Sonntag, 12. Februar 2017

12 von 12 - Februar 2017

Schon lange verfolge ich die #12von12-Blogaktion mit großem Spaß, und schon lange ärgere ich mich an jeme 12. eines Monats, dass ich es wieder mal versemmelt habe, mitzumachen.

Aber jetzt.

Heute haben wir etwas länger geschlafen - gestern mussten wir trotz des Wochenendes SEHR früh aus den Federn. Der Jaguar ist endlich vom Hof und der Käufer, ein wirklich netter und seriöser Typ aus Holland, hatte sich für 8 Uhr angesagt. Es lag Schnee, ich rechnete eigentlich damit, dass er sich verspätete, aber um viertel vor klingelte das Telefon, er sei jetzt da ... in der falschen Hauptstraße im falschen Stadtteil, das kennen wir ja, und so fuhr er erst um 7.55 Uhr vor. Gut, dass das Kapitel jetzt auch abgeschlossen ist, diese private Verkaufsaktion habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gesehen. Da kamen seltsame Anrufe seltsamer Menschen nach Mitternacht, die einem erst ein absurdes Angebot machten und einen dann beschimpften ... nun gut.

Heute also der erste Kaffee um kurz nach 9. Erwähnte ich, dass wir seit kurzem einen Vollautomaten haben? Und dass der großartigen Kaffee macht? Und dass ich ihn liebe (wenn nicht gerade das Wasserfach leer ist, das Tresterfach entleert werden will, keine Bohnen mehr drin sind ..) .. Also, Kaffee für alle. Vor allem für mich.



Während die Maschine aufheizt, spült und sonderbar gurgelt, steckt der Kater seine Nase zur Küchentür herein. Menschen sind wach, jetzt wollen Katzen bedient werden. Eilig (und breithüftschwenkend) läuft er ins Badezimmer, mit einem Satz sitzt er in der Wanne und hypnotisiert den Hahn. Ja, da kann Wasser rauskommen. Ich bin ihm gefolgt, öffne den Hahn ein winziges bisschen und widme mich dann wieder meinem Kaffee.


Sonntag ist Backtag, ich habe gestern abend einen Roggenteig mit selbst gezogenem Sauerteig angesetzt. Jetzt ist er ordentlich gegangen und wird mit eingeweichten Roggenkörnern und Roggenschrot verknetet.


Ich probiere das Rezept zum ersten Mal aus und misstraue den Angaben, eigentlich hätte ich jetzt noch mal 1/2 Liter warmes Wasser zugeben sollen, aber ich finde die Masse bei weitem flüssig genug. Ich vertraue auf mein Bauchgefühl und verteile den Teig in die Backformen - bis heute nachmittag soll er noch einmal gehen.

Wir packen den Weinbergskorb - Scheren, Schleifstein, Nägel für die Stickel, Hammer, Kabelbinder, Säge, Gläser, Bier und Croissants und fahren auf die andere Seite.
Die Stiefel habe ich immer im Auto, die passenden Socken auch.
Wenigstens scheint die Sonne.




Kurz nach eins machen wir eine (Mittags)Pause. Meine Schere muss nachgezogen werden, ich habe gefühlt einen halbe Tonne Dornen abgeschnitten oder ausgerissen und aus den Zeilen geschleppt.
Wir teilen uns ein Bier, für den Mann gibt es Buttercroissant vom Bäcker, für mich selbstgebackenes Brot mit Käse.



Es riecht nach Frühling, die Vögel singen, ein Bussard kreist hoch oben über dem Fürstenberg. Wir schneiden konzentriert, es hat etwas Meditatives, schnippeln die gekappten Gerten klein, entfernen die alten Ranken aus den Drähten - zum Teil. So sehr ich im vergangenen Jahr über die Hubschrauberspritzrechnung geflucht habe, wir haben so unsere Reben gerettet, auch wenn wir nichts ernten konnten. Das Holz ist ausgereift und überwiegend in wirklich gutem Zustand.



Als die Sonne hinter dem Fürstenberg verschwindet, packen wir zusammen und fahren nach Hause. Vielmehr: nach Hattenheim. Von diesem Wochenende an ist der Weinprobierstand dort am Rhein wieder geöffnet, wenn das Wetter stimmt. Wir verpassen ein  paar Freunde nur knapp und fangen furchtbar an zu frieren, als wir mit unserem Piffchen 2016er Riesling dort stehen. Schlotternd leeren wir die Gläser und laufen zurück zum Auto. Nichts wie heim.



Als wir die Wohnungstür aufschließen, ist der Kater sichtlich erfreut, uns zu sehen. Er hat bis eben auf "seinem" Sofa im Arbeitszimmer geschlafen und ist jetzt startklar für die erste Abendpatrouille durchs Dorf. Weil wir gerade kommen, können wir ihm die Haustür und damit den "vornehmen" Ausgang öffnen, ansonsten müsste er sich unter dem Hoftor durchquetschen, also den Hinterausgang nehmen. Das geht dank einer gewissen Breithüftigkeit gerade noch eben so, am Rücken sieht man aber schon, dass das Fell an den Kontaktstellen zum Tor ein wenig schütter wird.

Die Brote sind großartig aufgegangen, fallen aber zusammen, als die Haushaltsfolie abziehe. Entgegen meines größer werdenden Misstrauens stelle ich die Formen in den kalten Ofen und drehe den Temperaturregler auf 175 Grad. Das Rezept sieht 2 3/4 Stunden vor. Das passt doch im ganzen Leben nicht.
Zum Abendessen soll es Lauchquiche geben. Sonntags backen wir häufig Quiche, ein simples, halbwegs schnelles, dankbares Essen. Gemüsereste (heute: Pilze) und andere "Muss-wegs" (heute Kochschinken und sehr reifer Blauschimmelkäse) lassen sich wunderbar darin verwursten, der Teig ist schnell gemacht, die Füllung eh, man kann das Rezept vegetarisieren oder veganisieren und es bleiben immer ein paar Stücke übrig, die ich tags darauf als Mittagessen mit ins Büro nehmen kann und die auch noch zwei Tage später schmecken.



