theater.
Weingut Milz-Laurentiushof - hatten wir bislang eher weniger auf dem Schirm. Riesling 180° trocken, mineralisch süffig, viel saftige Frucht und ein Zuckerschwänzchen. Gut, aber besser gefiel uns das (2011er) Große Gewächs aus dem Leiterchen. Tief, viel Schmelz und Würze, sehr dicht.
Mittelrhein. Lanius-Knab. Steeger St. Jost. Trockene, reife Frucht, zupackende Säure. Kernig. Gut.
Ab an die Nahe. Diel. Die Weine wirken allesamt sehr burgundisch, cremig und schmelzig, blind hätten wir vielleicht nicht alle Rieslinge als solche identifiziert.
Prinz Salm präsentierte einen Riesling "Grünschiefer" - etwas parfümiert wirkend, eher der leichtere Typ, und tatsächlich - Synästhetiker aufgehorcht! - "dunkelgrün" schmeckend.
Rheinhessen. Stefan Winters Weine hatten uns schon am Vortag auf der Ortsweinpräsentation gut gefallen . Hier: Geyersberg. Fest und straff, rauchige Mineralik, gute Säure. Schön.
Pfalz. Bürklin-Wolf. Ein Gutswein, den man wahrscheinlich blind erkennen würde. Trocken, kernig, animierend, ein guter Trinkwein. Visitenkarte mit Wiedererkennungswert.
Weingut Kranz mit einer Fassprobe "Vom Landschneckenkalk" - ein Ortswein. (Dazu demnächst mehr.) Sehr schlank, dabei saftig und frisch, kühle Mineralik. Das 2011er GG Kalmit mit viel Melonenfrucht und salziger Mineralik.
Theo Minges. Ein Wein, der Froschkönig heißt. "Old-school"-Freaks, aufgepasst! Fassprobe, Jahrgang 2011. 3000 Liter. Lange Maischestandzeit. Rein spontan vergoren. 16 Monate auf der Vollhefe sich selbst überlassen. Bestes Lesegut und Vertrauen des Winzers darin, dass der Wein "wie ein Pubertierender" seinen eigenen Weg findet. Reife Steinobst- und weiße-Beeren-Aromen. Ungemein tiefgründig und vielschichtig, noch ein bisschen unruhig, aber mit viel Druck. Chapeau.
Franken. Bickel-Stumpf. Frickenhauser Kapellenberg, Fränkischer Gemischter Satz trocken. Silvaner, Riesling, Traminer, Elbling, Gelber und Roter Muskateller sowie Heunisch. Irgendwas vergessen? Zart, süffig, charmant, ein unkomplizierter Sommerwein. Daneben der Silvaner trocken vom Frickenhausener Kapellenberg. Schöne, feste Frucht, Steinobst, viel tiefe Mineralik.
Rheingau. Eigentlich wollten wir uns das für die Schlemmerwochen aufheben, aber wenn man schon mal da ist ... Flick. Hochheimer Königin Victoriaberg. Riesling trocken. Ein mächtiger Wein, viel süßliche, dicke Frucht, Alkohol und Länge. Charmanter der Riesling aus dem Wickerer Nonnberg, tolle Nase, saftig und rund, opulent, aber nicht breit.
Graf von Kanitz. Riesling Lorch Quarzit. Rauchige Mineralik, verhaltene süßliche Frucht, knallige Säure. Stark!
F.B. Schönleber. Eine der Neuaufnahmen. Riesling Mittelheimer Edelmann. Sehr kernig, mal wieder viel, gute Säure, ausgesprochen unsüß, tiefe, würzige Mineralik.
Die üblichen Verdächtigen, quer durch alle Anbaugebiete - durchgängig groß. Nicht überraschend, aber erfreulich.
Ob der VDP sich mit der neuen Lagenklassifikation hingegen einen großen Gefallen getan hat, ob und wie das beim Verbraucher jenseits der Freak-Szene ankommt - viele offene Fragen. Demnächst in diesem Theater.
