

Auf knapp 0,7 Hektar stehen inzwischen rund 2.000 Rebstöcke – ausschließlich weiße Sorten. Frühreife Neuzüchtungen, die auch in Deutschland kultiviert werden, wie Ortega, Kerner und Siegerrebe, aber auch die hierzulande eher unübliche Madeleine Angevine sowie, seit 2005, auch Solaris.
Das Zeitfenster für die
Wachstumsperiode ist in Dänemark viel kleiner als in unseren Breiten, die Blüte
beginnt später, die Reifephase läuft trotzdem selbst für die „frühen“ Sorten
bis in den Oktober. Doch das milde Klima durch die Nähe zum Meer begünstigt den
Weinbau, Hagermanns Weinberg „Højbjerg“ – zu deutsch: Hochberg - liegt zudem in
einer perfekten Südhangausrichtung. Vorwiegend Lösslehm, zur Talsenke hin auch
etwas Kalkstein - Steillage auf dänisch.
Lars hat seinen Weinberg
eingezäunt – nicht der Wildschweine wegen, sondern, um Spaziergänger
abzuhalten, die gerne ein paar Trauben „probieren“. Ein Warnschild soll auch
übermütige Jugendliche fernhalten – mit Erfolg.
Ausgebaut werden die Weine in
Edelstahl-Schwimmdeckeltanks. Vier Stück à 300 Liter, dazu einige Glasballons,
eine kleine Füllanlage, ein Minilabor. Eine Puppenküche im Verhältnis selbst zu
kleinen deutschen Weingütern.
Was als „verrücktes“ Projekt
begann, hat längst Rennomé – nicht nur in Dänemark. Der Jahrgang 2009 geriet
zum Erfolg. Hagermanns Madeleine Angevine, gelesen Mitte Oktober mit 86
°Oechsle und 7,7 Gramm Säure, wurde 2012 auf dem Nordseeland-Gourmet-Festival
als „Bester Weißwein des Jahres“ ausgezeichnet
und setzte sich gegen Konkurrenten aus Deutschland, Frankreich und
Deutschland durch. Fast 20 Euro kostete die 0,5-Liter-Flasche – für deutsche
Verhältnisse horrende Preise, für dänische Weine eher die Regel als die
Ausnahme.
Verkosten können wir aus dem
Nachfolgejahrgang Madeleine Angevine, Solaris und Ortega.
Die Weine sind allesamt sehr
säuregeprägt, fallen aber auch durch eine deutliche mineralische Note auf.
2010 Madeleine Angevine
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10%
Frischer Duft, Zitrusfrüchte,
weiße Blüten, ein bisschen weißfleischige Melone. Auf der Zunge knackige Säure,
packende, präsente Frucht, mineralische Noten, feste, gute Länge.
2010 Ortega
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10,5%
In der Nase säuerliche
Quitte, etwas Muskatblüte, ein bisschen Birne. Im Mund säuerliche, etwas
verwaschene Frucht, Birne Quitte, etwas Bienenwachs. Schöne Länge.
2010 Solaris
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10,5%
Der Wein, mit dem wir am
wenigsten klarkommen. Etwas vordergründiger Maracujaduft, frisch, aber nicht
übermäßig komplex. Auf der Zunge kernig, ein bisschen rustikal, würzige Noten.
Lars Hagermann empfiehlt
seine Weine zu Fisch- und Schalentiergerichten, Nordisk Cuisine, und die
dänischen Top-Restaurants haben Domain Aalsgaard selbstverständlich gelistet –
neben Weingütern wie Klaus-Peter Keller. Uns serviert er ein Smorrebrod mit
gebratenem Ziegenfrischkäse und Bärlauchblüten – und hat auch noch einen
Restauranttipp parat. Das „Café Nord“ in Ålsgårde, auf Seeland bekannt als das
„kleine Noma“. Exzellente Küche zum vernünftigen Preis.
Zurück zum Weinbau. Die 55
„offiziellen“ Weingüter werden größtenteils im Nebenerwerb betrieben. Dazu
kommen noch Hunderte Hobbywinzer, die auf Mikroflächen Reben anbauen.
Kurt Zangenberg hat hinter seinem
Haus in Snekkerup einen Weinberg angelegt – 0,4 Hektar klein. Darauf stehen:
Rotweinreben. Denn Zangenberg ist „rotweinverrückt“. Wie die meisten Dänen,
meint er.