Während die Brote backen, müssen wir noch mal kurz in den Keller. Drei Weine brauchen etwas mehr Schwefel, die noch gärenden Weine müssen kontrolliert werden, ich hole eine Flasche Blauschiefer für das Abendessen.




Ich hole die Brote aus dem Ofen. Sie sehen ok aus, aber nicht umwerfend. Die Quiche kommt in den Ofen, der Mann deckt den Tisch. Ich erinnere mich, dass wir eigentlich zwei Katzen haben und öffne auf der Suche nach Tita die Wohnungstür. Sehe keine Tita, dafür den Panther, zurück von der Patrouille in seinem Korb. Ich lasse die Tür angelehnt und er nutzt die Gelegenheit, um zurück auf sein Sofa zu eilen.



Ich packe den unbearbeiteten Stapel Rechnungen neben den Rechner - die müssen jetzt bezahlt werden, das geht beim Tatort nebenbei. Ich mache mir eine Notiz, dass wir morgen dringend unserem Kapsellieferanten die Vorlage für bedruckte Kapseln schicken müssen, sonst wird das dieses Jahr nichts mehr. Ich fange an, einen Laufzettel für die kommende Woche zu schreiben. Feierabend.



Mehr #12von12 gibt es wie immer bei Caro auf Draußen nur Kännchen.

Freitag, 30. September 2016

Weinrallye #102 : September

http://kaquushausmannskost.blogspot.de/2016/09/die-weinralle-nr-102-september.html?m=0
  

September. Die meisten Felder sind abgeerntet, dörren in der herbstmilden Sonne vor sich hin. Das Unkraut in den Weinbergen hat aufgehört, wie wahnsinnig zu wachsen. Was an Trauben hängt, reift langsam, aber stetig. Die Tage werden kürzer, die Nächte frischer. Ein eigentlich herrlicher, reifer, in diesem Jahr ungewöhnlich warmer und sonnendurchfluteter Monat geht zu Ende.

https://www.instagram.com/p/BKm4wqQgFoY/?taken-by=christin_jordan

Ein trauriger Monat. Fast auf den Tag zwei Jahre nach der niederschmetternden Diagnose ist unsere liebste Freundin gestorben. Sie hinterlässt eine riesige Lücke  in unseren Herzen, in unserem Freundeskreis, aber auch die Erinnerung an viele wunderbare Erlebnisse, die wir mit ihr teilen durften. Von der skurrilsten Weinprobe bis zur Tatsache, dass Didis kleine Freundin Tita ohne Susa nie bei uns eingezogen wäre.
Und sie hat uns ihre Geschichten hinterlassen, nicht nur, aber auch, ihre Weingeschichten. Darum lassen wir sie noch einmal erzählen - eine Geschichte, die sie genau heute vor zehn Jahren mit uns geteilt hat.


Wein des Tages, 30.09.2006

Wem es nicht zu lästig ist, sich mal durch ein englisch sprachiges Buch zu lesen, und wer sich näher mit dem Thema Bordeaux "How it all began ......"  befassen will, dem sei das Buch "Noble Rot\" von William Echikson empfohlen. Dem ist u.a. zu entnehmen, dass es wohl ein Gut namens Ho-Bryan gäbe, was sozusagen der Urvater des modernen Bordeaux sei.

Nun dieses Gut, Haut-Brion, ist in der Tat etwas ganz Besonderes. Da ist zunächst seine Lage, in dem eher fragwürdigen Vorort Bordeaux' namens Pessac zwischen Supermärkten und ein wenig Kleingewerbe gelegen, von einer festen Mauer umgeben, hinter der alles anders ist. Es ist wie beim Eintreten in einen Zauberwald. Eben noch donnerten Lastwagen durch die kleine Straße, an der Tankstelle gibt es Feuerholz zum halben Preis, Straßenbauarbeiter rufen sich schwer verständliche Flüche zu,... (in diesem Jahr scheint man das internationale Jahr der Straßenbaustelle ausgerufen zu haben; es gibt – vor allem in Frankreich – wirklich keine Straße, an der nicht irgendwo gebaut wird. An dieser Stelle sei vor durch Durchfahrt der D2 hinter Bordeaux bei Eysines schwer gewarnt!).

Und dann durchfährt man das imposante Tor zu Haut-Brion, dahinter Weinfelder, der Boden von hellen Kieseln durchzogen, Rosenstöcke (die Frühwarnsysteme für drohenden Mehltau) an den Rändern, Kellergebäude, Haupthaus, aus den Fenstern dringt schon der verführerische Duft von Fassholz und Wein, den der Maniac auf 500 m gegen den Wind riecht. Und das Schönste – es herrscht eine majestätische Ruhe. Alles zeigt, dass hier jedes Ding die Zeit bekommt, die es braucht.

Einen Haut Brion zu trinken, ist immer ein besonderes Erlebnis; er zählt zu den sog. Premier Crus, den ersten Gewächsen (so 1855 anlässlich der Pariser Weltausstellung .... Naopleon III .... treue Wdt-Leser und Weinfreunde kennen die Geschichte ja).

Ja und eines Abends begab es sich, dass Herr und Frau susa in einem sehr feinen kleinen Restaurant saßen und auf der Karte eine 1979er Haut-Brion zu einem wirklich fairen Preis angeboten wurde. Ja, das wurde nicht lange überlegt .............

1979 Haut-Brion
Pessac-Léognan, Bordeaux


.... immerhin der erste Haut-Brion unseres Lebens, auch wenn uns bewußt war, dass der 79er sicher nicht zu den absolut legendären Jahrhundererzeugnissen des Gutes gehören würde. Die Frage nach dem Dekantieren ja oder nein überließen wir dem fachkundigen Sommelier, der den Wein, kräftig rot, leicht braune Reflexe am Rand, in eine Karaffe gab, diese aber mit einem Stöpsel verschloss. Wir konnten kaum erwarten, bis der erste Schluck im Glas war (davor musste die Vorspeise mit einem Weissburgunder von Heger "erledigt"  werden). Der Wein roch verführerisch gut, sehr würzig, ein wenig nach Waldboden nach einem warmem Sommerregen, ganz leichte Fruchttöne. Im Mund war der Wein recht schlank, aber durchaus elegant, noch leichte Beerennoten und würzige (Zimt, Pfeffer) Aromen am Gaumen, etwas Bitterschokolade, recht kräftige Säure. Wir bekamen eine erste Ahnung, was ein richtig großer Haut-Brion sein würde, wir waren es durchaus zufrieden und beäugten kritisch, dass der Sommelier beim Nachschenken niemanden von uns beiden bevorzugte.