Sehr viel kleiner und vertrauter geht es in Mainz zu. Wenn die Prowein das Klassentreffen ist, dann ist die Weinbörse eine Art Familientreffen. Immer am letzten Aprilwochenende, immer gleichzeitig mit den Rheingauer Schlemmerwochen, fast immer bei schönem, oft warmen Wetter. Immer mehr oder weniger die gleichen Gesichter, vor und hinter den Ständen. Immer mit einem einzigartigen Überblick über das Who is Who der deutschen Topwinzer. Und immer zwei viel zu kurze Tage mit viel zu viel Programm und viel zu langen abgearbeitet zu werden wollenden Listen.
Über den (vorrangig) präsentierten Jahrgang 2012 ist schon viel geschrieben worden.
Unser Eindruck nach Prowein, Weinbörse und diversen Stippvisiten bei (noch) unbekannteren Winzern: Ein gutes Jahr. Keine Ausreißer nach unten, fast kein Wein, der uns so gar nicht gefiel. Ein Jahr mit guten Voraussetzungen für Winzer, die konsequent gearbeitet haben. Ein Jahrgang mit Säure. Und mit auffallend mehr Winzern, die sich trauen, die Weine nicht gefällig und nett auszubauen, sondern mit mehr Ecken und Kanten, und zwar quer durch alle Anbaugebiete. Den mancherorts proklamierten tiefen Graben, der den VDP in Sicherheitslangweiler und junge Wilde spaltet, haben wir so nicht gesehen. Dafür an vielen Ecken Mut zu Neuem, das vielleicht in Wirklichkeit das Alte ist, aber selten konsequent durch die komplette Kollektion. Zum Teil mag das auch schlicht dem Generationenwechsel in den Weingütern geschuldet sein.
Aber, ja, es bewegt sich was.
Unsere Eindrücke in Kürze - eine Momentaufnahme, wir haben bei weitem nicht alles geschafft.
Mosel.Clemens Busch mit einer hervorragenden Spätlese Marienburg, noch als Fassprobe, kandierte Früchte, ananasmarzipanig, großes Theater.
Weingut Milz-Laurentiushof - hatten wir bislang eher weniger auf dem Schirm. Riesling 180° trocken, mineralisch süffig, viel saftige Frucht und ein Zuckerschwänzchen. Gut, aber besser gefiel uns das (2011er) Große Gewächs aus dem Leiterchen. Tief, viel Schmelz und Würze, sehr dicht.
Mittelrhein. Lanius-Knab. Steeger St. Jost. Trockene, reife Frucht, zupackende Säure. Kernig. Gut.
Ab an die Nahe. Diel. Die Weine wirken allesamt sehr burgundisch, cremig und schmelzig, blind hätten wir vielleicht nicht alle Rieslinge als solche identifiziert.
Prinz Salm präsentierte einen Riesling "Grünschiefer" - etwas parfümiert wirkend, eher der leichtere Typ, und tatsächlich - Synästhetiker aufgehorcht! - "dunkelgrün" schmeckend.
Rheinhessen. Stefan Winters Weine hatten uns schon am Vortag auf der Ortsweinpräsentation gut gefallen . Hier: Geyersberg. Fest und straff, rauchige Mineralik, gute Säure. Schön.
Pfalz. Bürklin-Wolf. Ein Gutswein, den man wahrscheinlich blind erkennen würde. Trocken, kernig, animierend, ein guter Trinkwein. Visitenkarte mit Wiedererkennungswert.Weingut Kranz mit einer Fassprobe "Vom Landschneckenkalk" - ein Ortswein. (Dazu demnächst mehr.) Sehr schlank, dabei saftig und frisch, kühle Mineralik. Das 2011er GG Kalmit mit viel Melonenfrucht und salziger Mineralik.