(Kurzer persönlicher Zwischenruf: Kann ich so nicht bestätigen ...) Léon Millot und Rondo hat er 2005 gepflanzt. Die Reben werden vergleichsweise stark angeschnitten, zwei Bogen, nur ein KiloTrauben je Stock.Der Boden ist in den vorderen Reihen sandig, nach hinten wechselt er zu kiesigem Ton. Das gibt den Weinen einen kräftigen Touch – sagt der Winzer.
(Kurzer persönlicher Zwischenruf: Kann ich so nicht bestätigen ...) Léon Millot und Rondo hat er 2005 gepflanzt. Die Reben werden vergleichsweise stark angeschnitten, zwei Bogen, nur ein KiloTrauben je Stock.Der Boden ist in den vorderen Reihen sandig, nach hinten wechselt er zu kiesigem Ton. Das gibt den Weinen einen kräftigen Touch – sagt der Winzer.
2010 sah es etwas besser aus,
wenn auch mit exorbitanten Säurewerten, die eine Doppelsalzentsäuerung nötig
machten. Normalerweise baut Zangenberg die Rotweine sortenrein aus, 2010 gab es
auch eine Cuvée.
Wir probieren:
Léon Millot
Gelesen mit 64° Oechsle und
15,2 Gramm Restsäure. 50 Liter Ausbeute. Entrappt, maischevergoren, sieben
Monate im Fass ausgebaut – in der sechsten Belegung.
In der Nase Gewürze,
schwarzer Pfeffer, wild, fleischig, animalisch, darunter mischen sich mit mehr
Luft süßliche Noten. Reife rote Pflaume, Maulbeere, Lebkuchengewürz.
Auf der Zunge fest und
straff, rotes Fleisch, Leder, Mokkaschokolade, gute, feste Länge, aber nicht
fett und sättigend.
2010
50/50
Léon Millot&Rondo
In der Nase reife schwarze
Beeren, Leder, leicht flüchtige Töne, torfige Noten.Auf der Zunge straffe,
austrocknende Frucht, gute Säure, schönes Tanningerüst, ziemlich elegant, dabei
komplex mit guter Länge.
Ja, wir reden von Rotwein aus
Dänemark. Hochinteressant, zu Unrecht unbekannt und wenn bekannt, dann
unterschätzt. Noch sind es Orchideenprojekte – aber der Erfolg gibt ihnen jetzt
schon Recht.
Zum Abschluss des
Schnappschusses zieht es uns doch noch einmal zu einem Weißweinwinzer.
Im Portfolio: Zalas Perle,
Cabernet Cortis, Leon Millot. Und Regent. Ursprünglich.
Umgeben von Flieder- und
Nussbäumen stehen auf 500 Quadratmetern zehn Reihen à 50 Meter. In der ersten
Zeile gibt es erfahrungsgemäß fast keinen Ertrag – der Wind, die Wildtiere, der
feuchte Wald.
Dann kommen die
Hoffnungsträger. Leon Millot, mittlerweile 100 Stöcke, 30 Stock Cabernet
cortis, drei Reihen Rondo. Ursprünglich stand hier Regent. Acht Jahre hat Kim
damit experimentiert, die Stöcke wollten und wollten sich nicht eingewöhnen. Zu
schwer der Boden, zu viel Sturm und Regen, „sie fühlten sich nicht wohl“,
bilanziert der Winzer. Und dann kam jemand aus Korsør, aus der Stadt am Fuß der
Großen Beltbrücke, der kaufte die Stöcke, grub sie aus und pflanzte sie auf
eine kleine Insel im Belt. Und dort, so berichtet er, wachsen und gedeihen die
Reben – dort fühlen sie sich offenbar wohl.
Hier probieren wir den
letzten Wein unserer dänischen Momentaufnahme.
2010
Zalas Perle
Bedsted
12%
Duft nach Kiwi, Honigmelone,
Orangenblüten und Akazienhonig.
Auf der Zunge schöne,
trockene Frucht, Zitrus, rosa Grapefruit, Anklänge von Akazienhonig. Dezent
unterlegt von Säure (immerhin 8,6 g!), leicht und zart wirkend, hintenraus
nussige Töne mit einem leichten Bitterchen.
Sechs dänische Weine, ein
Schnappschuss, mehr nicht. Aber einer, der neugierig macht auf mehr.