Später habe ich mal von einer Haut-Brion Vertikale auf dem Château gelesen, bei der man den 79er zum Käse gereicht hat. Leider war die Käseauswahl nicht angegeben, aber zu einem aromatischen Hartkäse könnte ich ihn mir sehr gut vorstellen. Wir hatten ihn zu einem Lammbraten im Heu.

Und demnächst steht der 85er Haut-Brion zur Verkostung an; das wird dann ein wirklich großes Ereignis.

Prost!

best
susa 


Zurück in die Gegenwart. Lars aka der Hospitant meldet sich zu Wort:
Verkostungsnotizen von Susa haben wir immer mit Vergnügen gelesen. Nicht nur, weil sie ohne völlig unverständliches Möchtegerngetue daher kamen, sondern ganz einfach, weil sie unter Verwendung alltäglicher Begriffe sehr, sehr präzise waren. Und das vom simplen Rosé bis zum Premier Grand Cru Classé. So auch die oben zitierte VKN des 1979er Haut Brion. 
Ich hatte die Gelegenheit, diesen Wein zu trinken - aber wohlbemerkt ca. zehn  Jahre vor Susa - und kann vom Sofa aus allem zustimmen bis auf das mit der recht kräftigen Säure. Vielleicht wurde die Säure zu meiner Trinkzeit von der seinerzeit noch reichlich vorhandenen Frucht kaschiert?

Ma chère, Danke. 
Nicht nur dafür.  
Wir sehen uns.



*****************************************************************************************************************Die Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und allein der Spass und die Motivation schöne Themen aufzuarbeiten. In diesem Monat ist Wolfgang von Kaquushausmannskost Gastgeber, eine Übersicht und Zusammenfassung gibt es auf der Facebookseite der Weinrallye. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Wolfgang und natürlich an Peter Züllig.

Freitag, 29. Juli 2016

Weinrallye #100: Eine nicht ganz kurze Geschichte über einen sehr alten Wein

http://winzerblog.de/weinrallye-100-4524/


Mensch, Weinrallye, Du hast Dich echt gut gehalten. Die 100 sieht man Dir gar nicht an – naja, fast gar nicht. Ab und zu bist Du mal ein bisschen müde, die Jahre haben die eine oder andere Zornes- oder Sorgenfalte hinterlassen, aber unterm Strich ist das Glas immer noch halb voll – nicht wahr?


Deutlich mehr als halb voll ist die Flasche, die wir heute virtuell für Dich aufziehen, und sie hat bedeutend mehr Jahre als Du auf dem Buckel – nämlich 402. Richtig gelesen, eine Flasche aus dem Jahr 1614 (oder 1604. Oder so ähnlich. Mehr dazu später.).


Die Geschichte handelt also von einem richtig, richtig alten Wein. Und vom Handel. Und von Verbindungen. Von Dänemark und Deutschland, von Kopenhagen und Bacharach. Von Deutschen und Dänen, damals wie heute, von tollen Weinproben, von schönen Orten des Weingenusses, am Rande auch von Winzerinnen. Und von vielem mehr, was die Weinrallye ausmacht hat, von kurzen oder längeren Etappen.


Der Wein: Riesling, der Überlieferung nach vom Mittelrhein, wahrscheinlich aus dem Fürstenberg. Eine Flasche aus dem Keller des königlich-dänischen Schlosses Rosenborg in Kopenhagen. Kurzum: Der Rosenborg-Wein, dänisch Rosenborgvinen.


Das dänische Königshaus deckte sich Ende des 16. Jahrhunderts mit Weinen aus Mitteleuropa ein, vor allem Rheinwein stand hoch im Kurs. König Christian IV., war ein trinkfester und feierfreudiger Monarch, zu seiner Krönung 1596 bekamen die ausländischen adligen Gäste Rheinwein kredenzt, während ihr Gefolge sich mit Wein aus Frankreich zufrieden geben musste. Christian IV. begründete auch die Tradition, zu seiner Neujahrstafel – einem großen Fest, zu dem Honoratioren eingeladen wurden – Rheinwein auszuschenken.


Im Jahr 1604 stand der König vor einem Problem, das wir alle kennen: Der Weinkeller war so gut wie leer. Grund: Der eine oder andere Krieg hatte viel Geld gekostet, wenn was übrig war, wurden damit Festungsbauten finanziert, getrunken wurde weiter fröhlich, aber  mangels ausreichender Mittel dummerweise nichts nachgekauft.


Und so schickte er seinen Schatzmeister Jörgen Busch und den Hofmundschenk Matthias Hansen auf Einkaufstour – mit dem Schiff nach Lübeck und dann auf dem Landweg Richtung Rhein. Am 13. Oktober 1604 stach die Flotte in See, Mitte November kamen die königlichen Gesandten in Mainz an. Nach vielen Verkostungen und Verhandlungen erstanden sie 49 Stückfässer Wein, die im Frühjahr rheinabwärts und dann auf dem Seeweg nach Dänemark gebracht werden sollten.

Der König war über die Nachricht hoch erfreut und orderte Nachschlag, der, Achtung, die übliche Quellendiskussion, wohl aus Bacharach kam. Jedenfalls wurden die Fässer nordwärts geschippert und landeten im Keller von Schloss Nyborg auf Falster.


Auch in den Folgejahren orderten die Dänen Rheinwein. Durch diverse Kriegswirren gelangten Rieslingfässer von Schloss Nyborg in den Keller von Schloss Rosenborg (das Christian der IV. erbauen ließ)  in Kopenhagen auf Seeland, wo sie die nächsten Jahrhunderte lagerten. Nach und nach begann man, die Fässer nicht mehr auszutauschen, sondern nur noch nachzufüllen – das Solera-Prinzip auf dänisch. 