Theo Minges. Ein Wein, der Froschkönig heißt. "Old-school"-Freaks, aufgepasst! Fassprobe, Jahrgang 2011. 3000 Liter. Lange Maischestandzeit. Rein spontan vergoren. 16 Monate auf der Vollhefe sich selbst überlassen. Bestes Lesegut und Vertrauen des Winzers darin, dass der Wein "wie ein Pubertierender" seinen eigenen Weg findet. Reife Steinobst- und weiße-Beeren-Aromen. Ungemein tiefgründig und vielschichtig, noch ein bisschen unruhig, aber mit viel Druck. Chapeau.
Franken. Bickel-Stumpf. Frickenhauser Kapellenberg, Fränkischer Gemischter Satz trocken. Silvaner, Riesling, Traminer, Elbling, Gelber und Roter Muskateller sowie Heunisch. Irgendwas vergessen? Zart, süffig, charmant, ein unkomplizierter Sommerwein. Daneben der Silvaner trocken vom Frickenhausener Kapellenberg. Schöne, feste Frucht, Steinobst, viel tiefe Mineralik.
Rheingau. Eigentlich wollten wir uns das für die Schlemmerwochen aufheben, aber wenn man schon mal da ist ... Flick. Hochheimer Königin Victoriaberg. Riesling trocken. Ein mächtiger Wein, viel süßliche, dicke Frucht, Alkohol und Länge. Charmanter der Riesling aus dem Wickerer Nonnberg, tolle Nase, saftig und rund, opulent, aber nicht breit.
Graf von Kanitz. Riesling Lorch Quarzit. Rauchige Mineralik, verhaltene süßliche Frucht, knallige Säure. Stark!
F.B. Schönleber. Eine der Neuaufnahmen. Riesling Mittelheimer Edelmann. Sehr kernig, mal wieder viel, gute Säure, ausgesprochen unsüß, tiefe, würzige Mineralik.
Die üblichen Verdächtigen, quer durch alle Anbaugebiete - durchgängig groß. Nicht überraschend, aber erfreulich.
Ob der VDP sich mit der neuen Lagenklassifikation hingegen einen großen Gefallen getan hat, ob und wie das beim Verbraucher jenseits der Freak-Szene ankommt - viele offene Fragen. Demnächst in diesem Theater.
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Samstag, 9. März 2013
Wintertime sadness - Springtime gladness
Es ist Anfang März. Vor-vor-vor-Saison für die Tagestouristen. In Rüdesheim spucken die Busse nur zwei, drei Wagenladungen pro Tag in die Rhein"promenade" und die Drosselgasse, für einen halbwegs ansehnlichen Sonntagsstau auf der B42 braucht es schon ein Wochenende mit Sonnengarantie.
Wer aber wirklich tiefgreifende Ruhe und Beschaulichkeit sucht, sollte die Rheinseite wechseln.
Da herrscht nämlich ... Ruhe. Tiefste Ruhe. Das ist mehr als ein Winterschlaf. Das ist Totenstille von Dezember bis April. Bacharach.
Geöffnet haben drei Andenkenläden, die Apotheke, ein Bäcker, der Verkauf eines renommierten Weingutes.
Sonst nichts.
Halt! Doch, da ist einer, der dem Totentanz trotzt. Heisecke. Der größte Baumarkt zwischen Bacharach und Bacharach-Steeg.
Heisecke hat alles. Jahreszeitlichen Dekoschrott. Alessi-Tischwaren. Windmühlenmesser. Schott-Weingläser. Victorinox-Taschenmesser. Felcoscheren. Schrauben, Nägel, Haken, Draht, gerne auch stückweise. Versandkartons und Fugensilikon. Pfeffermühlen Butterdosen Eierbecher Frühstücksbrettchen Senftöpfe Mausefallen Tapetenkleister Titrierlösung und Ersatzdichtungen für Schnellkochtöpfe. Speidel-Immervolltanks (auf Bestellung), Lesekisten, Filterschichten und Armaturen.
