Donnerstag, 13. Dezember 2012

Adventskalender 180° 2012 : Donnerstag, der 13.

Ich bin nicht abergläubisch. Ich besitze eine schwarze Katze, ob die mir nun von rechts nach links oder umgekehrt über den Weg läuft, ist mir grad egal. Ich gehe unter Leitern durch, ich wasche „zwischen den Jahren“ Wäsche und ich kriege keine Schnappatmung, wenn ein Spiegel in Scherben zerspringt. Ich habe also kein Problem mit  dem 13. Und eigentlich hätte ich mein Türchen ja sowieso am Freitag, dem 14., öffnen sollen. Und das ist ja nun sowieso so gar kein Unglückstag!
Außerdem bin ich Optimistin. Muss ich auch sein, weil der Hospitant ab und zu mal den Pessimisten gibt.
Aber dann rief Cordula um Hilfe, sie wollte den Donnerstag loswerden - Frauentausch bzw. Türchentausch, sozusagen. 180° hat nämlich, wie alle Jahre wieder, zum Adventskalenderbloggen aufgerufen. Und da sind wir dabei! Also, kein Problem. Ich habe mit Donnerstagen, die auf einen 13. fallen, kein Problem. Eigentlich. Sind ja keine Unglückstage. Eigentlich.



Wenn man sich als Jungwinzer (bitte keine abfälligen Bemerkungen, am Mittelrhein ist man das bis Mitte 60) versuchen will, kommt man um eine gewisse Grundausstattung nicht herum. Tanks. Ein Keller. Eine Kelter. Pumpe, Schläuche, Lesekisten … und, wenn die Weinberge leider 35 Kilometer und eine Fähre entfernt liegen, ein Transportmittel, das NICHT Bus und Bahn heißt. Als Sonntagskind fällt mir all das natürlich in den Schoß (hust).
Ein befreundeter Winzer lieh uns seine Infrastruktur, inklusive eines alten, verbeulten, blauen Mercedes Transporters. Mit dem juckelten wir im Morgengrauen rheinabwärts und in der Abendsonne wieder rheinaufwärts.

Bis zu jenem Donnerstagmorgen. Einem 13. Natürlich. Während der Ernte. Der Hospitant öffnete die Fahrertür, erstarrte, drehte sich zu mir um: “Wo ist der Schlüssel???”. Ich: “Steckt. Wie immer.” (Wir leben ECHT auf dem Land.) Lars: “Nein!” Ich: “Doch!”. Tatsache. Kein Schlüssel. Und nun sucht mal auf einem Winzerhof mit Kopfsteinpflaster, Blumenkübeln, Rasenflächen, … einen einzelnen Schlüssel, den ein Witzbold abgezogen und versteckt hat.
Wir haben eine halbe Stunde gesucht. Dann zuckte der Pessimist mit den Schultern und konstatierte: “Ernte für dieses Jahr beendet!”. Ich : “Nein!”. 


Mein Auto rückwärts in den Hof gefahren, Rückbank umgelegt, Lesekisten reingestapelt. 15 Stück. Dann war das Auto VOLL. Richtung Mittelrhein gejuckelt, gelesen … und, was soll ich Euch sagen? 15 randvolle Lesekisten ist genau die Menge, die zwei Leute an einem Tag im Steilhang ernten können. Ich fahre übrigens einen VW Fox.

 
Donnerstage, die auf einen 13. fallen, sind keine Unglückstage, sondern machen das Leben nur ein bisschen spannender.

Es sind die Tage, an denen den Schüssel in der Haustür abbricht, man das Schloss ausbaut und das stecken gebliebene Stück mit einer Rouladennadel rausgeprokelt bekommt und das Schloss einfach wieder einbaut. Oder auf glatten Treppenstufen das letzte Drittel abwärts segelt, den Inhalt des Biomülleimers gleichmäßig im Hausflur verteilt, sich aber noch nicht mal nen blauen Fleck geschweige denn Beinbruch zuzieht.

Es war ein Dienstag, der 11., als wir kurz davor waren, das Projekt “beiderseits des Rheins” zu beerdigen. Flächen im Rheingau zur Pacht zu finden ist so ungefähr ein Sechser im Lotto ohne Zusatzzahl. Ordentlich bewirtschaftete Flächen sind der Sechser MIT Zusatzzahl. An diesem Dienstag verlor ICH die Nerven und schaltete eine Annonce. Am Donnerstag - dem 13.! - rief jemand an und bot uns einen Wingert an, aber unser AB
schluckte einen Großteil der Nachricht. Der Mann rief am Freitag NOCH EINMAL an, und jetzt haben wir unseren Rheingauer Weinberg im Rüdesheimer Magdalenenkreuz. Wunderbar gepflegt. Auf Dauer.
Ich bin ja nicht abergläubisch. Aber einer der beiden Weine aus dieser Lage wird “Drei Kreuze” heißen.


 

An einem Donnerstag, dem 13., stellte sich heraus, dass wir keinen (benötigten) Starkstromanschluss in unserem neuen Keller haben. Mein Pessimist rollte mit den Augen. Abends haben wir Nachbarn ein Gläschen getrunken, da sagte G.: “Ei, der K. von nebenan hat doch Kraftstrom in der Garaasch, da könnt Ihr grad ein Kabel rüberlegen.” Es geht immer nur bergauf, Steillagenwinzer sind das gewohnt, anders wäre es ja auch langweilig.