Und immer noch wurde zur königlichen Neujahrstafel - der nytårstaffel - Wein Rosenborg-Wein – Riesling vom Mittelrhein – serviert und getrunken. Nicht genossen, wohlgemerkt, zu jedem Gläschen des uralten Legendenweins wurde ein Schälchen Zucker serviert – anders ließ sich das Zeug wohl nicht runterwürgen.

Und das, obwohl die Fässer über die all die Zeit sorgsam gepflegt worden waren. Anfang der 1980er Jahre zog der königliche Kellermeister die Reißleine und ließ das letzte verbliebene Rosenborgfass filtrieren und auf Flaschen ziehen.
 

Und genau so eine Flasche mit zumindest einem kleinen Anteil „des“ Jahrhunderte alten Weines wechselte 1988 den Besitzer, als die Bürgermeisterin von Bacharach eigens nach Kopenhagen reiste, um dem Königshaus ein Fass Riesling aus dem Oberdiebacher Fürstenberg zu überreichen. Im Gegenzug schenkte der dänische Prinzgemahl ihr ein Exemplar des legendären Rosenborgweins. Auf der Flasche ist vermerkt, wer alles an der festlichen Übergabe im königlichen Weinkeller teilgenommen hat und wie der Wein vor mehr als 400 Jahren in den Besitz der dänischen Krone kam.

Warum ich Euch diese Geschichte erzähle? Nun, der Großteil unserer eigenen Flächen liegt  im vermeintlichen Rosenborgweinberg, dem Oberdiebacher Fürstenberg Und: Wir hatte die legendäre Flasche neulich selbst in der Hand – und dürfen sie wohl demnächst mit verkosten. Der geschichts- und geschichtenbegeisterte Winzer Rolf Heidrich aus Bacharach hat die Flasche nämlich der „Weinzunft Bacchus Zechgesellschaft anno 1328 zu Bacharach und Steeg“ geschenkt, in der Lars und ich Mitglieder sind – Anlass war die Johannisweinprobe Ende Juni unter dem Motto „Weine aus dem Fürstenberg“.


Eine Geschichte über deutschen Rheinwein, den es nach Dänemark verschlug und mit dem in Dänemark eine Tradition mitbegründete, ein hunderte Jahre altes Holzfass, dessen Inhalt als “Rosenborgvin” legendären Ruf genießt. Ein Däne, den es an den Mittelrhein verschlagen hat, der dort im Fürstenberg Riesling anbaut, der Säckelmeister eben jener Weinzunft ist, ein deutsch-dänisches Miniweingut, das seine Rieslinge auch nach Dänemark verkauft - so schließt sich der Kreis.

Ich bin gespannt, was uns bei der Probe erwartet, mache mir allerdings wenig Hoffnungen. Für alle Fälle werden wir darum ein paar Flaschen Fürstenberg aus jüngeren Jahrgängen  kalt legen.


Zwei davon haben uns bei der Johannisweinprobe besonders gut gefallen - und man kann sie, im Gegensatz zum Rosenborg-Wein, auch noch kaufen.


2009
Oberdiebacher Fürstenberg
Riesling Spätlese Alte Reben trocken
Weingut Dr. Kauer, Bacharach
Ein immer noch frisch wirkender Wein, reife Fruchtaromen, kräutrig, mit gut eingebundener Säure. Ein toller Essensbegleiter, der gut zum Rieslingbraten vom Wildschwein passte.


Ganz anders der Wein von Cecilia Jost - ein fruchtsüßer
2015
Riesling
Schlossberg, Oberdiebach
Weingut Toni Jost, Bacharach
(Der Schlossberg ist ein Teil des Oberdiebacher Fürstenbergs, die Parzellen direkt unterhalb der Ruine.)
Süß und ungemein saftig, reife, opulente Frucht, dabei aber nicht knatschsüß, sondern im allerbesten Sinne fruchtig. Bei der Johannisweinprobe hat er das Dessert begleitet, ich kann ihn mir aber auch als Wochenabschlussschluck am Freitagabend auf dem Sofa gut vorstellen.


In diesem Sinne:
Auf Dich, Weinrallye, auf die nächsten 100. Und vor allem auf Deine Mütter und Väter und alle Wegbegleiter. Alles Gute zum Geburtstag! Prost! Skål! Tillykke med fødselsdagen!


Disclaimer: Dieser Blogbeitrag erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit und belegbare Wahrheit. Wie immer bei solch wunderbaren und wundersamen Geschichten lässt sich nicht wirklich zweifelsfrei nachvollziehen, aus welchem Jahr genau welches Fass stammt und welcher Wein wohl wann wo eingekauft wurde. Auch die wenigen Berichte (falls Ihr googeln wollt) widersprechen sich hier und da, was wie immer auch daran liegt, dass die Autoren voneinander abschreiben und das eine oder andere Detail bei der Übersetzung vom Dänischen ins Deutsche (und vice versa) auf der Strecke bleibt.

Dienstag, 5. Juli 2016

FÅK

Dieses Jahr ist, mit Verlaub, ein echtes Scheißjahr. Politisch sowieso, gesellschaftlich gesehen, privat und jetzt auch noch im Nebenberuf. Ganz ehrlich, 2016, es reicht. Echt jetzt.

Mehr zu einem Aspekt hier.

Samstag, 2. Juli 2016

Wenn das Sommers Wolken ziehen ...

.. darunter konnte ich mir früher nicht viel vorstellen. Ich habe das Lied in der Grundschule gelernt - von einem Lehrer, der offensichtlich jugendbewegte Wurzeln hatte. Viele "seiner" Lieder habe ich später in meiner kurzen besuchsbündischen Zeit wieder getroffen.

Seitdem ich, seitdem wir im Sommer alljährlich nach Dänemark fahren, nach  Nordsjælland, genauer gesagt, haben die Sommerwolken Gestalt angenommen. Der herrliche nordische tiefblaue Sommerhimmel, die Weite, die Wolken ... mein Sommerzuhause.

Wir sind in diesem Sommer öfter als geplant im Norden, leider. Das Gefühl, dass alles falsch ist, hat sich verzogen Es ist wie es ist.