Von Dezember bis März ist dieser kongeniale Gemischtwarenladen das pulsierende Herz der Bacharacher Einkaufserlebniswelt. Mit einer ganz traditionellen Mittagspause, ohne Homepage, aber mit Telefonnummer und (!) E-Mail-Adresse. Seeehr analog.
Und es IST ein Erlebnis. Ich liebe diesen Laden, drei Stufen und eine altmodische Holztür, und ich bin zurück in der Kaufladenwelt meiner Kindheit.
Über der Kasse thront der Inhaber im Büro, ist er nicht da, hält seine Mutter die Stellung. Ganz Bacharach kauft hier ein. Man kennt sich mit Namen, auf Wunsch werden die Einkäufe bis zur Rückkehr aus "der Stadt" hinterlegt. Und vertrauenswürdige Personen können natürlich auch anschreiben.
Wunderbar nostalgisch, wunderbar neuzeitlich. Es gibt einen Grund, warum wir unser Werkzeug nicht im Baumarkt kaufen. Hier konnnte ich die 7er Felco Schere mit Rollgriff direkt ausprobieren - und sogar noch zum alten Preis kaufen.
Wir bleiben treu. Und hoffen auf die Sonne, damit man in Bacharach mehr unternehmen kann als Scheren und Bindedraht zu kaufen.
Wer aber wirklich tiefgreifende Ruhe und Beschaulichkeit sucht, sollte die Rheinseite wechseln.
Da herrscht nämlich ... Ruhe. Tiefste Ruhe. Das ist mehr als ein Winterschlaf. Das ist Totenstille von Dezember bis April. Bacharach.
Geöffnet haben drei Andenkenläden, die Apotheke, ein Bäcker, der Verkauf eines renommierten Weingutes.
Sonst nichts.
Halt! Doch, da ist einer, der dem Totentanz trotzt. Heisecke. Der größte Baumarkt zwischen Bacharach und Bacharach-Steeg.
Heisecke hat alles. Jahreszeitlichen Dekoschrott. Alessi-Tischwaren. Windmühlenmesser. Schott-Weingläser. Victorinox-Taschenmesser. Felcoscheren. Schrauben, Nägel, Haken, Draht, gerne auch stückweise. Versandkartons und Fugensilikon. Pfeffermühlen Butterdosen Eierbecher Frühstücksbrettchen Senftöpfe Mausefallen Tapetenkleister Titrierlösung und Ersatzdichtungen für Schnellkochtöpfe. Speidel-Immervolltanks (auf Bestellung), Lesekisten, Filterschichten und Armaturen.
Von Dezember bis März ist dieser kongeniale Gemischtwarenladen das pulsierende Herz der Bacharacher Einkaufserlebniswelt. Mit einer ganz traditionellen Mittagspause, ohne Homepage, aber mit Telefonnummer und (!) E-Mail-Adresse. Seeehr analog.
Und es IST ein Erlebnis. Ich liebe diesen Laden, drei Stufen und eine altmodische Holztür, und ich bin zurück in der Kaufladenwelt meiner Kindheit.
Über der Kasse thront der Inhaber im Büro, ist er nicht da, hält seine Mutter die Stellung. Ganz Bacharach kauft hier ein. Man kennt sich mit Namen, auf Wunsch werden die Einkäufe bis zur Rückkehr aus "der Stadt" hinterlegt. Und vertrauenswürdige Personen können natürlich auch anschreiben.
Wunderbar nostalgisch, wunderbar neuzeitlich. Es gibt einen Grund, warum wir unser Werkzeug nicht im Baumarkt kaufen. Hier konnnte ich die 7er Felco Schere mit Rollgriff direkt ausprobieren - und sogar noch zum alten Preis kaufen.