Und an einem Donnerstag, dem 13., saßen wir in unserem Lieblingsbistro und plauderten mit
Restaurantchef H. über dies und jenes, peinliche Pannen, schreckliche Momente, es schüttelte einen förmlich, das geballte Halbunglück. Wir hatten gerade unsere Weihnachtspläne komplett über den Haufen geworfen (bekommen), irgendwie musste jetzt endlich der Moment erreicht sein, an dem das Desaster kippt.

H. der behauptet, er wisse immer genau, was wir trinken wollen, weil alle Tische mit winzigen Richtmikrophonen ausgestattet seien und er das in der Küche aufs Ohr gespielt bekäme, H. also lächelte diabolisch und brachte uns zwei Gläser.
Dunkelgoldgelb der Inhalt, schwerer Duft, nussig, karamellig, nach getrockeeten Birnen, kandierter Orange und süßlichem Holz. Auf der Zunge überraschend frisch, reife, süße Frucht, Walnusstöne, Waldhonig, wieder kandierten Orangen und Pomeranzen. Animierend, sehr harmonisch, ein sehr reifer Wein mit viel Ausdruck und guter Länge.

H. grinste immer noch diabolisch. Wir mussten raten. Ah-Ja. Blindproben machen demütig. “Kein Riesling?” Daumen hoch. Guter Anfang. Wie lange offen? “Zwei Tage!. Ich: “???”
Und kürze das Drama jetzt ab - im Glas hatten wir 


1953
Moelleux
Le Mont
Vouvray
Domaine Huet

Wären wir nie drauf gekommen, hätten wir nie geordert, hätten wir nie getrunken. Aber an einem Donnerstag, dem 13., passiert sowas. Einzigartig. Sonst wäre es ja auch langweilig! Und dass wir die Flasche dann geleert haben, ist ja wohl selbstverständlich.

Ich bin gespannt, was der heutige Tag noch so bringt. Cheerio, Miss Sophie, me gal.

P.S. Kann man übrigens noch kaufen - z.B. bei Vinaturel.


Kommentare:

  1. Eigentlich keine schlechte Idee. Wir geben den Winzern grundsätzlich nur einen Kleinstwagen zum Ernten, dann erledigt sich das Problem mit den hohen Erträgen von allein! ;-)

    Chenin ist ja auch so eine Rebsorte, die zumindest in Deutschland dauerunterschätzt wird.Und vernünftige Exemplare bekommt man schon gar nicht an jeder Ecke.
    Was ich bisher von der Domaine Huet getrunken habe, hat mich aber noch nie enttäuscht, auch wenn noch kein 60 Jahre alter dabei war.

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  2. Und wenn man dann am Donnerstag, den 13. auch noch auf dem Schlaukellamm die 1 verliert ... uiuiuiuiui ... ;-)
    Alles nur, weil ich tauschen wollte ....
    :-)

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  3. Autsch! Da hab ich doch glatt das Logo vom vergangenen Jahr eingebaut! Autsch! War ja irgendwie klar ... an einem Donnerstag, dem 13. ....

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  4. Man muss nur abergläubig sein, dann passierts auch am Mittwoch, den vierten...hundertprozentig :o)

    Habt ihr denn eigentlich den Schlüssel vom Auto wieder gefunden?

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    1. Hundertachtzigprozentig sogar!

      Und ich glaube nicht, dass der befreundete Winzer lange nach dem Schlüssel gesucht hat. Schätze, wenn man mal über das Jungwinzer-Dasein hinaus ist, kann man so ein Fahrzeug auch kurzschließen.

      Ich lebe ja auch ohne Kellerschlüssel ;-)

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  5. „Es sind keine Unglückstage, sondern machen das Leben spannender“ Ein großes Wort gelassen aufgeschrieben.

    Und im übrigen ist es sehr kurzweilig zu lesen, Euer Leben an manchen Donnerstagen.

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  6. Dafür ist es Freitags, zumal an 13., wahrscheinlich öd langweilig. Das mit dem Schlüssel würd mich ja auch interessieren oder kann der Hospitant etwa Autos kurzschließen?

    And now I declare this bazaar open.

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  7. Das war leider ein Auto bzw "Bussche" der neuen Generation, die selbst Hospitanten mit gewisser krimineller Energie nicht einfach so kurzschließen können. Sagen wir es so, es gibt einen neuen Schlüssel, der alte Schlüssel ist wieder aufgetaucht, und im Frühjahr können wir unsere Gitterbocen mit dem Bussche hoffentlich ins Trockene, also in unseren Keller verfrachten.

    Wird wenigstens nie langweilig ...

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  8. Also ich plädiere dafür, Christin und Hospitanten künftig Türchen Nr. 13 als Patenschaft zu übergeben. Das so schön in der Mitte zwischen Matthias und Praktikant. Was verlässliches quasi ;o)

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  9. "Als Sonntagskind fällt mir all das natürlich in den Schoß (hust)".
    Natürlich. Wobei das ALLES nur für Sonntagskinder aus Hannover gildet, word! :)
    Liebes, das hat wieder so eine Freude gemacht, ich bin ganz bei Toni und dringe auf Deine Patenschaft für das 13er Türchen! Gibts nicht auch einen Film? Der 13. Ritter? Den könnte doch dann der Hospitant geben! :)

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  10. Sehr nette Geschichte hast du hier getippt. Gefällt mir sehr gut, deine Art zu schreiben. Mach bitte genauso weiter.

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