Nach zwei Wochen sind wir gerade wieder zurück gekommen. Haben dort kubikmeterweise Papiere durchgeblättert, entschieden, aufgehoben, entsorgt. Kleidung, persönliche Habseligkeiten, Kleinkram. Haben ein paar Tränen zerdrückt und auf dem wunderschönen Friedhof in Asminderød Photos und schlechte Witze darüber gemacht, dass der neue Grabsten noch nicht da liegt - "nach Diktat verreist". Das hätte ihr gefallen.




Wir haben ein herrliches Wochenende mit den alten Schulfreunden des Dänen verbracht, grandios gekocht, tolle Weine getrunken und als krönenden Abschluss ein geniales Dessert gegessen.





Salzkaramelleis, Holunderblüten-Mascarpone-Crème, marinierte Erdbeeren, Waldbeereneis, Macaronrasp. Inspiriert durch eine Dessertidee unserer Freundinnen von hundertachziggrad,  erweitert um das geniale Salzkaramelleis von schönertagnoch.



Dazu unsere 2011er Auslese aus dem Fürstenberg und eine 2006er BA von Lars. YESS!

Montag, 30. Mai 2016

Gefangen in einer Zeitblase

Erst kam Weihnachten, und damit verbunden, wie jedes Jahr, die Fahrt nach Dänemark. Zur Familie. Zur Familie von Lars, zur Mutter von Lars. Mittlerweile auch zu meiner Familie, irgendwie. Mit seinem Bruder und ein, zwei "Kindern" dabei.
Dann mussten wir unsere Weinberge schneiden, mehr Arbeit als früher, weil wir Parzellen dazu gekauft und gepachtet haben.
Dann gab es viel Arbeit im Büro, wenige freie Tage, keinen klaren Kopf für Postings in diesem Blog.
Dann fuhrem wir wieder nach Dänemark, Anfang April, weil wir es versprochen hatten.
Dann mussten die Reben gebogen und gebunden werden, Pheromone gehängt, es reichte noch nicht mal für die Teilnahme an einer Weinrallye, der Kopf  so voll, der Akku so leer.
Dann wollte Lars alleine nach Dänemark fahren, zu Besuch.
Und dann sind wir beide gefahren, ungeplant, überstürzt, das Herz schwer und die Gedanken weit, weit weg.

Und dann waren wir eine Woche lang wie in einer Zeitblase gefangen.
Saßen bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse des Hauses nördlich von Kopenhagen, und es fühlte sich alles so verkehrt an.
Blätterten Ordner durch mit Rechnungen, Dokumenten, Bestätigungen.
Entdeckten vergessene Photoalben.
Telefonierten und arrangierten und holten den von der anderen Seite der Welt angereisten Bruder vom Flughafen ab, froh, nicht mehr ganz so allein zu sein.
Bestellten Blumen und Erdbeerkuchen, besuchten den Anwalt.
Fuhren ans Meer, dachten an die letzten Spaziergänge. Tränen in den Augen, immer wieder. Aber auch Freude über die vergangene Zeit, Dankbarkeit, ein Schimmer vom gelebten und erlebten Glück.

Sprachen mit dem Pfarrer, einem jungen Typen in Jeans und T-Shirt, mit fröhlichen Augen und warmer Stimme, der uns mit einfachen Fragen eine kleine Geschichte eines langen Lebens entlockte. Suchten Lieder aus, hoffnungsvolle, in denen von Sonne und Meer, vom Morgen und vom Licht gesungen wurde.
Freuten uns, dass die Kinder kamen, dass die Familie noch einmal zusammen war.
Deckten dem Tisch, brachen auf, trafen alte Freunde, schritten zusammen an der hellen Kirche vorbei über den  Friedhof, zwischen prächtigen Grabstätten, blühenden Bäumen und akkurat geschnittenen Buchsbaumhecken hin zum Feld mit den schlichten Urnengräbern und der grauen Steinplatte, auf der jetzt erst ein Name stand. Hörten die Orgel oben in der Kirche anstimmen.
Bare få det hele overstået.


Trugen den schlichten weißen Sarg mit dem rot-weiß leuchtenden, duftenden Blumengesteck aus der Kirche, hintendrauf drei kleine Schaufeln Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Saßen auf der Terrasse, Erdbeerkuchen und Kaffee, Riesling, die Amseln jubilierten. Ein strahlender, sonniger, dänischer Sommertag, den sie geliebt hätte.

Jetzt ist alles anders, aber es wird irgendwann wieder gut. Irgendwie.


Mittwoch, 2. Dezember 2015

Zusammenfassung: Weinrallye#92 - Farbe bekennen!


So langsam sind alle im Ziel eingetrudelt – Zeit für die Zusammenfassung!

Den Anfang machte Barbara aka Ronja (oder Cantate) mit der Vorstellung eines tollen Zeichners und Malers – dem Rheingauer Michael Apitz. Wenn Ihr je die Gelegenheit habt, ihn mal live zu erleben – es lohnt sich! 

Gerald kam mit einem sehr speziellen, sehr technischen Beitrag aus dem Weinforum zur Weinrallye. Ich gestehe, mich noch nie mit der Funktionsweise eines Spektralphotometers beschäftigt zu haben, geschweige denn mit einer DIY-Idee dazu – der Bastler im dänischen Winzer war direkt angefixt. Das Ding, das den Zuckergehalt durch die geschlossene Flasche hindurch misst, finde ich aber fast noch spannender ;-).

Anja von den Weingeschichten erzählte eine Geschichte in bleu-blanc-rouge, bei der ich Gänsehaut bekam. Traurig, nachdenklich, aber nicht verzweifelt.

Sammlerfreak Peter gab ein klares Bekenntnis für die Farbe rot ab – eine kurze Geschichte seiner Zeit, auf den Punkt gebracht, so, wie wir ihn kennen.

Unseren Beitrag lest Ihr hier

Schnutentunker Felix wagte sich an ein Reizthema – was taugt Minimalschnitt aka Naturwuchs, was hat das mit Bio zu tun, wo fängt Greenwashing an, wo beginnt Verblödung? Die nachfolgende Diskussion auf Facebook ist auch lesenswert! 

Ein leidenschaftliches Plädoyerfür den Schwarzriesling kam von Chloe vom Blog „Weine vor Freude“. Übrigens eine neue Teilnehmerin der Weinrallye – herzlich Willkommen!