Wir bleiben treu. Und hoffen auf die Sonne, damit man in Bacharach mehr unternehmen kann als Scheren und Bindedraht zu kaufen.
Freitag, 30. November 2012
Weinrallye: Ein schönes Paar!
Hundertachtziggrad lädt zur Weinrallye, Thema: "Food Pairing". Ha! Da sind wir dabei! Da fällt uns doch soofort, also, welchen Wein, schon klar, den kompliziertesten aus der Kollektion, der am meisten Potential, und dazu kochen wir ...
So fängt das an. Manchmal lohnt es sich aber doch, Texte und Gebrauchtsanweisungen bis zum Ende zu lesen, und zwar nicht erst einen Tag vor Abgabeschluss, wenn man glaubt, die Geschichte völlig easy im Sack zu haben und nur noch schnell runterschreiben und schnell ein paar Bilder einbinden zu müssen. Aber dazu später mehr.
Also, Food Pairing. Wir haben da ja diesen Wein.
Blauschiefer. Riesling. Alte Reben, Schiefer, Steilhang. Etwas früher gelesen als der Alte Reben, etwas mehr Säure, weigerte sich, durchzugären und blieb im halbtrockenen Bereich stecken.
VKN?
"In der Nase intensive Mineralik, Schiefer, reifes Steinobst, Reineclauden, ein bisschen kräutrig, ganz dezent honigsüßliche Noten.
Backofen auf 80 Grad vorheizen. Entenbrüste auf der Fettseite rautenförmig einschneiden, die Brüste mit der Fettseite nach unten in eine kalte gusseiserne Pfanne legen, auf kleiner Flamme langsam ausbraten, bis die Fettseite schön braun ist. Wenden, Fleischseite Farbe nehmen lassen, abermals wenden, dann die Pfanne mit den Brüsten für 15-20 Minuten in den Ofen geben. Nach 15 Minuten Druckprobe machen.
Ist übrigens imho/ioho auch weihnachtsmenütauglich, mit einem kleinen Fischgang davor, davor einem Süppchen, einem Salat als Auftakt und einen schönen Dessert zum Schluss.
Und die ganzen anderen Fragen beantworten wir morgen. Vielleicht.
So fängt das an. Manchmal lohnt es sich aber doch, Texte und Gebrauchtsanweisungen bis zum Ende zu lesen, und zwar nicht erst einen Tag vor Abgabeschluss, wenn man glaubt, die Geschichte völlig easy im Sack zu haben und nur noch schnell runterschreiben und schnell ein paar Bilder einbinden zu müssen. Aber dazu später mehr.
Also, Food Pairing. Wir haben da ja diesen Wein.
Blauschiefer. Riesling. Alte Reben, Schiefer, Steilhang. Etwas früher gelesen als der Alte Reben, etwas mehr Säure, weigerte sich, durchzugären und blieb im halbtrockenen Bereich stecken.
VKN?
"In der Nase intensive Mineralik, Schiefer, reifes Steinobst, Reineclauden, ein bisschen kräutrig, ganz dezent honigsüßliche Noten.
Auf der Zunge saftig, fest, Pfirsich und Reineclaude, schönes
Süße-Säure-Spiel, tolle Länge, ein Wein, der jetzt schon mal ein
bisschen mit den Muskeln spielt und bestimmt eine tolle Entwicklung
durchlaufen wird, wenn er nicht vorher schon ausgetrunken ist."
Unser Liebling, und der Wein, der am meisten unterschätzt wird.
Also: Was kochen wir dazu?
Ich: So ein bisschen was Nussiges hat er ja auch.
Lars: Ja, und die Süße schmeckt man gar nicht so sehr.
Ich: Irgendwas Richtung Vorderer Orient.
Lars: Ja, aber mit Fleisch. Und mit Säure in der Sauce!
Ich: Ich hab da ne Idee. Superlecker, sieht aber panne aus. Naja, können wir dann ja auch gleich bei Ugly Food posten.