Juliane von Einfach Wein schrieb einen Appell, den Genuss und die Genusskultur über technische Details zu stellen. Unterschreib!

Martin vom Blog Freundliche Flüssigkeiten - auch er wollte eigentlich nicht politisch posten, aber erstens kommt es … Auslöser war eine fb-Diskussion, die an mir vorbei gegangen ist, aber offenbar nicht in allen betroffenen Gruppen mit dem nötigen Rückgrat behandelt wurde.

Ebenfalls erstmals dabei: Eva Rapps vom Weingut Hans Lang. Ein nachdenklicher Blogeintrag darüber, warum, für wen, mit welchen Erwartungen, wie authentisch – mit einem schönen Kommentar von Peter.

Cordula wurde zunächst von einem leeren Akku ausgebremst – meldete sich aber dann (selbst) kritisch mit Anmerkungen zu Rebenaposteln und Eunuchen – und endete mit dem Aufruf zu einer tollen Veranstaltung der Geisenheimer Weinstudierenden.  

Zum guten Schluss kam Ute - sie war bei den Jungs von Enderle&Moll und stellte uns zwei ihrer Weine vor. Wer die beiden noch nicht kennt - unbedingt probierenswert!

Das war’s! Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen – herzlichen Dank an alle, die diese Etappe der Weinrallye mit wunderbar unterschiedlichen Beiträgen möglich gemacht haben.

Bis zum nächsten Mal – Thomas Günther von den Weinverkostungen ist der Gastgeber für die Dezemberrallye. 

Freitag, 27. November 2015

Weinrallye #92: Farbe bekennen!


Sorry, dies ist die Weinrallye, hier sollte es in erster Linie um Spaß und Genuss gehen, um Leichtigkeit des Seins und Unernsthaftigkeit. Mir hat es, so selten, wie ich, wie wir bloggen, nur leider derzeit den Appetit dafür verschlagen.

Als ich, als wir die Einladung zur Weinrallye 11/15 ausgesprochen haben, erschien uns das sehr entspannt. Als Peter mich daran erinnerte, dass wir die Gastgeber sind, war ich auch noch halbwegs entspannt. Halbwegs, weil inzwischen so viel passiert war. Tatsachen, die unserer Regierung Entscheidungen abverlangten, viele Menschen auf der Flucht, die über unsere Grenzen kamen, unserem Gemeinwesen auf die Probe stellten, und einerseits nie geahnte Solidaritäts- und Hilfswellen auslösten und andererseits die Artikulierung von Besorgnis, Ängsten, aber auch Unkenntnis und blanker Fremdenfeindlichkeit zur Folge hatten.

Darum das Motto "Farbe bekennen", so vielschichtig, wie man es verstehen kann und will. (Und wie es auch verstanden wurde, wenn ich an die bisherigen Beiträge denke.)

Dann kam der 13.11. Der mich, der uns traf. Ja, auch wenn tagtäglich weltweit viele Menschen sterben, für die wir unsere Facebookprofilbilder nicht ändern. Und das fordert Haltung, so oder so.

Zwei Wochen ist das her, die Welt hat sich weiter gedreht, aber die Unsicherheiten und Auseinandersetzungen sind nicht weniger geworden. Die Lage ist gefühlt angespannter denn je, was unser kleines Mitteleuropa betrifft, die Bedrohungen sind für uns spürbar. Und auch das verlangt Haltung - der Zivilgesellschaft und der Politik. 
Und nötigt mir Respekt ab angesichts der Menschen - auch der politisch aktiven und führenden - die es nicht zulassen, dass die Flüchtlingskrise und die betroffenen Menschen als argumentativer Spielball missbraucht werden.

Was ich in den vergangenen Monaten verstanden habe: Nicht jeder, der Vorbehalte und Ängste hat, ist deswegen ein fremdenfeindlicher Idiot. Wir müssen alle miteinander reden. Erklären. Verstehen. Menschen ernst nehmen. Es ist nicht alles einfach und nicht alles gut, wir müssen die Probleme benennen, versuchen. Lösungen zu finden. Ich glaube, das tun wir auch - "wir" auch mit Blick auf meine Kollegen.

Was ich aber auch zunehmend lerne: Ich bin nicht mehr bereit, Diskussionen um der Diskussion willen zu führen. Mich in spitzfindige feingeschliffene Diskurse verstricken zu lassen, in denen es nur noch um die Eloquenz geht, und so gar nicht um die Sache, weil die den Diskutanten viel zu profan ist. L'art pour l'art - sorry, not my piece of cake. Nicht hier.


Ich finde es großartig, dass viele Menschen ziemlich undogmatisch Stelllung beziehen, Farbe bekennen, etwas anstoßen. Ob das Winzer wie Thilo Strieth oder Bauer sind, ob das die Wein gegen Rassismus-Kiste ist. Ob der SWR, der ganz praktisch News for Refugees macht. 

Oder ob es um Auftritte mit Symbolkraft geht - Beethoven gegen die AfD. Ja, symbolisch. Ohne konkreten Effekt. Aber Symbole gehören zu dem, was uns bewegt.
Große Symbolkraft ging am vergangenen Wochenende von der "Probe" des Mainzer Staatstheaters aus, die just zu der Zeit stattfand, als die AfD auf dem benachbarten Gutenbergplatz eine Kundgebung abhielt. Die Wucht und Lautstärke der "Ode an die Freude" wäre geeignet gewesen, die Mauern von Jericho zum Einsturz zu bringen - hier behinderte sie im Viertelstundentakt nur die Anhänger von Frauke Petry, die in die Mainzer Innenstadt gekommen waren.

Das nenne ich Farbe bekennen. Unaufgeregt, ohne Rot zu sehen, klar in der Sache, unmissverständlich. Und ich finde auch die Erklärung des Intendanten, der die Aktion verteidigt, absolut nachvollziehbar.