Die Idee: Faisinjan. Ente mit Walnuss-Granatapfelsauce. Göttlich. Geschmacklich. Dazu etwas Halbtrockenes mit Wucht und ohne Holz ... klinggt wie ein gutes Paar.
Faisinjan (oder Fesenjan) ist ein Rezept aus der von mir sehr geliebten persischen Küche. Die Ente wird zerlegt, in Butter angebraten und dann unter Zugabe von Wasser gar geköchelt. Parallel dazu bereitet man die Sauce zu, schwitzt Zwiebelwürfel an, gemahlene Walnüsse, löscht mit Brühe ab, köchelt ein, gibt Granatapfelsaft und Safran dazu, köchelt ein ... ein wunderbares, wärmendes, tröstlich-aromatisches Winteressen, das meilenweit von der breitdeftigen Winterbrumsküche unserer Heimat entfernt ist.
Für zwei nicht übermäßige Esser ist eine Ente eine Herausforderung, wir haben deshalb schöne fleischige Entenbrüste beim Geflügelhändler uV besorgt.
Und dann geht es ganz einfach so:
Faisanjin für zwei
2 Entenbrüste à 300g
1 rote Zwiebel
1 Esslöffel Butter oder Entenfett
75 g Walnusskerne, fein gemahlen
200 ml Geflügelfond
ca. 200 ml knalltrockener Riesling
Saft und ein zwei Esslöffel Kerne eines reifen Granatapfels
etwas Himbeeressig
1 Briefchen Safranfäden
Salz, Pfeffer, Zucker, evtl. Limettensaft
Backofen auf 80 Grad vorheizen. Entenbrüste auf der Fettseite rautenförmig einschneiden, die Brüste mit der Fettseite nach unten in eine kalte gusseiserne Pfanne legen, auf kleiner Flamme langsam ausbraten, bis die Fettseite schön braun ist. Wenden, Fleischseite Farbe nehmen lassen, abermals wenden, dann die Pfanne mit den Brüsten für 15-20 Minuten in den Ofen geben. Nach 15 Minuten Druckprobe machen.
In der Zwischenzeit die fein gewürfelte Zwiebel in fett glasig schwitzen, Nüsse dazu, ebenfalls anschwitzen, mit Fond ablöschen, einkochen lassen, Riesling dazu, einkochen lassen, Saft dazu, Safran in etwas heißer Sauce auflösen, zugeben, Salz, Pfeffer, einkochen lassen, abschmecken mit Himbeeressig und Zucker, evtl. noch etwas Limettensaft und so weiter ...
Die Sauce lässt sich gut im Voraus zubereiten! Zum Schluss die Granatäpfelkerne zugeben, ein paar für die Deko zurückbehalten.
Ente aus dem Ofen holen, in Scheiben schneiden, anrichten.
Ok. Das ist bei Ugly Food der Knackpunkt. Entenbrust, fein, aber diese Sauce, die wird auch durch ein paar Granatapfelkerne optisch nicht gerettet, da hilft auch der beigelegte Reis nicht.
Augen zu und durch: Es schmeckt hervorragend. Wirklich!
Das süßliche rosafarbene Entenbrustfleisch, die Röstaromen aus der knusprigen Fettseite, die erdige, nussige Komponente des Sauce mit dem dezenten Säurespitzchen steckt der Riesling locker weg, mehr noch, er unterstützt es und entfaltet seine ganze Wucht und strahlende Mineralität mit diesem herrlichen Gericht als Begleitung - Food-Wine-Pairing mal anders herum.
Ist übrigens imho/ioho auch weihnachtsmenütauglich, mit einem kleinen Fischgang davor, davor einem Süppchen, einem Salat als Auftakt und einen schönen Dessert zum Schluss.
Und die ganzen anderen Fragen beantworten wir morgen. Vielleicht.
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