Der Vollständigkeit halber: Die Aktion hatte übrigens ein Nachspiel - erst hat die Polizei Strafanzeige erstattet, wegen Störung der AfD-Kundgebung in grober Art und Weise, was gegen das Versammlungsrecht verstoße, später auch die AfD - ebenfalls wegen grober Störung und außerdem wegen der Verbreitung von Hassparolen. Als Beleg führte ein AfD-Sprecher den Vorwurf von Teilnehmern der Kundgebung an, dass Theatermitarbeiter versucht hätten, ein Plakat mit der Aufschrift "AfD verrecke" am Theater aufzuhängen, was die Polizei verhindert habe. Das Theater widerspricht - Sprecherin Fritzinger sagte dem SWR, das Transparent sei definitiv nicht von einem Mitarbeiter des Theaters angebracht worden. "Sobald wir das Banner entdeckt hatten, haben wir es entfernt." Und man habe dies auch am Samstagabend umgehend der Polizei so mitgeteilt." Inzwischen gibt es auch eine Petition gegen die Einleitung eines Strafverfahrens.
So viel Text, so wenig Wein. Der kommt jetzt. Es ist ja Weinrallye, trotz alledem.

Der Wein ist der Nachfolgejahrgang des 2013er ROTHENBERG, über den ein paar kurze, von Manfred Klimek geschriebene Zeilen die Gemüter erhitzte - Ihr wisst schon, der ausgespülte Aschenbecher ... (Ja, Klimek schreibt "2014", aber er hat de 2013er probiert, glaubt mir.
Den rieche und schmecke ich zwar (glücklicherweise) im 2014er auch nicht, dafür aber eine tiefe, würzige Mineralität, ein bisschen Salzigkeit (hey, wir sollten Wein-Bullshit-Bingo spielen).
Im Glas: 2014 ROTHENBERG, Riesling QbA trocken, Rheingau, DALGAARD&JORDAN.
In der Nase reifes Steinobst, kühler, nasser Stein, Rosen, ein bisschen grüner Tabak. Auf der Zunge trockene, trotzdem saftige Frucht, ein bisschen getrockenete Birne, Steinobst, das alles fest und straff, intensiv und mineralisch, lang und würzig. Der Wein kann Luft gut vertragen, nach ein, zwei Tagen (zugeschraubt im Kühlschrank stehend) macht er deutlich mehr Spaß als frisch geöffnet.

Weiter geht's mit den Beiträgen zur Weinrallye#92 - was ich bis jetzt gelesen habe, ist sehr schön, sehr unterschiedlich, sehr ... bunt. Farbe bekennen, so oder so.

Gastbeitrag: Weinrallye #92: Farbe bekennen!


Es ist der letzte Freitag im November, es ist Weinrallye, und wir freuen uns, in diesem Monat Gastgeber für dieses Blogevent sein zu dürfen.

Noch mehr freuen wir uns aber über den Gastbeitrag von Ronja, mit dem wir den Startschuss für die heutige Rallye geben.


Farbe bekennen auf einem Weinblog? Och nö, wie langweilig, da gibt’s doch nur rot oder weiß….. naja ok, im Sommer vielleicht auch noch Rosé – wenn man das überhaupt sagen darf?
Wenn in einem Restaurant auf die Frage nach Wein die Gegenfrage „rotoderweiß?“ kommt, vielleicht noch gekrönt von „trockenoderlieblich?“, empfiehlt sich ein Bier.

Dabei ist das mit dem rot oder weiß auch garnicht so einfach:

„Weißwein ist eher gelblich und Rotwein wird aus blauen Trauben gemacht“
(Zitat, weiß leider nicht, von wem)
Aber es geht ja noch weiter:  Die Trauben für den „Weiß“wein sind ja auch eher gelb-grünlich oder bräunlich bis grau-rosa … der Wein von blassgold bis tief-bernstein - weiß ist am Weißwein ja  garnix …. logisch, sonst wärs ja Milch ….

Farbe BEKENNEN … schreibt Tin, egal wo und wie ….. hmmm ….

In den frühen Achzigern waren bunte Haare ein Statement gegen die bürgerliche Spießer-Gesellschaft, ….. als Punk zu leben war damals nicht ungefährlich. Zwar nicht bei der Arbeit im Kuhstall : Kühe sind farbenblind. Aber schon m Schafstall war das anders: Schafe können nicht nur Farben sehen, sondern vermuten in der grünen Haarpracht irgendwas frisches kräutrig-salatiges und fraßen mir buchstäblich die Haare vom Kopf , da half nur der Wechsel auf blau oder pink.
Heute tragen ältere Landfrauen pinkfarbene oder blaue Strähnchen als modisches Accessoire …. *sic transit gloria mundi*

Farbe ist ja zunächst einmal nichts „politisches“, sondern etwas rein Physikalisches, die buchstäblichen  von den Elementen in den Himmel gemalten „alle Regenbogenfarben“ …. reine strahlende Farbe, ohne Trägersubstanzen.

Oder durch ein Prisma geschaut, sieht man alle Spektralfarben; auf Abbildungen immer sehr schön gleichmäßig verteilt, alle Farben gleich breit.
Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, die vortragende Dame ließ alle Teilnehmer durch Prismen schauen und erzählen, wie breit wir die einzelnen Farben sahen. Das war sehr interessant, denn KEINE/R der Anwesenden sah alle Farben gleich breit. Durch dasselbe Prisma bei derselben Beleuchtung sah ich bspw das Blau deutlich breiter, der Nachbar das Gelb, der nächste Grün usw ... hätte mich sehr interessiert wie das zustande kam, aber die vortragende Dame erklärte das leider sehr „esoterisch“, jede Farbe entspräche einem Körperteil (bspw blau=Kopf) und je nachdem, wie „gewichtet“ man die Farben im Prisma sieht, könne man irgendwelche seltsamen Rückschlüsse ziehen, ich weiß nicht mehr welche…. schade, das Phänomen als solches fand ich sehr interessant!

Aber zum Thema Farbe und Wein oder „Die Farben des Weines“ – gerade in diesem Herbst ein Feuerwerk an Rotgold-Tönen, alle Hobby- und Berufsfotografen gaben sich ein Stelldichein in den Weinbergen, aber mir fällt da immer der Maler Michael Apitz ein:
Seine Malerei ist irgendwie von den Konturen her sehr impressionistisch, eher „flirrend“ oder „verwischt“ ; in den Farben stark expressionistisch: kräftig, zum Teil düster; grandiose Werke, sehr oft mit dem Thema Wein, Weinlandschaften, Weinberge.

Sein berühmtes Triptychon  war lange in der hessischen Landesvertretung in Berlin ausgestellt, jetzt hängt es im Keller der Steinberg-Kellerei der hessischen Staatsweingüter – und verkleinert als Druck in vielen Wohnzimmern  …. ;-)

Hier in der Gegend ist Apitz eine lebende Legende, allerdings eher als Comiczeichner: Den Spätlesereiter Karl kennt hier jedes Kind, der gehört quasi zum Leben dazu.

Die Geschichten gibt es in insgesamt 12 Bänden, auch Geheimrat Goethe tritt darin immer wieder auf, als Weintrinker, Frauen …. ääähhh…. „Verehrer“ ???….und selbstbeweihräuchernde Promi-Ikone, immer auf der Suche nach dem nächsten Weinglas.

Seine Farbenlehre - womit nun auch der Bogen zurück zum Thema geschafft wäre ;-) - beschränkt sich auf blassgoldenen Riesling.

Einen Wein soll ich noch dazu finden? Ja klar, es geht ja um die WEINrallye ….

Hm , schwierig … es gab einmal einen Versuch, lange vor den „classic“-Linien, den Rheingauer Riesling ein bisschen zu „standardisieren“, einen Kabinett, der den „typischen“ Rheingauer Wein, bzw Riesling vertreten sollte. Auf dem Etikett abgebildet der „Rheingauner“ (mit “n“!) von Apitz,
das war immer ein sehr nettes „Mitbringsel“ – leider gibt’s den schon lang nicht mehr, angeblich wär das „zu wenig seriös“ gewesen.

Hallo? Was soll das denn? Wein darf keinen Spaß machen? Witzige Wein-Namen oder Etiketten sind doch heute überall zu finden, gehören quasi zum Standard …

Nun denn: zum „Karl“-Comic NUR und ausschließlich eine Riesling-Spätlese vom Schloss Johannisberg – was anderes kommt da gar nicht in Frage!

Dienstag, 1. September 2015

Genug ist genug


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Ich gestehe: Als die ersten "Blogger für Flüchtlinge"-Posts auftauchten, habe ich gedacht: Gut gemeint.
Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass in der Welt der Grubenhandtücher, gescheuerten Bohlentische und dekorativ arrangierter Kräuterstängel Platz gemacht wird für klare Worte. Jenseits der Bekenntnisse zu regional, authentisch, nachhaltig - name it.


Ich lag falsch. Erstaunlicherweise, glücklicherweise.

Und ich habe mich dann gefragt, was ich noch schreiben kann, was nicht schon gesagt wurde, nur eben nicht von allen.

Darum möchte ich an dieser Stelle zunächst auf das Projekt Blogger für Flüchtlinge verlinken - große Klasse. Hilfestellung für Hilfe. Jeder kann was tun. Danke.
 
Dann auf ein paar befreundete Blogs:
Dirk auf Würtz-Wein
Susa von hundertachtziggrad 
Dorotheée aka Bushcook
Eline vom Küchentanz
Jörg bei Utecht schreibt
Astrid auf Arthurstochterkocht

Und dann, wer mich ein bisschen kennt, weiß, wo und was ich arbeite, ein paar Filme/Texte zum Ansehen und Nachdenken. 
*klick*
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Wir beschäftigen uns seit langem mit dem Thema. Wir berichten, wir hinterfragen, wir versuchen, aufzuklären und, vor allem, "den Flüchtlingen" ein Gesicht zu geben. Viele Gesichter. Und, ja, wir verschließen die Augen dabei nicht vor den negativen Geschichten, die es auch gibt. Das sind wir unserem Job, unserem Auftrag schuldig.

Aber es geht es doch, verdammt noch mal, zu allererst um Menschen. Menschen in großer Not. Menschen, die alles hinter sich gelassen haben, in der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben. Und ja, auch, wenn es "nur" aus wirtschaftlichen Gründen ist. Wer will es einem Menschen verdenken? 

Ja, das kostet Geld. "Uns", das Land, in dem wir leben, unser Sozialsystem. Verdammt viel Geld. Aber: Wir, wir als Bürger,  wir als Gemeinschaft, wir als Land, wir leben im Wohlstand. Im weltweiten Vergleich sogar im Luxus. Nicht im gleichmäßig verteilten, aber daran würde sich auch nichts ändern, wenn wir die Flüchtlinge nicht aufnehmen würden.
Dafür bekommen wir als Bürger, wir als Gemeinschaft, wir als Land auch verdammt viel zurück. Nicht gleich, aber auf Dauer. Stichwort Nachhaltigkeit.
Die Menschen, mit denen ich, mit denen meine Kollegen gesprochen haben, die wollen etwas tun. Die wollen etwas leisten. Der Restaurant-Azubi aus Eritrea, der angehende Mechatroniker aus Afghanistan, der syrische Arzt. Sie alle sind gekommen, weil sie Mut haben, weil sie Träume haben, weil sie bereit sind, alles dafür zu geben.

Es ist unsere verdammte Pflicht, etwas für diese Menschen zu tun. Und es erfüllt mich mit Freude und, auch wenn ich nichts dafür kann, Stolz, zu sehen, wie viele Bürger dieses Landes spontan, engagiert, ehrenamtlich in die Bresche springen. 

Es macht mich wütend, dass die Politik häufig so schleppend reagiert, statt zu agieren. Ich will keine Minister mehr durch Aufnahmeunterkünfte laufen sehen und wohlfeile Sätze in die Mikrophone sprechen hören. Ich will, dass unsere Regierung Position bezieht, statt Vorwahlkampf zu betreiben. Ich will, dass Bürger, dass Institutionen, die helfen wollen, nicht durch unsinnige Regeln behindert werden.

Und ich will, dass die "man muss doch mal sagen dürfen"-Wutbürger, die Menschen, die nichts besseres zu tun haben, als Armut und Elend landsmannschaftlich hochzurechnen und aufzuwiegen, nicht mal im Ansatz das Gefühl haben dürfen, sie seien mehr als ein unterm Strich vernachlässigbarer Wurmfortsatz ewig gestriger, dumpfer verabscheuenswürdiger rechter Stimmungsmacher. 

Genug ist genug. Es ist Zeit für Klartext.